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Nun hat auch das Bistum Regensburg die Matrikel ihrer Pfarreien online in die Datenbank „Matricula“ eingestellt. Hier kann man die Tauf-, Heirats- und Sterbebücher der Pfarreien einsehen, soweit sie nicht unter den Datenschutz fallen. Das heißt z.B. bei der Pfarrei Atting ( zu der hat Oberharthausen bis 1951 gehört), dass zwei Register mit Taufen und Trauungen, die bis ins Jahr 1971 führen, noch nicht die 100 geforderten Jahre Abstand aufweisen und damit nicht öffentlich zugänglich sind. Es sind aber genug Daten vom Jahr 1660  an zugänglich, die aber zur Auswertung wahrscheinlich ein paar Jahre benötigen. Erschwerend für die Auswertungen kommt noch hinzu, dass die frühen Matrikel von den Pfarrern alle in lateinischer Sprache und später dann ausschließlich in deutscher Handschrift verfasst wurden.
Wie auch immer, der Block von Beerdigungen von 1831 – 1867 wurde von mir einmal aufgelistet, damit man sieht, wie damals im Dorf die Sterberate war, und wie sich die Todesfälle auf das Alter verteilt haben. Was man als zusätzliche Erkenntnis sagen kann ist, dass es nur wenige Familienstämme (Hofname) mit ihren Nachkommen bis in unsere Zeit geschafft haben. In den Jahren 1831 – 1867 gab es 255 Todesfälle. Das heißt bei einer Dorfbevölkerung von 165 im Schnitt 7 Todesfälle pro Jahr. Des weiteren fällt hier die sehr große Kindersterblichkeit von 190 Kindern auf, also 75 % aller damaligen Todesfälle.  Die Auswertung der Krankheiten und das Alter der Verstorbenen sind in einer der Grafiken aufgeführt.

 

Pfarrei Atting

Matrikel Pfarrei Atting Übersicht

Taufen Trauungen Beerdigungen 1668

Register Pfarrei Atting von 1668 mit Taufen, Trauungen und Beerdigungen

in lateinischer Sprache und  in Handschrift von den damaligen Pfarrern verfasst

 

Sterberegister Atting 1833

 

Sterberegister der Pfarrei Atting von 1831 - 1867 in deutscher Handschrift verfasst

 

 

 

Sterberegister Oberharthausen 

1b

2a

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4a

5a

6a

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9a

 

 

Anna Maria Zirngibl ( rot geschrieben):

Auf dem Friedhof steht heute noch das restauriertes Kreuz der Hüterin Anna Maria Zirngibl.

Die Türchen-Inschrift lautet:
„Hier ruhet in Gott die tugendsame Anna Maria Zirngibl. Hierin dahier, gestorben den 14. Dezember 1863 in ihrem 45. Lebensjahr“.

Auf der Rückseite des Kreuzes ist ein zweites Türchen mit der Aufschrift:
„Die dahier Begrabene strebte eifrig stets dem Himmel zu. Christlich starb sie wie sie lebte. Herr gib ihr die ewige Ruh“

Die eisernen Kreuze wurden am Dachboden des Kirchenschiffes gefunden. Pfarrer Josef Schmaißer hat sie restaurieren lassen

und nun stehen sie wieder am Friedhof in Oberharthausen.

 

Kreuze entrostet

reuz zirngibl

 

Kreuz von Anna Maria Zirngibl nach der Restauration

 

P1160207

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Die Kreuze wurden im Juni 1999 restauriert. Der Deckel von den Türchen ist nicht

witterungsbeständig und so ist die Inschrift nicht mehr eindeuttig lesbar.

 


 

Auswertung nach Krankheiten und Alter

Auswertung der Todesfälle der Kinder 

 

Was bei dieser Grafik der verstorbenen Kinder sofort auffällt, ist der hohe Anteil des Krankheitsbildes "Fraisen", in d`Foaß folln" wie man bei uns umgänglich sagt. Von 190 verstorbenen Kindern liegt der Anteil der Todesfälle durch "Fraisen" bei ca. 50 %. 

 

Begriffserklärungen der Krankheiten:



Die Fraisen:

Eine der häufigsten und beängstigendsten Krankheitsformen der kleinen Kinder sind die Fraisen. Ein in Fraisen liegender Säugling zeigt in erster Linie eine große Ähnlichkeit mit einem epileptischen Anfall der Erwachsenen. Der einzelne Anfall beginnt mit Verdrehen der Augen nach oben oder nach der Seite mit unheimlicher Starrheit des Blickes, der ein Schwinden des Bewusstseins vermuten läßt. Es bestehen Zuckungen der Gesichtsmuskeln, häufig nur einseitig mit Verziehung des Mundwinkels, wobei die Kiefer durch Krampf geschlossen und bei älteren Säuglingen unter Zähneknirschen aneinander verschoben werden. Im Vordergrund steht die Starrheit der Muskulatur, der Arme und Beine, die von kurzen, wie durch elektrische Ströme erregten Zuckungen mehr oder weniger häufig unterbrochen wird.

 

Fraisenkette

 

Fraisenkette - Schutzkette die man Kindern um den Hals gehängt hat

 

Die Fraisenkette (auch Fraiskette) ist ein Schutzamulett. Es besteht aus einem Seidenband oder einer roten Schnur, auf der mehrere Amulette und Segenszeichen aufgereiht sind. Sie wurde vor allem kleinen Kindern umgehängt und noch bis ins 19. Jahrhundert verwendet. Der Ausdruck „Fraisen“ ist eine historische Bezeichnung für Epilepsie oder Krampfanfälle. Letztere wurden oft durch den Verzehr von Brot aus mit dem Mutterkornpilz befallenen Getreide verursacht.

An der Fraisenkette hing eine meist ungerade Anzahl von Einzelamuletten. Die große Anzahl der Amulette hängt mit dem Glauben zusammen, es gäbe 77 oder 99 verschiedene Arten des „Fiebers“. Dazu zählen die Fraisensteine, kleine Tonplättchen mit einem Bild der Dreifaltigkeit in der Form des Gnadenstuhls vom Sonntagberg. Man schabte davon etwas Material ab und nahm es als Medizin ein. Oft findet man auch Schutzzettel, sogenannte Fraisenbriefe, die die vier wichtigsten Segensformeln kombinieren: Benediktussegen, Agathensegen, Zachariassegen und Dreikönigssegen.

Quelle: wikipedia

 


Sepp Zellmer erzählte, dass er drei Tage lang die "Froaß" gehabt hat. Seine Mutter sagte ihm, dass er Tag und Nacht geweint und geschrien hatte. Sie meinte, dass er es nicht überlebt. Am vierten Tag erzählte sie ihm, hat er sie in der Frühe aus dem Bett wieder angelächelt. Sepp hat die "Froaß" glücklicherweise überstand und hat jetzt ein stattliches Alter von 90 Jahren erreicht. Vielleicht ist er durch die Krankheit gestärkt herausgekommen und sie hat ihn für das Leben zäh und ausdauernd gemacht.


 

Brand

Gewebstod nach unterbrochener Blutzufuhr. Ursache für die Minderdurchblutung kann der Verschluss einer Arterie durch ein Blutgerinnsel (Embolie) sein, aber auch eine unfallbedingte Gefäßverletzung, eine Erfrierung, oder — besonders häufig — die arterielle Verschlusskrankheit, bei der eine Arterie infolge Arteriosklerose allmählich immer mehr verengt wird, bis der Blutstrom schließlich vollständig zum Erliegen kommt. Auch Zertrümmerung und Zerquetschung von Gewebe kann zum Brand führen. Besonders häufig tritt das Leiden bei Personen mit Durchblutungsstörungen infolge Zuckerkrankheit und bei starken Rauchern auf.

Man unterscheidet 2 Formen des Brandes:

1. trockener Brand: Dabei schrumpft das abgestorbene Gewebe und trocknet durch Wasserverlust ein, bis es richtiggehend lederartig zäh wird. Zudem verfärbt sich der betroffene Bezirk grau-schwarz und grenzt sich so scharf vom gesunden Gewebe ab.

2. feuchter Brand: Wenn das abgestorbene Gewebe durch Fäulnisbakterien zersetzt wird, kommt es zu einem stinkenden, fauligen Gewebszerfall. Der feuchte Brand kann direkt oder als Folge des trockenen Brandes eintreten. Bevorzugte Stellen sind Extremitäten und innere Organe, die mit der Außenwelt in Verbindung stehen (Lungen, Darm, Gebärmutter). Wird der feuchte Brand durch Gas bildende Bakterien hervorgerufen, entsteht ein Gasödem. Immer besteht die Gefahr einer Blutvergiftung.

Bei bereits weiter fortgeschrittenem Brand bleibt nichts anderes übrig, als das betroffene Glied in noch gut durchblutetem Gewebe zu amputieren. Das lässt sich vermeiden, wenn bei den ersten Anzeichen einer mangelhaften Blutversorgung — bei Kältegefühl, taubem Gefühl, Kribbeln oder bläulicher Gewebsverfärbung — eine energische Behandlung durch den Arzt einsetzt; Durchblutungsstörungen.


 

Mehlhund


das ist nichts anderes, als wenn an der Zunge und am Zahnfleisch, am Gaumen und in dem Schlund weiße, kleine und größere erhabene Flecken sich zeigen. Die Kinder können vor Hitze und dem empfindlichen Schmerz im Munde kaum saugen, und schreyen Tag und Nacht.“
Quelle: Ausführlicher Unterricht in der Entbindungskunst, Joh. Baptist Obermayer, Sulzbach 1791



Bräune = Diphterie

Diphtherie ist eine Infektionskrankheit, die durch Corynebakterien ausgelöst wird. Sie verursacht einen braun-gräulichen Belag auf den Mandeln und wird daher auch Bräune oder Halsbräune genannt. Die Erkrankung kann zu Atembeschwerden, Herzschwäche, Lähmungen und sogar zum Tod führen.


 

Abzehrung-Auszehrung

Auszehrung, früher auch Schwindsucht (Übersetzung von griechisch-lateinisch phthisis, von griechisch phthíein, ‚schwinden', ‚hinschwinden') genannt, ist ein historischer medizinischer Ausdruck für eine lebensbedrohliche Abmagerung.

 


 

 

Es gab Familien, die in der Zeit mit dem Kindstod sehr betroffen waren:

 

z. B. Familie Hierl Oberholzen:


1832 Töchterchen, 7 Tage, Fraisen
1833 Söhnchen, 7 Tage, Fraisen
1836 ein notgetaufter Sohn, eine halbe Stunde
1837 ein Töchterchen, 6 Tage, Verschleimung
1838 Töchterchen, 8 Tagen, Fraisen
1840 Töchterchen, 16 Wochen, Katarrh
1844 ein notgetauftes Söhnchen, 6 Stunden, schwere Geburt
1844 Bauerssohn, 49 Jahre, Lungenkrankheit
1846 Töchterchen, 5 Jahre, Fraisen
1847 Söhnchen, Totgeburt, Brand
1847 Bäuerin, 43 Jahre und 10 Monate an den Folgen einer Entbindung
1862 Bauer, 64 Jahr, Schlaganfall
1863 Söhnchen, 14 Tage Fraisen
1866 Söhnchen, 10 Wochen, Keuchhusten

 


Es finden sich in den Sterberegistern verschiedene Ausdrüke und Wörter, die vielleich tkurz erklärt werden sollten.

Anonymus :  

Taufeintrag Anonyma oder Anonymus
Anonyma oder Anonymus sind Kinder, die nicht so lange gelebt haben, bis sie in der Kirche getauft werden konnten. Also Totgeburten oder Kinder, die kurz nach der Geburt gestorben sind. Getauft werden nur lebende Kinder. Deshalb wurden Totgeburten ohne Namen, "anonym", begraben. Anonymus ist die männliche und Anonyma die weibliche Totgeburt.

Grundsätzlich ist jedoch davon auszugehen, daß solche Kinder "notgetauft" waren. Das beweist schon der Eintrag im Taufbuch. Die Hebammen hatten von der katholischen Kirche die Anweisung, Kinder bei Todesgefahr, aber auch bei der Gefahr, daß sie das Licht der Welt nicht lebend erblicken würden, unverzüglich zu taufen. Bei Taufen, die im Mutterleib durchgeführt wurden, lautet der Eintrag: "baptizatus (männlich) oder baptizata (weiblich) in utero", also noch vor der Geburt des Kindes.

Selbst für den Fall, daß keine rechtzeitige Nottaufe erfolgen konnte, etwa bei plötzlicher Geburt, gab es eine Möglichkeit: Die toten Säuglinge wurden ins Kloster Ursberg bei Krumbach in Schwaben gebracht. Dort wurden sie auf den Altar gelegt, bis das Wunder, eine Rotfärbung der Haut, Leben anzeigte. Nun wurden die Kinder getauft und anschließend begraben.

Eine ähnliche Funktion hatte in Südtirol die Wallfahrtskirche Maria Trens bei Sterzing. In diese Kirche wurden die toten Kinder getragen, dort am Altar behandelt bis sie ein Zeichen gaben (daher "Zeichenkinder"), allenfalls durch eine leichte Rötung der Haut. Dadurch glaubte man, daß die toten Kinder durch ein göttliches Wunder für kurze Zeit zum Leben erweckt würden und taufte die Kinder, worauf sie christlich begraben werden konnten.


Illegales Kind = uneheliches Kind

 


jachgetauft 

= eine Nottaufe

 

Ein weiterer Grund für die Mitsprache des Pfarrers bei der Bewerbung einer Frau um das Amt einer Hebamme war sicher der, daß er über die Zuverlässigkeit und den Lebenswandel der Bewerberin ein Zeugnis abzugeben hatte, mußte doch die Hebamme bei Gefahr für das Leben eines Neugeborenen die Nottaufe vornehmen, damals „Jachtaufe“ genannt. ( von „jäh“ = sofort abgeleitet)

(Noch im Jahre 1848 gibt das Königliche Oberconsistorialamt in München eine „Anweisung für Hebammen hinsichtlich ihrer religiösen und kirchlichen Verrichtungen“ heraus, in welcher auch die Pflicht der Anmeldung einer Geburt und Gebetsformulierungen für eine Nottaufe festgelegt sind. Vermerkt ist: „... offen zu Tage tretender Unglaube und grobe Unsittlichkeit schließen von solchen Verrichtungen aus“. 

Mit der Registrierung der Taufen, Trauungen und Todesfälle war den Pfarrämtern die Aufgabe eines Standesamtes übertragen, das über Anzahl, Alter und Geschlecht der Bevölkerung eines Pfarrsprengels dem Landesherrn Auskunft zu geben hatte. (Quelle: Heimatverein Markt Roßtal)

 

 

Aus einem Buch von 1860 wird die Handhabung bei einer Nottaufe beschrieben:

Wilhelm Löhe Tractate für die Seelsorge Teil VI.pdf


Einen Vorfall aus dem Jahr 1845 in Rain aus dem Sterbebuch möchte ich noch anführen. Es handelt von einem Schmied Joseph Kagerer, der unter unglücklichen Umständen  gestorben ist. Da auch in Oberharthausen der Dorfschmied Kagerer hieß, und um 1808 in Oberharthausen Schullehrer , Schmied und Meßner war, kann man davon ausgehen, dass dieser Joseph Kagerer aus Rain vielleicht ein Sohn oder Bruder war. 

Im Sterbebuch steht wie folgt:

Auf den 2. September 1845 abends wurde bei dem Rainer Keller ein Feuerwerk veranstaltet und anbei vorläufig beschlossen dass dieses Werk mit einem paar Böllerschüssen eröffnet werden sollte. Dem die Böller zu laden und abzuschießen wurde oben genannter Schmied auf seine Weigerung öfters ersucht, bis er endlich einwilligte. Der erste Schuß wurde von demselben glücklich gelöst, der zweite Böller aber zersprang bei der Lösung des Schusses und zerschmetterte den rechten Fuß des Schmieds, so daß er nach Hause getragen werden musste. Die umgehenden Ärzte von Straubing und Geiselhöring erkannten die Notwendigkeit der Amputation des Fußes. Welche Operation auf den 3. September beantragt wurde, die aber der unglückliche Schmied nicht mehr erlebte. Joseph Kagerer war in jeder Beziehung ein recht braver Mann. Requiescat in pace – Ruhe in Frieden!


 


 

 


ile laber

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