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Heute vor 76 Jahren wurde unser Dorf von den Amerikanern bombardiert. Die Bomber starteten in Italien und hattne als Ziel den Ölhafen von Regensburg. Durch schlechte Witterung und Motorprobleme wurden die Bomben zu früh und im falschen Ziel abgeworfen. Der Sohn eines Standordkommandanten aus Italien schrieb später, Oberharthausen war kein Ziel der Amerikaner. Die Bomben wurden versehentlich abgeworfen. Das kostete den Michael Gürster, seiner Tochter Ottilie und dem Buben Andras Aigner von Grollhof das Leben. Durch Gottes Hilfe überlebte Ludwig Stadler diesen Einschlag, weil sein Lob Gottes einen Granatsplitter auffing ( siehe Bilder unten). Möge dieser furchtbare Krieg der letzte gewesen sein...

 

 


Aigner Ludwig, 12 Jahre

Ottilie Gürster, 22 Jahre

Michael Gürster, 64 Jahre

 

Zweiter Weltkrieg und Bombardierung am 5. 2.1945
(von Pfarrer Josef Schmaißer: Orts-und Hofgeschichte von Oberharthausen)  

 

Man war es gewohnt, dass gegen Ende des Krieges täglich Bombengeschwader aus südlicher (Italien) oder westlicher (England) Richtung über des Dorf in großer Höhe flogen. Dieser scheinbare Friede wurde jedoch am 05. Februar 1945 jäh unterbrochen. Es war ein Montag, Hochnebel lag über der Ebene um Straubing. Gegen Mittag lösten die Sirenen Vollalarm aus. Die Kinder der Volksschule Pönning wurden nach Hause geschickt. Unter ihnen waren auch Ludwig Stadler, geboren 1935, aus Oberharthausen und Ludwig Aigner aus Grollhof, geboren 1933. Der Dorfhirte Stadler hatte, wie gewohnt, die Zuchtsauen des Dorfes nach 12 Uhr zum Schweinepferch am Ostende des Dorfes (heute ist dort das Gemeinschaftshaus) getrieben. Der Bauer Michael Gürster, geb. 1883 und seine Tochter Ottilie, geb. 1922, trieben auch ihre Schweine zur Hauptstraße, um den Anschluss nicht zu verpassen. Da der Bomberlärm immer stärker wurde, stellten sie sich unter die mächtige Esche an derAuffahrt zum Hof. Zu ihnen gesellten sich die beiden Schüler Ludwig Stadler und Ludwig Aigner.

Der Bomberstrom flog von Süden kommend über das Dorf. Einige von ihnen luden dabei ihre Bombenlast ab. Man zählte später etwa 64 Bombeneinschläge. Der Schaden ist katastrophal. Drei Tote, zwei Verletzte, drei landwirtschaftliche Anwesen fast total zerstört. Den Einschlägen nach wurden drei Bombenstreifen gelegt, beginnend südlich vom Dorf, durch das Dorf, bis hinaus in die Feldflur, etwa innerhalb der beiden Zufahrtstraßen, die von Pilling und Ringenberg kommen. Im Augenblick des Bombenhagels standen Michael Gürster und seine Tochter Ottilie neben der Esche in Richtung Hof. Der Schüler Ludwig Stadler suchte Schutz am Eschenstamm und Ludwig Aigner befand sich etwa seitlich vom Baumstamm. Etwa 10 Meter hinter ihnen schlug eine Bombe (oder waren es zwei?) in die Hauswiese ein. Die beiden Gürsters und Ludwig Aigner waren sofort tot (Lungenriss). Ludwig Stadler schützte der Baumstamm vor dem tödlichen Luftdruck. Er erhielt einen Splitter in den Oberschenkel, ein anderer traf ihn am Hinterkopf, ohne tief einzudringen. Weiter wurden seine Bücher im Schulranzen von Splittern durchbohrt.


 

 

Hier sieht man das "Lob Gottes" des Schulbuben Ludwig Stadlers, das den Granatsplitter aufgehalten hat. Er hatte den Schulranzen am Rücken getragen. Ohne dem Ranzen und dem Buch hätte ihn der Granatsplitter töten können. Seinen Lebensretter, das "Lob Gottes" hat sich Ludwig Stadler bis heute aufgehoben.

                                                                                           

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Die Tochter Maria Gürster, geb. 1930, hörte die Bomben, alarmierte die Mutter und flüchtete sich ins Haus. Sie suchte unter einem Eichentisch Schutz, der rettete ihr das Leben. Er hielt Balken und Schutt von dem Mädchen ab. Frau Wally Gürster schützte das „böhmische Gewölbe“ des Pferdestalles, das dem Druck nicht wich. Die Bomben brachten das Haus und den Pferdestall zum Einsturz, ebenso den Ostteil der Scheune, den Schuppen und den großen Backofen mit Schmiede. Weitere Bomben fielen in nächster Nähe. Das Anwesen des Josef Lachenschmied wurde zerstört. Eine Bombe schlug direkt auf die Ortsstraße ein. Sie brachte einen Knüppeldamm in etwa 1 Meter Tiefe zum Vorschein. Nach einer alten Erzählung fuhr einst eine Gräfin durch das Dorf. Sie blieb jedoch im tiefen Schlamm stecken. Auf das hin ließ sie, wohl aus Mitleid mit dem Dorf, die Straße mit einem Knüppeldamm befestigen. Auch soll von ihr das lebensgroße Kreuz in der Kirche stammen. Sagen haben doch eine historische Wurzel! Eine andere Bombe beschädigte die Bergmann-Scheune schwer (heute Weißhaus). Andere Bomben fielen auf die Felder, die zum Teilnicht zur Explosion kamen.
Das Anwesen des Johann Schiesl, neben der Auffahrt zum Gürsterhof, wurde schwer getroffen. Ein Volltreffer schlug in den Stall und tötete das Vieh. Einer Kuh wurde der Kopf abgerissen. Er flog, noch angekettet an einem Stück des Futterbarrens, in die nebenanliegende Küche. Die Zwischenwand zum Haus wurde eingerissen. Der kleine Sohn Hans schwänzte an diesem Tag die Schule. Er lief in jenen Minuten zum Schutz ins Haus. Als der Stall und das angebaute Wohnhaus einstürzten, wurde er durch einen Balken an den Wassergrand gedrückt und erlitt eine Schädelfraktur an der Stirnseite, die heute noch sichtbar ist. Wacker Heinrich fuhr ihn im Eiltempo mit seinem Pferdegespann ins Krankenhaus nach Straubing. Weitere Bomben gingen östlich des Dorfes nieder. Sie töteten ein Schwein im Pferch, andere liefen verletzt wie wild nach Hause. Als sich das Dorf vom Schrecken erholt hatte, versuchte man zu retten, was noch zu retten war. Selbst die französischen Kriegsgefangenen bei Gürster mühten sich eifrig und weinten bitterlich wegen der Toten. Am 06. Februar setzte Tauwetter und Regen ein. Hochwasser suchte das Dorf heim. Die Bombentrichter füllten sich mit Wasser und verhinderten jeden Verkehr auf der Straße.  Die Beerdigung der Bombenopfer erfolgte erst am Samstag, 10. Februar. Man hoffte, dass einer der vier Söhne der Familie Gürster, die alle Soldaten waren, zur Beerdigung kommen könnte. Dem war nicht so. Michael, der älteste Sohn, wurde am 20. Februar 1945 für ständig beurlaubt. Albert kam zu einem Kurzurlaub. Bei den Aufräumungsarbeiten im Hause Gürster wurde ein Wecker gefunden. Er blieb um 12.40 Uhr stehen.
Das Heimatbuch der Gemeinde Mötzing, erstellt von Josef Gstettner im Jahre 2001, berichtet: “ Am 05. Februar, 12.45 Uhr fielen Bomben auf Schönach. Es starben dabei eine Person, fünf wurden verletzt, zwölf Häuser wurden beschädigt.“ Es handelte sich hier wohl um das gleiche Bombengeschwader, das zuvor Oberharthausen bombadierte. Es stellt sich die Frage, warum wurde das unbedeutende Dorf Oberharthausen und auch Schönach bombadiert wurden? Eine Verwechslung mit dem Flugplatz Mitterharthausen ist wohl ausgeschlossen. Der Flugplatz war in den amerikanischen Karten genau südlich von Straubing erfasst.
Eine andere Version ist wohl eher diese: Ein deutsches Jagdflugzeug „begleitete“ schon länger das Bombengeschwader, nahm dann bei Perkam durch die Wolkendecke Reißaus und rauschte im Tiefflug über Oberharthausen in Richtung Flugplatz. Als der Pilot landete, sagte er der Fernmeldeangestellten Maria Stolzweki (geb. Wallner): „Wenn Ihr Dorf jetzt bombardiert wird, dann habe ich das verursacht.“ Da aber auch 5 Minuten später Schönach bombadiert wurde, scheint es sich doch um eine reine Racheaktion der Amerikaner gegen die deutsche Zivilbevölkerung zu handeln.
Bei den Flugzeugen, die ihre Bomben auf Oberharthausen abwarfen, handelte es sich um Consolidated B-24 Liberator der Bomberstaffel der 461. Bomber Gruppe, 49. Bomber Geschwader der 15. Luftflotte (stationiert in Italien). Das Flugzeug ist ein viermotoriger schwerer Bomber des Flugzeugherstellers Consolidated Aircraft. Das Kommando für die 15. Luftflotte hatte zu dem Zeitpunkt der amerikanische General Carl A. Spaatz, der dann später auch für die strategische Bombardierung Japans verantwortlich war, die darin gipfelte, dass Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki geworfen wurden.

 

 

 


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