Meldungen im Laberboten vor 100 Jahren (1926) aus unserer Gegend
Feldkirchen, 11. Januar
Am vergangenen Donnerstag nachmittags gegen ½ 1 Uhr brach im großen Stadel des Gutsbesitzers Jakob Pielmaier in Neufang gleichzeitig an zwei Stellen Feuer aus, dem der Stadel mit dem gesamten Inhalt, darunter viele Ackergeräte, zum Opfer fiel. Brandstiftung wird vermutet. Der beträchtliche Schaden ist größtenteils durch Versicherung gedeckt. Die Feuerwehren der umliegenden Gemeinden waren am Brandplatze erschienen.
Schwimmbach, 22. Februar
Am Samstag abends rief der ewige Marschall einen müden Streiter zur großen Armee ein: den Ausnahmssöldner Herrn Josef Seeholzer, der das hohe Alter von 81 Jahren erreichte. Der Verstorbene machte den Feldzug von 1870/71 mit, nach dessen Beendigung ihm das mächtige Aufblühen des deutschen Vaterlandes zu sehen gegönnt war. Seeholzer war ein fleißiger und zufriedener Mann. Gott gebe ihm den ewigen Frieden!
Metting, 25. Februar
Am Sonntag hat die hiesige Gemeinde den Bierstreik erklärt. Die Gemeindebürger verpflichten sich bei Strafe von 10 Mark, solange kein einheimisches Bier zu trinken, bis dasselbe einen angemessenen Preis hat.
Perkam, 9. April
Ab 1. April wurde das Bauernvereinslagerhaus in Perkam geschlossen. Herr Lagerhausverwalter Max Schuster, der sich durch sein entgegenkommendes liebenswürdiges Wesen die Achtung aller erworben hatte, musste leider von Perkam scheiden. Die von ihm geführte Rechnerstelle beim Spar- und Darlehenskassenverein Perkam wurde von H.H. Kooperator Georg Hofmann übernommen. –
Am Ostersonntag und Ostermontag trat der Radfahrerverein Perkam an die Öffentlichkeit mit der Aufführung des Theaters „Der Gmoalump“ und des Nachspieles: „Hans und Peter auf der Brautschau“. Von allen Seiten kamen zahlreiche Gäste herbei und am Ostermontag abends war der Saal der Koller´schen Gastwirtschaft ganz überfüllt. Obwohl fast alle Spieler zum ersten Male bei einem größeren Stück auftraten, wurde flott gespielt. Der Radfahrerverein kann mit Erfolg dieses seines ersten Auftretens wohl zufrieden sein.
Hirschling, 2. Mai
Seltenes Jagdglück hatten die Hirschlinger und Frauenhofener Jäger. Sie erlegten am 30. April einen lebenden Dachsen. Das schöne Tier ist in Hirschling bei Herrn Pömmerl gegen eine Maß Bier zu sehen. Denn nach mühevoller Arbeit schmeckt eine Maß.

Straubing, 10. Juni
Das Hochwasser ist weiter gestiegen. Gestern früh 7 Uhr stand es auf 3 Meter, nachmittag um 5 Uhr hatte es 3,11 Meter erreicht und heute früh um 7 Uhr stand es auf 3,25 Meter. Den Höchststand von 3,35 Meter soll es heute Abend erreichen. Von Ingolstadt traf gestern nachmittag 5 Uhr die Meldung ein, dass dort der Stand nur mehr 2,93 Meter beträgt und dass das Wasser bereits stündlich um 2 cm fällt. In Straubing interessiert man sich diesmal allgemein für das Hochwasser. Sowohl früh, wie mittags und besonders aber abends kommen hunderte von Interessenten an die Donaubrücke, um sich über den Stand des Wassers zu orientieren. Der Hagen gleicht schon wieder einem See. Allseitiges Bedauern wendet sich den Wiesen- und Feldbesitzern des Donautales zu, die nun schon im dritten Jahrgang unter den schweren Folgen der Überschwemmung zu leiden haben. Für heuer ist die Sache umso schlimmer, als wir unmittelbar vor der Heuernte stehen. Die Heuernte hätte diesmal einen besonders reichen Ertrag hoffen lassen und jetzt wird sie bei denen, die im Überschwemmungsgebiet liegen, so ziemlich vernichtet sein, denn das Heu, das nach einer Überschwemmung gewonnen wird, ist als Futtermittel nahezu unverwertbar.

Oberharthausen, 17. September
Der 19jährige Alois Dachauer, landwirtschaftlicher Arbeiter von hier, gedenkt demnächst auszuwandern um in Amerika sein Glück zu suchen
Haindling, 17. September
Als vorgestern ein Telefonarbeiter in der Nähe des Dünzl-Anwesens auf einen 9 Meter hohen Mast arbeitete, stürzte derselbe um. DerMonteur war eine halbe Stunde bewußtlos. Der Arzt konnte glücklicherweise nur Prellungen konstatieren.
Pönning, 23. September
Heute wurde auf unserer Filialgemeinde der älteste Mann beerdigt, Herr Johann Eigelsberger, Ausnahmsbauer von hier, in einem Alter von 84 Jahren 4 Monaten. Bis in sein hohes Alter war er nie ernstlich krank gewesen, erst seit Fastnacht des heuerigen Jahres nahmen seine Kräfte allmählich ab. Vor einigen Wochen ergriff ihn die Grippe, die er aber überstand, doch die Altersschwäche machte sich stark geltend; er konnte sein Krankenlager nicht mehr verlassen und am Dienstag früh trat der Tod ein. Mit dem Verstorbenen ist ein Ehrenmann dahingegangen, der auf allen Seiten beliebt und geachtet war. Noch in seinen letzten Jahren ging er Tag für Tag mit einem Werkzeug in den Wald oder aufs Feld, um bald da bald dort etwas zu besorgen. Nun hat der Tod seinem unermüdlichen Schaffen ein Ende bereitet. Möge ihm auch Gott den wohlverdienten Lohn geben!
Feldkirchen bei Straubing, Juni
Unsere Pfarrkirche hat in diesen Tagen einen neuen schönen Schmuck erhalten. Der Reliquienschrein mit dem hl. Leibe des Märtyrers Johannes, Bruder des hl. Paulus, deren Fest die Kirche am 26. Juni begeht, wurde im Frauenkloster St. Klara in Regensburg einer gründlichen Restauration unterzogen. St. Klara hat einen hervorragenden Ruf in der Technik der Fassung von hl. Reliquien und schon manch schönes Werk ist aus den fleißigen Händen dieser kunstsinnigen Schwestern hervorgegangen. Was aber diesmal bei der Neufassung und Ausschmückung des hl. Johannes geschehen ist, dürfte alles Bisherige weit übertreffen. Die überglückliche Pfarrgemeinde Feldkirchen ließ am Montag den Schrein vom dortigen Kloster, wo der heilige Leib in der Klosterkirhe mehrere Wochen zur Verehrung ausgestellt war, abholen, wozu der hiesige Gutsbesitzer Herr Joseph Amann in dankenswerter Weise sein Auto zur Verfügung stellte. Eine größere Anzahl Pfarrangehöriger sah der Ankunft des den kostbaren Schatz überbringende Autos mit Freuden entgegen, worauf der Schrein mit seinem wertvollen Inhalt sofort an Ort und Stelle gebracht wurde. Derselbe mit dem von Herrn Kirchenmaler Graf, Straubing sehr reich vergoldeten Rahmen bildet jetzt die schönste Sehenswürdigkeit unserer herrlichen Barockkirche. Möge es im nächsten Jahr gelingen, die Restauration der Pfarrkirche um ein bedeutendes Stück vorwärts zu bringen.
Hirschling, 3. Dezember
Der katholische Burschenverein Hirschling tritt am kommenden Sonntag zum erstenmal mit einem Theater an die Öffentlichkeit. Zur Aufführung kommen drei heitere Stücke, darunter „Die Hundswut“. Näheres siehe Inserat.
Perkam, 3. Dezember
Die Maul- und Klauenseuche breitet sich immer weiter aus. In Perkam sind bisher 3 Anwesen davon betroffne, in Frauenhofen einees. In Oberharthausen sind auch bereits einige Stück Vieh an der Seuche eingegangen.
Pönning, 9. Dezember
In Kleinpönning ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. In den Gemeinden Aiterhofen und Atting ist sie erloschen.
Hirschling, 10 Dezember
Bei der gestrigen stattgefundenen Feldjagd in 5 Bogen wurden 37 Hasen erlegt.
Perkam, 10 Dezember
Am Montag wurde die herkömmliche Feldjagd in Perkam gehalten. Es wurden 204 Hasen zur Strecke gebracht, für das heurige Jahr ein sehr gutes Ergebnis. Dabei passierte den anwesenden Jägern das Pech, daß auf einen Hasen nicht weniger als 17 Schuß gemacht wurden, Meister Lampe aber trotzdem noch aus der Kette entspringen konnte.
Pönning, 10. Dezember
Bei der am Dienstag stattgefundenen Feldjagd konnten nur 36 Hasen geschossen werden. Die Pönninger Gemeinde hat namentlich in den Feldern nach Oberharthausen und Kleinpönning zu sehr unter der nassen Witterung gelitten, so dass das Ernteergebnis zum Teil ein sehr mageres ist. Dadurch hatte natürlich auch das Wild zu leiden. Vor kurzem wurden von den beiden Gemeinden Pönning und Oberharthausen eine Entwässerungsgenossenschaft gegründet, um die Felder und Wiesen zu entwässern. Es soll demnächst mit den Arbeiten begonnen werden.
Oberharthausen, 10. Dezember
Am Feste Marä Empfängnis verschied dahier im gottgesegneten Alter von 85 Jahren die Ausnahmssöldnerin Frau Barbara Gruber. Die Beerdigung findet am Samstag statt.
Beschlüsse des Gemeinderats von Oberharthausen aus dem Jahr 1926
Niederschrift
Aufgenommen am: 1.6. 1926 zu Oberharthausen
Gegenstand der Beschlussfassung: Hochwasser
Die Gemeinde stellt aus Gemeindemitteln zur Unterstützung der vom Hochwasser betroffenen Gemeinden 100 RM (Reichsmark) zur Verfügung.
Betreff: Zuwachssteuer
Die Gemeinde führt die Zuwachssteuer bei Veräußerung von Grundstücken, in denen der Veräußerer das Eigentum in der Zeit von 1.1.1919 bis 31.12.1924 erworben hat., ab 17.6.1926 ein.
Wurm, Ebner, Semmelbauer, Loichinger, Schmaißer, Hösl
Erklärung Zuwachssteuern
Steuern, bei denen der Zuwachs eines Steuergegenstands Bemessungsgrundlage ist. Man kann dabei unterscheiden zwischen Mehreinkommen-
Übergewinnsteuern (Steuer auf den Mehrbetrag gegenüber dem Gewinn einer vorangegangenen Basisperiode, z.B. die Excess Profits Tax während des Ersten und Zweiten Weltkriegs in Großbritannien und USA.) und
Vermögenszuwachssteuer (Steuer auf die Zunahme einer Bestandsgröße des Vermögens. In Deutschland in der Zeit des Ersten Weltkriegs erhoben)
Niederschrift
Aufgenommen am: 1.8. 1926 zu Oberharthausen
Gegenstand der Beschlussfassung: Zuwachssteuer
Zur beschlossenen Zuwachssteuer vom 17.7.1926 werden auf die ortspolizeilichen Vorschriften zum Vollzug der Zuwachssteuer angenommen.
Wurm, Ebner, Semmelbauer, Loichinger, Schmaißer, Hösl
Niederschrift
Aufgenommen am: 30.11. 1926 zu Oberharthausen
Gegenstand der Beschlussfassung: Mietanteil für Arrest Feldkirchen abgelehnt
Der Gemeinderat lehnt die Übernahme des auf die Gemeinde treffenden Mietanteil von jährlich 12 Mark zur Neueinrichtung einer Gendarmerie – Arrest in Feldkirchen ab.
Wurm, Ebner, Semmelbauer, Loichinger, Schmaißer, Hösl
Niederschrift
Aufgenommen am: 31.8. 1926 zu Oberharthausen
Gegenstand der Beschlussfassung: Steuereinhebung in den Landgemeinden
Der Gemeinderat lehnt die Einhebung der Steuern ab. Der bisherige Hilfskassier Hösl soll auch weiter hin wie bisher die Steuern einheben.
Wurm, Ebner, Semmelbauer, Loichinger, Schmaißer, Hösl
Feuerschau 14. April 1926
Es wurden durchwegs fehlende Bodenbleche am Kamin beanstandet



