
Elisabeth Ammer, Straubinger Tagblatt vom 7.2.2025

Erinnerungsbild vom Gedenkabend
von links: Pfarrer Markus Daschner, Zeitzeuge Sepp Danner, 1. Bürgermeister Herbert Lichtinger,
Zeitzeuge Xaver Märkl, Zeitzeuge Ludwig Stadler, Referent Robert Schrock,
Zeitzeuge Hubert Zellmer, Ortssprecher Johannes Bayer
Die Dorfgemeinschaft Oberharthausen veranstaltete am 5. Februar 2025 einen würdigen Gedenktag. Erinnert wurde dabei an die Bombardierung des Dorfes vor genau 80 Jahren am 5.2.1945. Der Abend begann mit einem gut besuchten Gedenkgottesdienst in unserer Filialkirche. Mit drei Kerzen am Altar wurde der drei Opfer dieses Tages gedacht und eine weitere Kerze brannte für die Opfer dieses Krieges. Herr Pfarrer Markus Daschner gedachte der drei Toten und Heinrich Reif umrahmte den Gottesdienst mit Liedern aus der Schubertmesse. Nach der Hl. Messe begaben sich die Besucher zum Gemeinschaftshaus.
Das Gemeinschaftshaus wurde von den interessierten Zuhörern brechend voll. Ortssprecher Johannes Bayer begrüßte die Gäste mit einleitenden Worten und sprach dabei auch die schlimmen Kriege und dass so etwas wie dieser Krieg nie wieder vorkommen darf. Pfarrer Markus Daschner und 1. Bürgermeister Herbert Lichtinger beehrten uns mit ihrem Besuch. Ehemalige Oberharthausener, wie die Familie Schrock, Josef Gürster, Klara Zirngibl, Rita Sigl, Christine Danner, Christina Danner-Bauer, Margit Stadler, Fritz und Marianne Späth, Wild Richard und Hubert Zellmer jr. kamen gerne zu der Veranstaltung.
Der Referent Robert Schrock, der Sohn der ehemaligen Wirtsleute der „Hall“ von Oberharthausen, überzeugte alle Besucher mit tiefgründigen und exakten Recherchen der Kriegsszene um diesen „schwärzesten Tag“ von Oberharthausen. Er zog auch immer wieder Forschungsergebnisse vom Historiker Helmut Erwert heran, der uns vor 15 Jahren einen so treffenden Vortrag über das Kriegsgeschehen gehalten hat. Erkenntnisse vom Forscherteam Robert Schrock / Hein Sax wurden ausgiebig erläutert. Robert nahm die Gäste mit auf eine Bomberfluganimation über Oberharthausen und zeichnete mit Google Earth die Fluglinien der Bomberverbände nach. Originale Einsatzpläne der Bombergeschwader der Amerikaner sowie originale Luftbilder der Bombeneinschläge konnte man sehen. Er verwies im Vortrag mit Bildern auf das Schicksal umliegender Dörfer wie Hankofen, Haid und Schönach, die ebenso wie Oberharthausen Opfer von Fehlinterpretationen der Bomber beim Anflug auf ganz andere Ziele wurden.
Still wurde es im Saal, als er eingangs die Sterbebilder der drei Getöteten zeigte. Begleitend dazu verlas er einen Zeitungsartikel unseres verstorbenen Pfarrers Josef Schmaißer von 1999, der die Ereignisse im Dorf erkundet hatte. Auch ein treffender Aufsatz von Helmut Erwert gab detaillierte Aufschlüsse über die Bombardierung. Mit Schaubildern der verschiedenen amerikanischen Bomber konnte Robert genau die Tätigkeiten der Bombermannschaft an Bord erklären. Er zeigte auch die Probleme in den Flugzeugen auf, mit denen sie zu kämpfen hatten, und aus denen dann die Fehlwürfe der Bomber resultierten. Ob schlechte Sicht, falsche Radarbilder oder Motorschaden die zur Umkehr zwangen, führten zu falschen Zielorten.
Im zweiten Teil des Abends konnten die Zeitzeugen ihre Erlebnisse dieses schrecklichen Tages schildern. Sepp Danner, Xaver Märkl, Hubert Zellmer und Wick Stadler erzählten ausführlich von den Ereignissen. So erlebten die Gäste die Ängste und Nöte der Kinder, die sie 1945 waren. Sie erzählten über ihre Verstecke, als das Brummen der Bomber hörbar wurde, und im Radio Bombenalarm gegeben wurde. Jeder wusste, wo er beim Einschlag gerade war. Diese Erlebnisse haben sich ins Gedächtnis eingebrannt, und sind auch nach 80 Jahren detailgenau abrufbar. Am schlimmsten war die Situation für Wick Stadler beim Bombeneinschlag, weil er neben sich seinen Schulkameraden sterben sah. Er wurde durch das Lob Gottes gerettet. Er ministrierte dann bei der Beerdigung der drei Toten und eben seines Schulkameraden Ludwig Aigner. Das sind bedrückende Erlebnisse. Hubert Zellmer erzählte, dass ihn der Nazi-Lehrer Geiger in der Schule Pönning geschimpft hat, weil er an dem Tag einen roten Pullover angezogen hatte. Er sagt, mit der Farbe verrät er sein ganzes Dorf.... Sepp Danner erzählte die Ereignisse, als die Amerikaner am 28. April in Oberharthausen einfuhren. Er konnte genau schildern, wie es zu dem Vorfall kam, dass zwei SS-Soldaten zwei amerikanische Soldaten aus dem Jeep erschossen haben. Danach überschlugen sich die Ereignisse und die Amerikaner nahmen Aufstellung um das Dorf zu beschießen. Nur auf Vermittlung von Josef Aigner und Friedel Kurz (konnte Englisch und war eine Bekannte der Familie Semmelbauer) konnte schlimmeres für das Dorf verhindert werden.
Xaver Märkl brachte zu dem Abend alte Funde aus der Kriegszeit mit. So hatte sein Vater damals eine Lichtmaschine aus einem Bomber ausgebaut, der am 9.6.1944 bei Perkam abgestürzt war. Auch eine Steuerkette aus diesem Bomber konnten auf einem Schautisch begutachtet werden. Eine originale Gasmaske der deutschen Wehrmacht befand sich ebenfalls in seinem Fundus. Xaver Märkl konnte den neugierigen Zuhörern genauestens über die Teile Auskunft geben. Das begehrteste Requisit aus dem Tag des Bombenabwurfs war ein „Lob Gottes“ von Stadler Wick. Dieses „Lob Gottes“ rettete ihm das Leben, weil ein Granatsplitter abgefangen wurde und nicht in seinen Körper einschlagen konnte. Es gab viele erstaunliche Aussagen der Zeitzeugen, welche die neugierigen Gäste zum Nachdenken brachten.
Zum Nachdenken für die Gäste waren auch die abschließenden Worte von Robert Schrock. Er zeigte die Flüchtlingszahlen von Oberharthausen auf, die in den Jahren 1945-1948 mit 157 in den alten Gemeindebüchern beziffert wurden. Damals wurden die Flüchtlinge im Dorf integriert, teilweise Familien bis zu sieben Personen. So auch die Eltern von Robert, die 1949 als Flüchtlinge im Dorf ankamen. Sie arbeiteten fleißig und pachteten das Wirtshaus die „Hall“. Sie waren bis zu ihrem Tod angesehene Leute. Robet bedeankte sich bei den Oberharthausenern für die sehr gute Aufnahme im Dorf. In diesem Sinne verwiesen Robert und auch Ortssprecher Johannes in der Zusammenfassung auf das Miteinander und Zusammenhalten im Dorf und in der Gesellschaft. So können viele Probleme gelöst, bzw. erst gar nicht entstehen. Toleranz gegenüber anderen Menschen und Einsatz für die Demokratie sind wichtige Erkenntnisse aus der Kriegszeit. Das sollten wir als Lehre aus dem 2. Weltkrieg und aus dem Gedenktag mit in unsere Zeit nehmen. Wir sollten dankbar sein für unsere friedliche Zeit und nicht immer gleich schimpfen und demonstrieren. Bedenkt man, was diese Menschen damals erlitten haben, dann ist unser Leben jetzt in Friede und Freiheit ein Geschenk.
Abschließend bedankte sich Ortssprecher Johannes Bayer bei Robert Schrock für seinen hervorragenden Vortrag mit einem Gutschein. Auch Elisabeth Ammer und Hein Sax bekamen ein Geschenk übereicht.
Die Dorfgemeinschaft bedankt sich bei Pfarrer Markus Daschner für den feierlichen Gottesdienst und der Teilnahme am Gedenktag. Danke an den 1. Bürgermeister Herbert Lichtinger für seine Teilnahme am Gottesdienst und an der Veranstaltung.
Danke den freiwilligen Helfern im Service und für die Organisation dieses Abends von Uli Aigner und Johannes Bayer.
Danke an Elisabeth Ammer für den Zeitungsbericht über den Gedenktag.
Danke an Hein Sax für die Schautafel im Gemeinschaftshaus, als ständige Erinnerung an den „schwärzesten Tag Oberharthausens!“
Danke den Zeitzeugen Danner Sepp, Zellmer Hubert, Märkl Xaver und Stadler Wick für ihre interessanten Beiträge und Erinnerungsstücke an den Krieg.
Danke an die zahlreichen Gäste für ihr freundliches Erscheinen.
Die Dorfgemeinschaft Oberharthausen hat mit diesem Abend gezeigt, dass dieser schreckliche Kriegstag nicht vergessen wird, auch nicht nach 80 Jahren. Mit Robert Schrock war ein ausgezeichneter Referent am Start, der sich von den Geschehnissen von damals ein großes Wissen angeeignet hat und der das Wissen auch in Zusammenhängen erklären konnte. Zusammen mit Hein Sax forschte er jahrelang an den Umständen, die zu der Bombardierung unseres Dorfes geführt haben. Es kamen dabei viele Details zu Tage. Recht herzlichen Dank für das Abbilden dieses Tages.
Möge bei uns weiterhin Frieden herrschen und dieser furchtbare Tag der einzige bleiben…

Der Altar war beim Gedenkgottesdienst reichlich mit Kerzen geschmückt. Drei Kerzen brannten
am Altar für die drei Toten und eine für die Opfer des Krieges.
Die anderen Kerzen waren für den abschließenden Blasiussegen angerichtet.

Lob Gottes von Stadler Wick, das den Granatsplitter auffing
Schautisch mit den Erinnerungsstücken von Xaver Märkl an den Krieg



Gedenktafel mit Größe DIN A0 von Sax Hein erinnert an die Bombardierung
und wird im Gemeinschaftshaus aufgehängt
Noch etwas in eigener Sache:
Ich habe ein kleines Begleitheft zu den Ereignissen des 5.2. 1945 und der Zeit danach verfasst.
Das Heftchen wird mit den Bildern vom Gedenktag um die 75 Seiten haben.
Wer Interesse hat, solle sich bei mir bis 15. 2. 2025 melden. Der Gedenktag vom 5.2.2025 wird noch mit eingefügt.
Nicht melden brauchen sich diejenigen, die mir schon am Gedenktag ihren Kaufwunsch gesagt haben.
Das Heft kostet 10,- Euro
Heinrich Sax
Telefon 09420 1506
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
