Die Hallwirtin Emmi Schrock möge ruhen in Frieden!

Frau Emma Schrock verstarb am 4. Januar 2023 und stand kurz vor ihrem 91. Geburtstag. Weihnachten durfte sie noch zusammen mit der Familie feiern. Nun ist Emma Schrock wieder nach Oberharthausen zur ewigen Ruhe zurückgekehrt. Hier war sie zu Hause, hier hat sie die Familie gegründet, und jetzt wird sie hier begraben, neben ihrem Mann Fritz und dem Sohn Sigi. So schließt sich ihr Lebenskreis.











videdoclip von der Trompetenmusik vom Friedhof
( "Tief drin im Böhmerwald" und "Feierabend")
(Bitte die Tonstörungen zu entschuldigen)
Trauerpredigt von Pfarrer Markus Daschner für Emma Schrock
Liebe Trauernde, liebe Gemeinde, liebe Brüder und Schwestern im Herrn,
Frau Emma Schrock kam mit dem Familiennamen Baier am 10. Januar 1932 in Unterlichtbuchet im Böhmerwald, nur wenige Kilometer von der Bayerischen Grenze, im heutigen Philippsreut, auf die Welt. Wenn ich es richtig recherchiert habe, dann war der 10. Januar 1932 ein Sonntag. Sonntag, der erste Tag der Woche. In der Liturgie war das damals das Fest der Hl. Familie. Damit will ich sagen, es war damals eben noch Weihnachtszeit. Heuer, nach der neuen Liturgiereform am Festtag Taufe des Herrn, am Sonntag nach Hl. Drei König die Erscheinung des Herrn zu Ende ging. Als ich das Evangelium zufällig aufschlug, so dachte ich mir, zufällig heißt immer Gottes Fügung, dann dachte ich, das ist der passende Text. Passend deshalb, weil hier eine Gaststätte vorkommt, so was ähnliches wird es damals gewesen ist. Es finden sich Leute ein, die gemeinsam Essen, als eine entstandene Gemeinschaft. Zudem war es bereits Abend geworden, wo man sich früher öfters in Gastwirtschaften, wie auch hier in Oberharthausen zusammenfand. Der Aufbruch am Abend kann ja auch gedeutet werden als Heimgang. Letztlich war es eine Erinnerung an das letzte Abendmahl , wie es die Christen auch heute feiern und Ostern gehört zusammen zu Weihnachten. Wer würde sich denn heute noch an die Geburt des Kindes in der Krippe erinnern, vor 2023 Jahren, wenn er nicht auferstanden wäre. Was wäre dass an Erinnerung wert an damals. Viele Dinge die wir da anführen können, warum das gut zusammen passt und es ist der Auferstehungstag, der erste Tag der Woche, der Sonntag. An einem Sonntag, Hochfest der Familie. Da kam ihre Mutter und Großmutter auf die Welt.
Kommen wir zu ihrem Leben:
Emma wuchs unter schwierigen Bedingungen auf. Als zweitälteste von 8 Kindern, und weil ihre Mutter nach einem Monat der Geburt ihrer kleinsten Schwester im Jahre 1943 verstarb, musste sie schon früh mit anpacken. Als die Mutter starb war Emma erst 11 Jahre alt. Trotzdem wurden oder konnten ihr bereits die kleineren Geschwister anvertraut werden. Zudem musste sie in der Landwirtschaft immer mehr mithelfen. Trotz ihrer harten Lebensbedingungen im Böhmerwald erzählte sie gern Geschichten über den vielen Schnee, den tiefen Woid und den Zusammenhalt in ihrer Heimat. Von 1938 bis 1945 ging Emma in Oberlichtbuchet zur Volksschule. Es gab ja damals noch nicht die Unterscheidungen und Aufschlüsselungen der einzelnen Schularten wie heute. Ein Jahr danach im Jahre 1946 erfolgte nach dem Benesch-Dekret die Vertreibung aus der Heimat. Zuerst ging es in das Sammellager Prachaditz in der Tschechei, dann wurde ihr Zug Wagon nach Dalking bei Furth im Wald weitergeleitet. Von dort erfolgte nach zwei Wochen die Verteilung der Vertriebenen an deutsche Höfe. Emma kam mit ihren Geschwistern dann zuerst nach Döbersing zu dem Bauern Wutz. Zu ihnen besteht auch heute noch eine gute Verbindung. Vom Juli 1948 bis Februar 1949 beim Bauern Schneider in Feldkirchen bei Ingolstadt und im März 1949 kam sie dann nach Kay zum Spielbauerhof. Gleichzeitig arbeitete Fritz Schrock nach seiner Kriegsgefangenschaft, am Hof von Ringenberg mit. Nebenbei war er noch Kranführer. Und so kreuzten sich die Wege, wenn Fritz mit dem Rad nach Straubing fuhr. Am 10. April 1954 heirateten beide in Alburg. Anschließend von 1954 bis 1979 pachteten sie die Gastwirtschaft Hall hier in Oberharthausen. Heute noch werden viele Geschichten über die Hall erzählt, weil es beliebter Treffpunkt der Dorfgemeinschaft war. Gestern habe ich mich in Perkam mit einer Frau unterhalten, die sich noch gut an einen Kappenabend erinnern konnte. Emma und Fritz hatten 7 Kinder. Von denen Ingrid und Sigi viel zu früh verstorben sind. Ein weiterer Schicksalsschlag für Emma war, als Fritz 1992 im Alter von erst 64 Jahren verstarb. Emma wohnte bis 1995 in Oberharthausen und zog dann nach Feldkirchen, wo sie täglich ihrem Hobby, der vielseitigen Gartenarbeit nachgehen konnte. Seit 2016 war Emma im Seniorenheim Geiselhöring und machte fleißig mit beim Singnachmittag, dem wöchentlichen Kegeln oder sie ratschte auch gerne, besonders mit ihren Mitbewohnern aus Oberharthausen. Im Seniorenheim in Geiselhöring wurde sie bis zur letzten Stunde liebevoll umsorgt, wo sie vor 10 Tagen, am 4. Januar verstarb. Erst vor kurzem, am 13. Dezember 2013 verstarb auch ihr Bruder Franz, zu dem sie immer ein inniges Verhältnis hatte. Viele Jahre fuhr sie zum Heimattreffen nach Philippsreut. Gerne beteiligte sich Frau Schrock auch an den Maiandachten in Oberharthausen und auch in der Wallfahrtskirche in Antenring. Neben der Geselligkeit liebte sie die Musik. Dass sie richtungsweisend, bzw. durchgreifen konnte, hat sie seit Kind auf gelernt, aber mit der nötigen Achtsamkeit. Das ist etwas, was heute vielerorts verloren gegangen ist. Deshalb war es ihr auch wichtig, ihren eigenen Kindern diese Tugend der Achtsamkeit weiter zu geben, wie wichtig ein respektvoller Umgang ist. Spiel und Spaß kam freilich nicht zu kurz bei elf Enkel und fünf Urenkelkindern. Da fällt mir nun wieder ein, dass sie ja am Tag der Hl. Familie auf die Welt kam und eine große Familie hatte.
Zum Thema Heimat auch eine göttliche Fügung wie ich meine, dass mir gestern ein Gedicht in die Hand viel oder gelegt worden ist. Zur Heimat, weil es ihr so wichtig war:
Heimat, welch schlichtes deutsches Wort voll Innigkeit,
wohl tausend mal in Freud und Leid gesungen,
doch nie so schmerzlich heiß geliebt als jetzt
da Wort und Leid im Lärm der Zeit verklungen.
Heimat, dein stilles Leuchten einmal noch zu sehen,
die leidgeprüfte Erde zu betreten und hin zu knien
und dir ganz nah zu sein ist unseres Herzen tief geheimes beten.
Heimat, oh stilles Tal, oh weites Land, du wirst uns immer wieder neu geboren
geliebtes Land, solange die Sehnsucht lebt, solange bist du uns nicht ganz verloren.
Ja liebe trauernde Angehörige, liebe Schwestern und Brüder im Herrn, wenn jemand in unserem Herz ist, wenn die Sehnsucht nach Gemeinschaft da ist, dann kann ich mit Fug und Recht sagen, dass sie nicht verloren ist, dass sie in unseren Herzen auch weiter lebt. Dass sie eine neue Heimat gefunden hat jetzt im Himmel, dafür leben wir ja auch. Der Herrgott möge ihre Schwächen verzeihen, alles Gute vergelten und sie zu sich in den Himmel, in die ewige Heimat aufnehmen und ihr das ewige Leben schenken. Amen
Am 13. Dezember 2022 ist auch ihr Bruder Franz im Alter von 89 Jahren verstorben

Herkunft von Emma Schrock
Emma Schrock, geb. Baier, wurde am 10.01.1932 in Unterlichtbuchet (Böhmen) nur wenige hundert Meter entfernt zur bayerichen Grenze bei Mitterfirmiansreut geboren. Sie war die zweitälteste von 8 Kindern.

Bild zeigt hinten ihren Vater Alois Baier, dann Emma, links ihre Schwester Maria,
rechts ihren Bruder Franz und vorne ihre Schwester Irma. Im Hintergrund ist das
Anwesen der Familie Baier, das später von den Tschechen zerstört wurde.

Alte Aufnahme von Unterlichtbuchet, der Heimat von Emma Schrock

Das ist vom Elternhaus der Familie Baier übrig geblieben.
Robert Schrock hat das Heimatdorf seiner Mutter 2020 besucht.
Die Tschechen haben das ganze Dorf Unterlichtbuchet zerstört.

Eine Schautafel vor Ort erinnert noch an die Gegend um das Heimatdorf der Emma Schrock

Beschreibung des Dorfes auf deutsch
Ihre Mutter starb einen Monat nach der Geburt ihrer kleinsten Schwester Traudl im Jahr 1943. Zu dem Zeitpunkt war Emma elf Jahre alt und musste kräftig bei der Landwirtschaft mithelfen und sich um die kleinen Geschwister kümmern.
Von 1938 – 1945 ging Emma Schrock in Oberlichtbuchet in die Volksschule.
1946 Vertreibung aus der Heimat nach dem Beneš-Dekret.
Zuerst blieben sie 14 Tage im Sammellager Prachaditz/Tschechei, ihr Zugwaggon wurde dann nach Dalking im Bayerischen Wald geleitet. Von dort erfolgte nach zwei Wochen die Verteilung der Vertriebenen auf deutsche Höfe. Emma kam mit ihren Geschwistern nach Döbersing zum Bauern Wutz zu denen heute noch Verbindung besteht.
Von Juli 1948 bis Februar 1949 arbeitete Emma beim Bauern Schneider in Feldkirchen bei Ingolstadt.
Im März 1949 kam sie dann auf Kay zum Bauern Spielbauer.
Fritz Schrock arbeitete nach Kriegsgefangenschaft am Hof vom Ringenberg. Und so kreuzten sich die Wege wenn Fritz mit dem Rad nach Straubing fuhr. Sie lernten sich kennen und lieben, und heirateten dann am 10.04.1954 in Alburg. Sie pachteten zusammen von 1954 - 1979 die „Hall“ in Oberharthausen. Emma Schrock schenkte sieben Kindern das Leben.
Fritz Schrock wurde am 25.12.1927 in Gartenpungel (Ostpreußen) geboren. Er arbeitete nach dem Krieg als Knecht bei Ringenberg. Danach war er jahrelang Kranführer bei der Baufirma Dengler in Straubing. Er verstarb viel zu früh am 09.01.1992.
Schicksalsschläge
![]() |
Ingrid Immerfall, geb. Schrock wurde am 28.07.1952 geboren. Ingrid besuchte die Volksschule in Pönning und dann die Realschule. Danach lernte sie in der Sparkasse Bankkauffrau. Sie heiratete den Bäckermeister Hermann Immerfall aus Alburg und schenkte ihm eine Tochter. Ein paar Tage nach der Geburt gab es Komplikationen und sie verstarb am 21.05.1975. |
![]() |
Siegfrid Schrock wurde am 07.05.1954 geboren. Sigi war sehr beliebt im Dorf. Als Sohn eines Wirtes konnte er Kartenspielen und war ein aufgeschlossener, interessierter junger Mann, mit dem man Spaß haben konnte. Sigi war langjährig in der Landjugend Oberharhausen aktiv als Vorstand tätig. Er war es auch, der den Bau des Jugendheimes maßgeblich vorantrieb. straße 8 in der Nähe Straßkirchen ein schwerer Verkehrsunfall. Siegfried überlebte diesen Unfall nicht. |
![]() |
Ein weiterer Schicksalschlag war, als Fritz Schrock 1992 im Alter von 64 Jahren plötzlich verstarb. Fritz stammte aus Gartenpungel, |
Die Hall, eine Institution im Dorf

Die Hall gehörte früher mal der Dietl Hedwig von der gleichnamigen Brauerei Dietl in Straubing

Emma und Fritz Schrock pachteten 1954 die "Hall"

Auszug aus der Gemeindeakte Oberharthausen über die
Zahlung der Gewerbesteuer für die Hall 1964
Es gibt und gab schon viele schöne Fleckerl auf Erden. Die „Hall“ in Oberharthausen gehörte auf jeden Fall auch mit dazu. Für die Oberharthausener war es wie im Paradiesgarten. In einer Zeit, als man noch ins Wirtshaus ging, war sie ein zentraler Dorfmittelpunkt. Der Gottesdienst ging nahtlos in der "Henkelmesse" im Frühschoppen weiter. Hier spielten dann ein immer gleicher Stammtisch "Watten". Nicht so wie heute um Geld, da wurde jeder "Bummerl" mit einer Maß Bier gezahlt. Der Stammtisch war nach der Kirche immer brechend voll. Das Wirtshaus war überall bekannt. Hier kamen die ganzen „Sauhändler“ aus dem Gäu zusammen um ihre Geschäfte mit den hiesigen Bauern zu machen. Es schauten viele sonstige Gewerbetreibende und Händler oder einfach auch Männer aus der Umgebung auf a Hoibe vorbei. Der Bierfahrer vom Eisenschink in Atting erzählte, dass sie bei Schichtwechsel immer in der „Hall“ einkehrten. Der eine fuhr dann heim und der andere fuhr die zweite Schicht. Hier wurden Neuigkeiten ausgetauscht und die Emmi war die Wirtin. Sie hätte wahrscheinlich ein Buch über das Wirtshausleben schreiben können, wäre bestimmt interessant geworden.
Emmi war auch eine sehr gute Köchin. So kochte sie öfters vorzüglich für die Mitarbeiter der Sparkasse Straubing auf, wenn sie wieder mal ein Treffen in der Hall organisiert hatten. Die Tochter Ingrid arbeitete ja damals in der Sparkasse. Es kam auch die Kirchenverwaltung von St. Jakob in Straubing gern auf ein Spannferkel zur Hall. Die Spannferkel waren ihre Spezialität und weithin bekannt. Auch die Bundeswehrler aus Mitterharthausen hielten verschiedene Feierlichkeiten ab, ebenso wie die Fußballspieler vom SV Alburg, wo ja der Helmut Schrock zu der Zeit aktiv war.

Emma Schrock holte gerade das Spannferkel aus dem Ofen

Das Spannferkel wird gekonnt zerlegt

Die Kirchenverwaltung von St. Jakob in Straubing läßt sich das Spannferkel schmecken

zu dem Gelage kann man nur guten Appetit wünschen
Auch verstand sie es sehr gut, nach der Treibjagd eine gschmackige "Hosenbrüah" zu kochen. Sie sperrte das Wirtshaus werktags auch schon sehr früh auf, damit der Obermeier Busfahrer, Herr Laska, seinen "Kurzen" bekam, wenn er dann die Schüler und sonstige Mitfahrer auf seiner Runde nach Straubing abholte.
Auch in Straubing war die Hall bekannt. So kamen an einem Vatertag an die zwanzig Straubinger vom DJK Sportverein mit einem Leiterwagl und einem Faßl Bier zu Fuß zur Hall. Es waren auch sehr bekannte Persönlichkeiten dabei, wie der Stadtrat und Lehrer von Alburg Peter Euler, oder der bekannte Gastronom "Wauck" oder der Salzhändler Rolf Holzapfel. Der Herr Euler sagte auf die Frage, warum sie gerade auf Oberharthausen gekommen sind: "Da hat es die besten Spanferkel vom Gäu gegeben". Was für ein Kompliment an die Emmi! Den Heimweg konnten sie freilich nicht mehr zu Fuß antreten. Herr Euler erzählte, sie haben alle am Vatertag ziemlich viel getrunken. Der "Wauck" ist ja mit dem Radl gefahren und wollte auch damit wieder heimfahren. Er kam nicht weit, dann hat er umgschmissen. Der Fritz Schrock hat ihn dann auch samt dem Fahrrad, dem Leiterwagl und den "Angetrunkenen" auf einem Wagen vom Aigner verfrachtet und mit dem Traktor wieder nach Straubing zurückgebracht. Das war wahrscheinlich einer der ersten "Shuttle-Transfers" von Oberharthausen nach Straubing. Der Sportverein DJK Straubing war öfters zu der Hallwirtin auf a Spanferkel gekommen. Die Hall zog alle magisch an. Herr Euler denkt heute noch gerne an die Zeit von damals zurück und er sagt, den guten Geruch von der Spanferkel und dem Kraut hat er heute noch in der Nase...
![]() |
|
![]() |
| Peter Euler (Lehrer und Stadtrat) |
"Wauck" Gastronom (Waikiki, Gala, Garage) |
Rolf Holzapfel (Salzhandlung Straubing) |
Die „Hall“ war immer ein allseits beliebterTreffpunkt. Es wurde auch regelmäßig Karten gespielt. Ob nach dem Gottesdienst am Sonntag zum Frühschoppen oder am Gesellschaftstag am Donnerstag, es wurde gewattet und geschafkopft was das Zeug hielt. Die Jungen spielten auch schon mal „siebzehn und vier“ oder „herzeln“ oder „lampeln“. Später spielten die Kinder im Wirtshaus gerne Monopoly. Die "Wirtskinder" waren dabei und so war das immer eine tolle Unterhaltung. Es wurden im Fasching lustige „Kappenabende“ mit Musik abgehalten. Wie meistens spielte der Stadler Wick mit seiner Quetschn zur Unterhaltung auf und der Danner Sepp sang Gstanzl dazu. So manches „Brautstehlen“ und auch sonstige Veranstaltungen wie Filmvorführungen für die Kinder oder Versammlungen fanden in der „Hall“ statt. Das erste "public viewing" gab es in Oberharthausen auch in der Hall . Als die Fußballweltmeisterschaft 1974 in Deutschland war, organisierte Helmut Schrock dieses erste Finale als Gemeinschaftssehen . Da war die "Hall" am Sonntag beim Endspiel brechend voll. Als Deutschland dann auch noch Weltmeister wurde gab es kein Halten mehr. Die Jungen sind dann vor Freude und Übermut schreiend und singend durchs Dorf gezogen.
Dass bei so vielen großen und kleinen Jungen auch so manche Lumperei in der Hall ausgeheckt wurde, kann man sich denken. Ein berühmt gewordenes Beispiel dafür, dass dann sogar in der Zeitung und vor Gericht landete, war der legendäre "Glockenraub" von den Pönningern. Da marschierten die Burschen aus Oberharthausen weit nach Mitternacht barfuß nach Pönning und fuhren den Wagen mit der Glocke nach Oberharthausen herüber, in den Stadel vom Hüttenkofer.

Bilder aus der Wirtsstube

Emmi hinter der Theke 1973

Kappenabend in der Hall
von links: Fritz Späth, Richard Zellmer, Albert Wild, Karl Wild,
Willi Märkl, Alfons Späth, Hubert Zellmer

Georg Marxreiter, der Onkel von der Bäckerei Marxreiter in Alburg,
Fritz Späth und Emma Schrock beim Kappenabend.
Wenn der Georg Marxreiter mit dem Brotausfahren fertig war,
dann trank er immer in der Hall ein paar Hoibe.
Dann wurde er lustig und begann zu singen.
Sein Lieblingslied war das "Frauenkäferl".

von links: Luger Wast, Emmi Schrock, Wick Stadler, Sepp Aigner, Sepp Wild

20 Jahrfeier der Hall
links der Bruder der Emmi Franz Baier, der Musiker ist Franz Peter,
ein Cousin von der Emmi und Fritz Schrock

von links: Sepp Danner, die Schwester von Fritz, die Inge aus Tangerhütte (DDR), und Hans Schiesl

von links: Karl Wild, Hans Aigner, Emmi Schrock, Fritz Schrock, Sepp Danner, Tante Inge, Hans Schiesl

von links: Sepp Danner, Schneider Konrad aus Gunting, Tante Inge und Emmi Schrock

von links: Wallner Xare, Schiesl Johann, Gruber Wolfgang, Wild Karl senior

Schrock Fritz, im Hintergrund Zellmer Ludwig

in der Gaststube von links Helmut, Sigi und Rudi

Kinder halten vor der Hall das Brautauto auf, Bild von 1975
Abschiedsfeier der Familie Schrock von der "Hall" im Juli 1984



Emmi war kein Kind von Traurigkeit
Emmi Schrock war eine lebenslustige Frau. Wir erinnern uns alle noch an einen Feuerwehrball 1990 im Gasthaus Wacker, als die Landfrauen ein "Ballett" aufführten. Hier war Emmi auch in ihrem Element. Die Gäste mussten Tränen lachen, als sich die "Ballettdamen" so behäbig und Grimassen schneidend auf dem Tanzboden bewegten.
Auch im Landfrauenfasching 1987 im Gasthaus Wacker war sie als
lustiger Gartenzwerg unter den Dorffrauen zu finden.

Aber Emmi Schrock konnte auch mal im Wirtshaus gehörig schimpfen, wenn etwas nicht passte. So war es zu einer späten Stunde im Wirtshaus, als die Männer wieder Kraftsprüche rissen, wer denn der Stärkste sei. Nach einigem hin und her sagte der Hubert Zellmer, man solle doch einen Zwei-Zentner – Weizensack füllen. Die Männer sollten ihn dann der Reihe nach auf den Tisch heben, wenn sie es schaffen. Gesagt, getan, man füllte den Doppelzentner Weizen ein, schnürte ihn zu und dann trug ihn Franz Pömmerl zur „Hall“. In der Wirtsstube angekommen, ließ er ihn auf den Boden plumpsen. Wer auch immer den Sack verschnürt hatte, er hielt nicht, und der Weizen verstreute sich beim Aufprall im ganzen Wirtshausboden. Als die Wirtin Emmi das sah, gab es natürlich ein gewaltiges Donnerwetter. Der Fritz Schrock beruhigte sie und sagte, sie solle jetzt ins Bett gehen, wir kehren den Weizen schon zusammen, was dann auch gemacht wurde. So konnten die Kraftmeier dann doch noch ihre Stärke zeigen.....
Der Stadler Wick spielte ja öfters mit der Quetschn in der „Hall“. Da wurde mitgesungen, besonders natürlich vom Danner Sepp. Der Sepp hatte seinen Sitzplatz am oberen kurzen Ende des Stammtisches. In seinem Rücken war die Theke vom Ausschank. Wenn dann der Stadler Wick wieder einen schneidigen Polka oder ähnliches spielte, dann schlug der Danner Sepp immer die Trommel. Das heißt, er schlug mit der Faust an die Theke. Heute sagt er, mit dem Trommeln habe er eine ganze Orchesterbegleitung ersetzt. Dabei vielen meistens Gläser um und manchmal zerbrach auch eines. Das konnte die Emmi auf den Tod nicht leiden und schimpfte den Sepp natürlich was sie konnte. Der war aber unbelehrbar, weil er es das nächste Mal wieder genauso machte...
Emmi und Fritz kamen vor Arbeit ja gar nicht dazu einmal Urlaub zu machen. Einmal fuhren sie weg um einen Cousin zu besuchen (Der war ein guter Musiker und hat mit der Quetschn spielen können. Der Danner Sepp sagt, sie nannten ihn nur den "Werglmann", weil er so mit der Quetschen rumgewergelt hat). Da hat dann der Danner Sepp und der Schiesl Hans einen Zettel an die Türe der "Hall" gehängt mit der Aufschrift: Wegen Reichtum geschlossen. Sepp erzählt, dass es Emmi herausgefunden hat, wer das gemacht hatte. Dann schimpfte sie den Hans und den Sepp ein paar Tage lang, dann war wieder alles vorbei.
Wie es eben damals war, gingen die Dienstboten nach der Stallarbeit auch mal ins Wirtshaus. Da kam es vor, dass sie ihre Stiefel von der Arbeit noch an hatten. Besonders "schmackhaft" war es dann, wenn vorher Silo gestochen wurde und sich dann im warmen Gastzimmer ein beißender, stinkender Geruch bildete. Zusammen mit dem Geruch aus dem Schweinestall ein tolles Erlebnis für die Sinne. Das war dann ganz nach dem Geschmack der Emmi, die dann los wetterte.
Bilder von früher

Bild vom Volksfest 1957 in Straubing

Bild von 1958
links vorne Sepp Danner, dahinter Fritz Schrock, Aigner Josef, Emma Schrock,
Johann Schiesl ( am Arm Rudi Schrock), Peter Wild

Bild vom Volksfest 1959 in Straubing

Kappenabend in der Hall; Stadler Wick spielt die Quetschn,
hinten links sitzt der Asch Hans von Pönning,
und links mit dem Rücken der Schneider Hans

Kappenabend in der Hall, links vorne Wolfgang Gruber,
links hinten Schneider Konrad, Adolf Buchäcker und Josef Aigner

Brautstehlen in der "Hall" bei der Hochzeit von der Traudl Späth;
Quetschenspieler Wick Stadler, Gstanzlsänger Danner Sepp

Die Festjungfrau Margit Schrock wird am Sonntag morgen von der Feuerwehr
zur Fahnenweihe 1979 abgeholt

Im Hintergrund die gelbe "Hall" bei der Fahnenweihe 1979

Maria Weiß, Emma Schrock und Resi Weiß in der Fahnenweihe 1979
im Hof vom Grollhof

Xare Mayer gratuliert Emmi Schrock zum Geburtstag

Emma Schrock am Dorffest Oberharthausen im Gemeinschaftshaus

Emmi Schrock mit Rosa Danner und Maria Becker beim 70. Geburtstag von Sepp Danner
Emmi als Seniorin
Emma Schrock wohnte noch bis 1995 in Oberharthausen und zog dann auf Feldkirchen wo sie täglich ihrem Hobby, der Gartenarbeit, nachging.
Seit 2016 war Emma im Seniorenheim Geiselhöring. Sie machte noch fleißig mit bei Singnachmittagen oder beim wöchentlichen Kegeln und ratschte auch gerne mit ihren Mitbewohnern aus Oberharthausen.
Wenn jemand wie Emma Schrock so lange in Oberharthausen gelebt hat, dann braucht man auch etwas, das sie immer an unser kleines Dorf erinnert. Ein Bekannter (Herr Ranker) machte ihr deshalb maßstabsgetreu eine Nachbildung der Kirche von Oberharthausen. Die Abmaße der Kirche hatte Herr Ranker von BGR Josef Schmaißer bekommen). So hat die „Emmi“, wie sie von allen liebevoll genannt wurde, immer ein Stück ihrer alten Heimat vor Augen. Jahrelang war sie ja praktisch die Nachbarin der Dorfkirche.


Emma Schrock mit ihrer Oberharthausener Kirche im Seniorenheim Geiselhöring
Frau Emma Schrock 2021 bei ihrer Feier zum
90. Geburtstag


Ein sehr schönes Bild der Familie Schrock beim Jubiläum der Mutter Emma
Links sitzt Otto, der Ehemann der Tochter Margit, zentral in der Mitte die Jubilarin Emma Schrock
rechts die Tochter Margit und der Sohn Roland, stehend hinten die Söhne Robert, Rudi und Helmut
Die ehemalige Wirtin Emma Schrock konnte zusammen mit ihren Kindern
und Enkeln ihren 90. Geburtstag feiern! Welch ein Jubiläum!

Gruppenfoto von 2012 aller Enkel und Urenkel von Emma Schrock
Jesus Christus sagt: „Seit bereit, ihr wisst nicht den Tag, noch die Stunde“. Für Emma Schrock ist die letzte Stunde nun gekommen, sie wurde vom Herrgott abberufen, nachdem sie ihr Lebenswerk vollendet hat. Er holte sie heim zu ihrem Mann Fritz und ihren Kindern Ingrid und Siegfried. Sie werden sie im Himmel schon freudig erwarten. Ihr ganzes Leben war immer gefüllt mit Arbeit, selten ruhten ihre fleißigen Hände. Sie arbeitete schon von Kind auf, als ihre Mutter früh starb, und dann nach der Vertreibung aus der Heimat bei verschiedenen Bauern.
Emma und Fritz waren sehr fleißig. Sie mussten als Heimatvertriebene bei Null anfangen und sich alles schwer erarbeiten. Sie bauten sich mit Mut und viel Kraft ein neues Leben auf und hatten ihr Auskommen. Nebenbei erzog sie noch ihre sieben Kinder.

Emmi Schrock vor der Hall mit von links Sigi, Helmut, Rudi und Ingrid
Was für eine Lebensleistung!
Emma Schrock war auch eine sehr starke Frau. Trotz vieler Schicksalsschläge fand sie immer wieder den Mut nach vorne zu schauen. Sie war eine Frohnatur und hatte auch ein Ohr für die vielen treuen Gäste. So mancher Gast schüttete sein Herz bei ihr aus.
Emmi Schrock pflegte eine innige Freundschaft mit den Dorffrauen. Diese Freundschaft hielt bis zuletzt. Gute Freunde kann niemand trennen heißt ein Lied, und so haben sie es auch gehalten. Sie schrieb zeitlebens Neujahrskarten oder Geburtstagskarten mit Verserl an alle ihre Bekannten und Freunde.

Zwei Freundinen seit ewigen Zeiten, Emmi Schrock und Rosa Danner
Emmi besuchte immer am Friedhof in Oberharthausen ihre Lieben. Solange sie fahren konnte, fuhr sie selber und später dann chauffierte sie eines ihrer Kinder. Auch hier traf sie viele bekannte Gesichter beim Grab gießen, mit denen sie einen Ratsch halten konnte. Emma war zeitlebens eine offenherzige und freundliche Frau, mit der sich jeder gern unterhalten mochte. Auch die Dorffeste in Oberharthausen besuchte sie gerne, um wieder mit alten Bekannten und Freunden ins Gespräch zu kommen. Nun ist sie wieder nach Oberharthausen heimgekehrt. Sie ist jetzt an dem Ort den sie so sehr geliebt hatte und wo sie auch immer herzlich geliebt wurde. Der Himmel machte in der Frühe des Tages der Beerdigung schon auf und die Sonne erstrahlte im hellen Schein. Es war die Freude, dass Emmi heute kommt.
Die Dorfgemeinschaft Oberharthausen trauert um Emma Schrock. Sie war sehr beliebt im Dorf. Sie hat mit ihrem Mann Fritz einen festen Platz in den Herzen der Oberharthausener eingenommen. Wir möchten in aufrichtiger Anteilnahme und mit großem Dank der Emmi gedenken. Sie hat uns zeitlebens viel Freude gemacht. Sie machte die Hall zum gesellschaftlichen Mittelpunkt des Dorfes, weil sie das Herz war. Fritz und Emmi waren ein Vorbild für andere, dass man mit sich der Hände Arbeit, mit Fleiß und festem Anpacken auch als Heimatvertriebene eine Existenz und ein Leben aufbauen kann. Der Hergott wird ihr ihre guten Taten im Himmel vergelten. Wir wissen von dem Schmerz der Familie und sind in Gedanken bei euch allen. Es gibt jetzt nur den Trost, dass wir die Emmi ja einmal wieder sehen...
Liebe Emmi, Ruhe in Frieden!
So wie die Emmi es wollte, stand in der Todesanzeige auch, dass sie die "Hallwirtin" war. Da war sie mächtig stolz darauf. Wie wir die Emmi Schrock kennen, wird sie jetzt schon im Paradiesgarten den vielen Oberharthausenern dort oben eine „Hoibe“ vom ehemaligen Dietl Bräu bringen und den alten „Stammtischwattern“ natürlich eine Maß. Sie werden sich alle freuen, dass sie jetzt die „Hallwirtin“ bedient. So hat sie dort eine wertvolle Arbeit zu verrichten, und vielleicht möchte der Petrus auch mal einen „Pfiff“ von ihr eingeschänkt bekommen. Sie hatte das Herz am rechten Fleck und konnte mit den Gästen sehr gut umgehen. Das wird sich auch im Himmel nicht ändern, und so werden sie singen:
Liebe Emmi bring uns a Maß,
zapf nomoi o a neues Faß.
Da Durst hier oben is riesengroß,
weil no koa Bier durch Gurgl floß.
Doch jetzt hamma a Wirtin da,
so wia sie hier no koana sah.
Jetzt hamma olle an Seelentrost,
und trinken mitananda auf d´Èmmi Prost!
























