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Oberharthausen aus der Luft
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Braucht man heutzutage eine Arbeitshose, dann fährt man entweder nach Straubing in ein Fachgeschäft oder einen Baumarkt der gut sortiert ist. Man kann aber auch online mit Computer seine gewünschte Hose unproblematisch bestellen, und nach zwei drei Tagen bringt es der Zusteller. 
In den nächsten Zeilen soll aber die Zeit beschrieben werden, als es in Oberharrthausen noch keinen Computer gab, und man auf  Händler oder Gewerbetreibende angewiesen war, um seinen Vorrat an Lebensmittel, Kleidung usw. aufzufüllen.

Es ist ein schwieriges Unterfangen, wenn man heute nach Händlern sucht, die nach dem Krieg in Oberharthausen ihre Geschäfte machten. Deshalb gilt mein besonderer Dank vor allem Danner Sepp und Zellmer Sepp die sich oft die Zeit am "Stammtisch" nahmen, und auf die Fragen zur Vergangenheit erzählten.

 

Stammtisch Sepp Zellmer und Sepp Danner kl

Die beiden Stammtischbrüder Sepp Zellmer und Sepp Danner

 

Auch Weiß Resi, Thekla Zellmer, Schmaißer Maria, Christine Haslinger und auch Gerda Pärr und Hermann Ammer aus Pönning um nur ein paar Personen zu nennen sprachen bereitwillig über die alten Zeiten , bzw. waren mit Bildern behilflich.

Ausdrücklich möchte ich mich bei Herrn Hans Haller für die verschiedensten Berichte und Bilder bedanken, die aus der "Geschichte der Gemeinde Pönning"  entnommen worden sind. Des weiteren Danke an Herrn Albert Ammer, der mir schon Jahre vor seinem Tod erlaubte, aus seinem Buch "Geschichte der Gemeinde Perkam"zu entnehmen, was ich für Berichte brauchen kann!  Herzlichen Dank für Ihr beiderseitiges Einverständnis!

 

 Haller Ammer Albert 
 Herr Hans Haller, Lünen  Herr Albert Ammer, Perkam

 

 

Da Originalbilder selten sind, wurden teilweise Symbolbilder aus dem Internet zur Veranschaulichung verwendet. Es sind auch zwischendurch immer wieder Informationen zur Erklärung der Verhältnisse in dieser Zeit eingestreut.

Wozu der Bericht?

Wir sind hier noch die letzte Generation, die durch Zeitzeugen Zugriff auf die alten Zeiten hat. Allgemeingültiges kann man aus dem Netz entnehmen, ortsspezifisches wie Informationen aus Oberharthausen findet man da nicht. Da muss man selber nachfragen bei den letzten Zeitzeugen, die das Dorf noch aus der Zeit hat. Sie sind der Schatz mit dem Wissen, der uns shcon unbekannt geworden ist.

Heimatgeschichte erforschen und auch für die nachfolgenden Generationen dokumentieren sollten wir alle als Ziel haben. Wir haben alle unsere Wurzeln in diesem Dorf, unsere Vorfahren haben harte Zeiten durchgemacht. Sie sind es wert, dass man ihr Leben und ihre Lebensumstände, ihr Arbeiten und ihre Lebensweise erforscht und bewahrt.

Deshalb wiederum mein Aufruf, falls es noch Vorkommnisse und Begebenheiten aus den alten Tagen gibt, dann wäre ich dankbar für die Informationen oder Bilder. 

Falls ich manche Sachverhalte falsch dargestellt habe oder vergessen habe, dann bitte ich um Entschuldigung und nehme die Korrektur gerne an.

Mit besten Grüßen

Hein Sax
Administrator Homepage


 4511819

 

 

 Gewerbetreibende, Händler, Hausierer und sonstige

Begebenheiten aus alten Tagen


Nur noch ältere Leute können sich an die Hausierer erinnern. Es geht um den guten alten Hausierer oder manchmal auch die Hausiererin, die mit ihrem eigenen Sortiment an Waren oder Dienstleistungen und auf eigene Rechnung Geschäfte machten.
Vor allem auf dem Lande, abseits von den Zentren versuchten die Hausierer die Waren oder Dienstleistungen zu den Kunden zu bringen. Viele Hausierer waren für ihren Geschäftszweig gut ausgerüstet. Die meisten benutzten speziell ausgestattete Rückentragkörbe oder Traggestelle. In diesen war das Warensortiment „transportsicher“ und schnell greifbar verstaut. Dazu enthielt diese Trage auch verschiedene Fächer, Schubladen oder angehängte Beutel und Säcke. Solche Tragen boten den Vorteil, dass man damit alle Wege und Stege, Treppen und Steige bewältigen konnte. Dass man die Zusammensetzung der Ladung geschickt berechnen und der eigenen Leistungsfähigkeit anpassen musste, war hingegen ein Nachteil. Im flacheren oder mehr durch Strassen erschlossenen Gebieten versuchten die Hausierer diesen Nachteil durch spezielle Handwagen mit Hundegespannen oder später Fahrrädern mit Anhängern wett zu machen.
Mobilität war für die meisten Leute zu dieser Zeit nicht so einfach zu bewerkstelligen wie heute. Viele Höfe lagen weit abseits. Wollte man etwas einkaufen, musste man sich ins Dorf oder an bestimmten Tagen auf den nächsten Markt begeben. Dies geschah in den meisten Fällen zu Fuss und war oft eine mühsame, zeitraubende Angelegenheit. Wenn man es sich leisten konnte, musste man anspannen und den Weg mit Pferd und Wagen zurücklegen. Aus diesen Gründen war Hausieren mit einem speziellen Warensortiment damals ein Erfolgsmodell.
Die meisten Hausierer boten Kurzwaren an. Unter Kurzwaren versteht man hauptsächlich Nähutensilien. Die Bauersleute nähten oder reparierten ihre Kleider selber. Dazu brauchten sie Knöpfe, Faden und Zwirne, Nähnadeln, Stecknadeln, Bänder und Schallen, also allerlei kleine Dinge, die eine Hausfrau so brauchte. Auch für die Arbeit in Haus, Stall und Flur war allerlei Krimskrams zu haben. Schnüre und Seile, Fett, Seife, Öl, Schleifsteine, Messer, Rasierklingen und kleinere Werkzeuge. Aber auch spezialisierte Hausierer auf Schürzen, Stoffe, Unterwäsche, Socken, Hüte und Mützen tingelten im Lande herum. Zu all diesen Produkten gab es die Neuigkeiten des weiteren Umfeldes mehr oder weniger genau, unter – oder übertrieben, gratis dazu.
Natürlich gab es dabei auch schwarze Schafe, welche Schindluderei betrieben. Den Leuten schlechte Ware andrehten oder die Bauern auf die eine oder andere Art betrogen. Oft nahm das Hausieren überhand und es verging kein Tag, an dem nicht irgendein Händler seine Waren anbieten wollte.
Ein hiesiger Krämer aus Oberharthausen war auf dem Weg nach Pilling, als ihm Hausierer entgegen gekommen sind. Er empfang die Konkurrenten gleich mit den Worten: „Ihr Saubärn, bleibt´s drin“ ..

 

Gewerbe in Oberharthausen

 

Gewerbe1

Quelle: Pfarrer Josef Schmaißer

 

 


 

 

 Schmiede vom Dorf (alle auf Hofstelle von Xare Wallner)

1672 Bartholomäus Hönigsberger
1703 Ambros Kagerer
1761 Georg Kagerer
1808 Michael Kagerer, Schmied, Mesner und Schullehrer
1833 Georg Häckl, Schmied
1862 Paul Gröschl aus Gingkofen
1906 Georg Wallner, Schmied aus Leiblfing
1958 Xaver Wallner
1987 Schmiede erloschen
(Wallner Xare)

 

Die Schmiede von Xare Wallner war nicht nur ein Ort, wo hart gearbeitet wurde. Die Bauern trafen sich auch oft im Winter um sich in der warmen Schmiede zu unterhalten. So mache Entscheidung vom Gemeinderat wurde hier zwischen den Männern besprochen.

Für die Kinder war die Schmiede ein Abenteuerland. Die vielen Zangen und Hämmer die an den Wänden hingen, die Esse mit den glühenden Kohlen und dann das immerwährende Dengeln am Amboss. Die Funken flogen nur so, bis der Meister das glühende Eisen dann ins Wasser steckte, um es zu härten. Wenn dann die Scharren der Pflüge gedengelt waren, dann schrieb er mit Kreide den Namen des Bauern drauf, und seine Arbeit notierte er auf Schiefertafeln, wie man sie in der Schule hatte.

Als die Jüngeren dann Sprüche klopften, wie schwer der Amboss ist und wer in zu Boden heben kann, wurde daraus gleich Ernst. Ein paar der Burschen schafften es tatsächlich, diesen fast 4 Zentner schweren Amboss auf den Boden zu stellen. Natürlich stellte ihn auch der Schmied Xare auf den Boden. Dazu sagte er folgenden Spruch : "den Amboss wenn i heb, das ist des gleiche, als wenn i a Kaffeehaferl in der Hand habe". Das sagte alles über seine Zähigkeit und Härte aus.

Als Schmied hatte Xaver Wallner zu seiner Zeit allerlei Arbeiten zu verrichten. Die Bauern brachten die schweren Rösser für einen Beschlag zu ihm. Vor allem, wenn im Winter überraschend Eis und Schnee auf den Straßen lag, standen die Bauern Schlange. Dann wurden die Eisen geschärft, damit sie besseren Halt fanden. Durch diese scharfen Kanten kam es aber öfters zu Verletzungen bei den Pferden, wenn sie sich mit einem Fuß am anderen rieben. Da verletzten sie sich selber und das Blut lief herunter.


Hufbechlag

Hufbeschlag eines Pferdes durch Ludwig Zellmer

 

Auch die Ochsen wurden  beschlagen. Da die Fußsohle der Rinder aus zwei gegeneinander beweglichen Klauen besteht, ist hier ein konstruktiv anderer Beschlag notwendig, der im Wesentlichen aus einer elliptischen Platte besteht, die unter eine Klauenhälfte genagelt wird. Üblicherweise wurde nur die Außenklaue des Vorderfußes, bei starker Belastung auch die Innenklaue des Hinterfußes beschlagen, da sich diese am stärksten abnutzen. Genagelt wird die Klauenplatte (Klaueneisen) nur auf der Außenseite der Klaue; auf der Innenseite wird die Platte durch eine Metallzunge gehalten, die zwischen den beiden Klauen hindurchgeführt und umgebogen wird (Wikipedia)

 

 

800px Eversberg 0017  Beschlag Ochsen
 Beschlag eines Ochsen ( Quelle: Heimatmuseum Eversberg)  

 

 

Bei einem Rind werden die Klauen ausgeschnitten 

 

Huptsächlich schärfte der Schmied die Pflugscharren oder auch die Spitzen von den Eggen ("Eittn")

 

 Schmied  Eggenzahn
 Schmied dengelt Pflugscharre Schmied fertigt einen Zahn für die Egge 

 

 wagenrad

Schmied zieht über das Wagenrad den Eisenreifen auf.
Hier im Bild drei Männer, Xare Wallner hat es alleine gemacht

 

eisstöck 

Xare Wallner zog nicht nur auf die Wagenräder, sondern auch auf die Eisstöcke die Ringe auf

 

Ein Schmied gehörte früher in jedes Dorf. Das Ende des Schmiedeberufes begann schleichend: Zunächst verschwanden langsam die Pferde als Arbeitstiere aus den Dörfern und der Hufschmied hatte immer weniger Arbeit. Das Aufkommen von Gummireifen an Wagen, Autos und Traktoren brachte dann den Berufszweig zum Erliegen.

So übernahmen Metallwarenfabriken, die viel günstiger produzieren konnten, die Herstellung von Geräten und Werkzeugen. Heute ist der Beruf des Dorfschmiedes, den es früher in fast jedem Ort gab, fast völlig ausgestorben. Ganz selten findet man noch Kunstschmiede, die das uralte Handwerk als künstlerische Tätigkeit ausführen.


 

Lagerhaus Xaver Wallner

 

Lagerhaus Wallner  Wallner Xare sw 
Im Hintergrund sieht man noch die Rampe vom Lagerhaus  Schmied und Lagerhausbetreiber Xare Wallner 

              

 

Xare Wallner hatte auch ein Lagerhaus mit Verkauf von Leinmehl, Kälbermehl, Legekorn, Kunstdünger, Fischmehl. Er wurde von der Fa. Jungmayer aus Geiselhöring beliefert.  Dafür hat er eine Pacht bekommen. Unter der Rampe hat der „Schmid“ fassweise das Rohöl gelagert.  Da hat man sich dann wieder ein 200 l Faß geholt.  Konkurrent für das bessere Rohöl war die Firma der Hochstätter Brüder aus Straubing, das der Vertreter  Weinzierl aus Dengling im Dorf verkauft hat.  Das Rohöl von Jungmayer das der Schmied Xare verkauft hat, hatte mehr Schwefelanteil gehabt, was für den Bulldog schlechter war.  Das Geschäft hat den Brüdern aber kein Glück gebracht, weil sie einen ausschweifenden Lebenswandel mit Frauen usw. hatten. Sie haben sich mit 50 Mark – Scheinen Zigaretten angezündet, bis sie dann irgendwann verkracht sind.

Auf dem Bild sieht man im Hintergrund noch die Rampe zum Be- und Entladen. Sie wurde dann abgebrochen, und das Schiebtor verlängert. Heute ist es eine Autogarage.

 


 

Lagerhaus Ludwig Zellmer

 

Lagerhaus Zellmer

 Lagerhaus von Ludwig Zellmer, hier im Bild der Bulldog von Danner Sepp der Kunstdünger holt

 

Ludwig Zellmer sw 1953 errichtete das Lagerhaus Kapfelsperger in Perkam auf dem Grund von Ludwig Zellmer in Oberharthausen ein Lagerhaus. Es wurde dafür an die Familie Zellmer eine monatliche Pacht gezahlt. Lagerleiter waren Frau Thekla Zellmer und Herr Ludwig Zellmer.

In dem Lagerhaus waren Kunstdünger, Futtermittel (Deuka), Beizen usw. gelagert, die man sich abholen konnte.
Es wurden auch Gurken für die Firma Ott von Nürnberg  entgegengenommen, mit denen das Lagerhaus Lermer handelte. Als Gegenleistung hat man eingemachte Gurken bekommen.
Das Lagerhaus wurde bis ca. 1975/76 betrieben und 1980 abgerissen.
 Ludwig Zellmer  
Franz und Franziska Lermer kauften 1932 das Lagerhaus in Perkam von der Genossenschft und baute ein Wohngebäude an. Es wurde ein Anschlußgleis gelegt und der Lagerhausbetrieb wurde zu einem leistungsfähigen Landhandelsunternehmen. Nach Ableben der Eltern führte die Tochter Maria Kapfelsperger mit ihrem Mann Otto  die Lager-hausgeschäfte in gewohnter Weise weiter. Nachdem der Sohn Franz 1984  tödlich verun-glückte, verpachteten die Eheleute Kapfelsperger 1955 das Lagerhausgeschäft und sämtliche Lagergebäude an die Raiffeisenbank Perkam. lermer

 


 

Krämerladen Redl - Eichinger - Märkl

 

Eichinger

 Ehemaliger Krämerladen - Haus jetzt im Besitz von Martin Glöckl

 

Frau Märkl

Die Krämerin Frau Märkl, später Braun

 

Den Kramerladen in Oberharthausen führte ab 1927die Familie Redl, dann ab 1932 die Familie Eichinger. Ab 1937 führte die Familie Märkl den letzten Krämerladen in Oberharthausen bis 1975.
Xaver Märkl erinnert sich noch heute, wie damals im Krämerladen alle Waren offen waren, so wie der große Essigballon, Petrolium für die Lampen, Zucker, Salz, großer Marmeladenkübel oder offene Salzheringe und Schokoladenrippchen. Das war damals ganz normal. Heute würde so ein Laden sofort geschlossen werden.

 


 

Gasthäuser

 

Das Bier wurde damals noch mit dem Pferdewagen gebracht.  Auf seine vierbeinigen Kollegen kann der Kutscher sich verlassen. "Wenn ich nicht eingreife, finden die Pferde von allein ihren Weg. Die kennen ihre Tour und halten vor jedem Gasthaus, das beliefert wird, automatisch an." Kein Wunder, denn oft lockt eine Belohnung. Wirte, Anwohner der Altstadt und Bauern auf dem Markt warten mit Karotten und anderen Leckereien auf die Huftiere. Dazu gibt es immer wieder Streicheleinheiten.

Daheim wurde das Bier dann im Eiskeller kühl gehalten. Im Winter füllte man diese Keller mit Eis aus eigens dafür angelegten Weihern. Dieses schmolz in der warmen Jahreszeit zu einem festen Eisstock zusammen, der bis in den September hinein durchhielt. Die Maß Bier kostete im Verkauf vor dem ersten Weltkrieg 20 Pfennig. Es gab nur Faßbier, Flaschenbier kannte man kaum.  Das Bier wurde mit Steinkrügen geholt. Man braute damals nur Dunkles. Erst in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen kam helles Bier auf, und verdrängte das Dunkle allmählich. Wein und Likör führte der Wirt früher gar nicht. Im Winter trank man vielleicht ein Stamperl Schnaps zum Aufwärmen. Für Kinder und Kranke holte man eventuell ein Kracherl.

 Bierauslieferung mit der Kutsche In Freiburg setzt eine 79924

Bier wurde mit dem Pferdefuhrwerk angeliefert

 

Gasthaus und Tafernwirtschaft Wacker

 

Gasthaus Wacker

1909 wird eine Gastwirtschaftkonzession genehmigt ( Familie Holmer).
1911 kauft Georg Wacker die Tafernwirtschaft.
Sie wurde betrieben bis zum Tod von Sophie Wacker, im November 2013.

 

 Familie Wacker  Sophie 1
 

Vorne sitzend: Josef Wacker, Vater Georg Wacker, Elisabeth Wacker ( Frau von Josef)

Hinten: Sophie Wacker, Maria Wacker , Therese Wacker ( Mutter von Sophie)

(es fehlt Heinrich Wacker)

 langjährige Wirtin Sophie Wacker

 

Gastwirtschaft "zur Hall"

 

Hall

Gastwirtschaft z. Aigner des Joh. Gahr (steht auf Postkarte)

 

1886 18. Dezember Aigner Joseph Hs. - Nr. 19 kauft Pl. Nr. 57 Hofstelle von Hs. - Nr. 121886 18. Dezember Aigner Joseph Hs. - Nr. 19 kauft Pl. Nr. 57 Hofstelle von Hs. - Nr. 12zu 0,366 Tgw.; Schenklokal mit Nebenzimmer, Eiskeller und Kegelbahn werdenerbaut und damit ist die Gaststätte aus dem Aigner´schen Wohnhaus herausgenommen.Der Wirtshaus-Saal befindet sich noch über dem Pferdestall. Der illeg.Sohn der Maria Aigner übernimmt bis 1897 als Pächter die „Halle“. Er heiratet am24. November 1897 die Müllerstochter Katharina Ketterl in Rain. Seine MutterMaria Aigner hatte den Wild, Müller in Atting geheiratet.

1903 22. August Josef und Philomena Aigner verkaufen die reale Wirts- undMetzgergerechtsame an Jakob Phillip Dietl, Brauer in Straubing um 15.000 Mark

1908 Dietl Hedwig sen. und Dietl Hedwig jun., Übergabe

1930 21. Mai Dietl Hedwig jun. übernimmt und erbaut das Wohnhaus mit Gastwirtschaft,Stallung, Eiskeller und Kegelbahn neu.

1954 Schrock Friedrich und Emma pachten die Hall bis 1984

1961 06. März Loichinger Ernst, Straubing und Dr. Dietl Ludwig, Guts- und Brauereibesitzerin Baumburg erben gemeinsam die „Halle“

1984 Aigner Josef Hs. - Nr. 19 kauft das Wirtshaus zurück, reißt es ab und baut eineMaschinenhalle darauf. Als Pächter des Wirtshauses sind bekannt: Josef Aigner,Johann Gahr, Zach Jakob,Johann Heitzer, Muggenthaler Karl, MuggenthalerHubert. 

 

   Schrock
   

 

Die langjährigen Wirtsleute von der Hall, Fritz und Emmi Schrock

 

 

"zum letzten alten Bier"

Im Herbst, um Kirchweih kann man in der Zeitung wieder Einladungen „Zum letzten alten Bier“ finden. Jeder kennt die beliebten Veranstaltungen in den verschiedenen Wirtshäusern, bei denen reichlich Bier und herzhafte Speisen aufgetischt werden. Aber woher kommt der Begriff „Zum letzten alten Bier“? Ich habe verschiedene Wirte nach den Gründen dieser Veranstaltungen gefragt. Die meisten zuckten mit den Achseln und erklärten nur, dass es schon zu Großvaters Zeiten jeden Herbst ein „altes Bier“ gab. Warum konnte mir keiner so recht erklären. Also habe ich mich selbst auf die Suche gemacht. In alten Aufzeichnungen und Urkunden bin ich schließlich fündig geworden.

Nachdem es in Bayern immer wieder Verbindungen von Kirche, Wirthaus und Bier gibt, kann es hier kaum anders sein. Man muss in der Geschichte bis in das 16. Jahrhundert zurückgehen, um die Ursprünge zu erforschen. Zwei Heilige stecken eine Zeitspanne von etwa einem halben Jahr im Kalender ab. Zwischen dem Namenstag des Heiligen Georg, am 23. April und dem Festtag des Heiligen Michael am 29. September durfte im Mittelalter wegen der Brandgefahr, die im Sommer von den Sudkesseln ausging, kein Bier gebraut werden. So legte es die Bayerische Brauordnung von 1539 fest.

Bier wurde somit auf Vorrat produziert – und musste über die warme Jahreszeit gebracht werden. Ab Ende März wurde ein stärkeres, haltbareres Bier gebraut, das den ganzen Sommer über reichen musste – das „Märzen“. Der Kühlschrank war noch nicht erfunden, und so behalfen sich die Brauer, indem sie das begehrte Getränk in unterirdischen Bierkellern in großen Eichenfässern lagerten. Schatten spendende Kastanienbäume schützten die Keller vor praller Sonne. Im Winter sägten die Brauer zur Kühlung Eis in Stangen aus den umliegenden Weihern, das in den tiefen Kellern erst im Spätsommer abschmolz. Ebenso machten es die Wirte, um ihren Biervorrat zu kühlen.

Bald hatte auch jedes gute Wirtshaus einen Bierkeller, meist außerhalb im Garten in einen Hügel gebaut. Ende Oktober, reifte bereits das neue Bier in den Brauereien. Der Ausstoß erfolgte nach dem Fest Allerheiligen. Jetzt hieß es Platz machen in den Kellern der Wirte. Das alte Bier musste zügig raus, bevor die Pferdefuhrwerke mit dem frisch gebrauten Bier anrollten. Das Märzen war am Ende seiner Lagerfähigkeit angelangt und drohte sauer zu werden. Es hieß: „S'oide Bier, schau' ma', das mas weidabringa'n!“  Dazu waren viele trinkfeste und zechfreudige Gäste notwendig. Also veranstalteten die findigen Wirte ein Fest und lockten mit guter Küche, um das Bier schnellstens loszuwerden.

Längst ist das mittelalterliche Brauverbot aufgehoben. Die Haltbarkeit des Bieres ist dank moderner Kühlanlagen kein Problem mehr. Das ganze Jahr über können wir frisches Bier in verschiedenen Sorten und bester Qualität genießen. Der Brauch, das Fest des „alten Bieres“ abzuhalten, hat die Zeiten überdauert, auch wenn seine Ursprünge scheinbar vergessen wurden. So können wir uns freuen, wenn wir in den nächsten Wochen von unseren Wirten mit Spezialitäten für Gaumen und Gurgel verwöhnt werden

 


 Krinner Hans  (Schneider)

 

 Schneider Hans

                 Hans Krinner
         Gemeindehaus


hat im Gemeindehaus in Oberharthausen  gewohnt. Er nähte Kleider und Anzüge nach Maß. Nebenbei war er Gemeindediener und drainierte auch so manches Feld.  Der „Schneider Hans“ wie man ihn nannte, war ein vorzüglicher Eisschütze. Er war schon mittags im Zellmerweiher um ihn bei Schneefall auszuräumen. Bis dann die Bauern kamen, war er fertig. Auch das Kegelscheiben war ihm gegeben. Er hatte den rechten hinteren „Siebner“ als seinen Hauskegel, den er durch die Beine schieben konnte. Er war in Sportsachen interessiert, fuhr mit dem Zug zu den Spielen des Jahn Regensburg oder auf die Rennbahn. 
 

 


Er schrieb auch die „Faschingshochzeit“ von 1949, von der man heute noch spricht.

Den Hochzeitladerspruch von damals kennt Sepp Danner heute noch:

Ich glaub´ ich bin euch wohl kein Unbekannter,
ich komme vom Brautpaar,
als Rindviech, kaiserlich-Abgesandter.
Die Braut ist eine holde Comtesse,
das Gesicht hat´s mitten in der Fresse.
Sie ist eine heiß geliebte Verlobte,
a Brust hod´s, a ausgschobbte,
am Osch hint a brauns Ringl,
die keusche Susanna Gleiznstingl.

Der Bräutigam is nobel,
do woas ma ned hod er an Riassl oder an Schnobel,
bei dem geht alles verdraht,
d´ Nosn duad rinna,
d´ Fiaß dan schmecka.
Vor Liab´ is eam s´ Hirn scho eigrost´,
dem frommen Daniel Apfelmost.
Drum´ ham´ se de zwoa de verganga Wocha
zum herentan Eck der Ehe verkrocha.
D´ Hochzeit is am 17. Febrari
do nehmt´s eng a Geldtaschn mit, a schware,
des is dann ois beim Wackerwirt,
der a koan Spass verdirbt.
Ja der mocht´s guad, der Wacker Girgl´,
s´ Essen tragt er auf in Hoibe Griagl
und es wird ollaweil no netter,
s´ Bier miassts vo de Taller aua schlecka.
Wias weida geht des werd´s dann scho no seng
Halleluja und auf Wiederseh´n!

 

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Bild links: Hochzeitspaar Sepp Hösl und Xare Mayer 

 

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 Quelle: Bilder von Gisela Hüttenkofer

 


Poststelle

Früher kam der Postbote Sepp Kainz von Hirschling mit der Post. Er lieferte die Post aus und man konnte ihm auch Post mit geben. Er musste auch teilweise Geld auszahlen, weil das auch mit der Post gekommen ist. Er fuhr alles mit dem Rad, war für Pönning, Oberharthausen, Oberholzen, Fraunhofen und Hirschling zuständig. Die Poststation war in Perkam beim Haus Ernst in Thalkirchen. Vor dem Kainz Sepp trug der Ernst die Post aus. An den Ernst hat der Sepp Danner eine ganz schlechte Erinnerung. Er war ein sehr starker und kritischer Mann, und als er die Post zum Danner brachte, saß der junge Danner Sepp mit einem "Dutz" auf der Treppe. Da nahm ihm der Postbote den Dutz ab und er schrie was er konnte. Er hat im den Dutz nimmer gegeben und so hat er seit damals keinen mehr. Dem trauert er gescheid nach. 

Postbote

Ab 1960 wurde dann beim Sebastian Luger eine Poststelle eingerichtet. Postbote war ab dann Sebastian Luger. Er führte zugleich einen Verkauf von Propangasflaschen.

 

 

 Luger Wast1     

Postbote Sebastian Luger

 

Luger

Lugerhaus von 1950  - rechts noch die alte "Badschwemme" ; Poststelle ab 1960; Bild: Sebastian Luger


 

Haare schneiden

In Oberharthausen hat der Josef Danner senior und der Alfons Späth den Kindern die Haare geschnitten. Später hat ein Gruber in Feldkirchen Sonntag vormittag nach der Kirche den Jugendlichen die Haare geschnitten, und dessen Töchter auch den Mädchen. Später hat der chmied in Perkam zum Haareschneiden angefangen, aber um eine Klasse schlechter wie der Gruber aus Feldkirchen. Als dann die Dauerwelle gekommen ist, dann haben die Mädchen schon nach Straubing müssen. Der Sepp Danner meint, dass die Dauerwelle damals schon 30 Mark geklostete  hat. Es ist auch die Frau Hopf aus Perkam nach Oberharthausen zum Schneiden heruntergekommen und auch der Eduard Sendlmeier aus Perkam hat die Haare geschnitten und dazu 1971 einen Friseursalon eröffnet.

Früher musste man alle Stylinggeräte (Lockenstäbe, Well-, Krepp- und Quetscheisen) im Ofen oder Feuer erhitzen, dann folgte die Zeit, wo man durch Brennspiritus und Elektrizität die Hitze erreichte. Brennscheren und Ondulierstäbe sorgten für Aufsehen – viel natürlicher als die Korkenzieherlocken wirkten hingegen die schneckenartigen, sanft federnden Locken. Sie wurde mit dem Quetscheisen kreiert. Das Kreppeisen erlangte Faszination, das für Volumen sorgte.

 

Brenneisen

Antiker Lockenstab - Brenneisen, Frisierstab

 

Später sind dann auch die Männer nach Straubing gefahren. Der Schiesl unterm Stadtturm war lange Jahrzehnte ein Friseutr für die Bauern.

friseur bild 03

Herrenfriseursalon wie bei Schiesl in Straubing


Wagnerarbeiten Johann Schütz 

 

Johann Schütz stammt aus Sinzendorf bei Waldmünchen ab. Er war also mit dem Holz aufgewachsen. Er richtete sich am Hof eine Werkstatt ein und drechselte z.B. die Eisstöcke für die Oberharthausener . Den Ring zog dannd er Schmied ( Wallner Xare ) auf. Zur Freude der Ministranten und Buben machte er auch die Klapfel für Ostern. Auch so manche Sitzbank, Kerzenständer und andere Gebrauchsgegenstände konnte er geschickt anfertigen.

 

Schütz Opa mit Noriker
Johann Schütz mit seinem Noriker Pferd

 

P1580976

 

Originalklapfl von Johann Schütz

 


 

Hausarzt

Wer kannte ihn nicht, den Dr.Schleußinger aus Geiselhöring. Er war der Hausarzt auch von Oberharthausen zu seiner Zeit. Dr. Schleußinger war geradeaus und nicht zimperlich im Umgang. Ich weiß noch, dass er meinen Bruder nähte, als er sich mit der Handkreissäge in den Oberschenkel schnitt. Mich wundert, dass er dazu überhaupt eine Spritze verabreichte. Aber dafür wartete er mit dem Nähen gar nicht, bis die Spritze wirkte, sondern fing sofort an. Mein Bruder schrie auf, und er meinte nur, er solle sich doch nicht so haben wegen dem bischen Nähen.... seinen ernsten strengen Blick werde ich nie vergessen, wenn er Hausbesuche machte...aber er kam immer wenn er gebraucht wurde und war fachlich geschätzt....   

( Zeitungsmeldung von Resi Weiß)

Nachruf Dr. Schleußinger

Schleußinger todesanzeige


 

 Totenfrau, Leichenfrau, Einsagerin, "Leichenbitterin"

 

 Frau Stadler  

 Totenfrau und Mesnerin in Oberharthausen

war Frau Stadler (Bild) , 

später die Frau Waas aus Pönning.

Totengräber war Herr Stadler,
in späteren Jahren Ludwig Zellmer.

(Bild: Ludwig Stadler)

 

 

Der Landpfarrer Josef Schlicht berichtet in seinem Buch Bayrisch Land und Bayrisch Volk:

Siehst du im Straubinger Gäu einen Tafernhof voll ländlicher und städtischer Kutschen, so ist´s ausgemachte Sache: Heute gibt´s ein Großbauernleiche. Darum gilt´s als Hauptsorge, dass die "Einsagerinnen", auch "Leichenbitterinnen", frühezeitig genug und in gehöriger Armee auslaufen nach Ost und Wet und nach Süd und Nord: ein Ämtlein um das man sich hitzig meldetaus guten Gründen. Die Einsagerin, den Rosenkranz im Gürtel und die Kirm auf dem Buckl, trägt schwere Reichnisse heim in Mehl, Brot, Silber- und Kupfermünzen. Bedeutende Verwandte werden aus weitester Entfernung mittels  eigener gehender poder fahrender Eilboten auf die Leiche geladen. 

 

In der Mittelbayrischen Zeitung steht über die "Leichenbitterin":

Und damit zur „Leich“ auch viele Leute kamen, musste dies kundgetan werden, damals nicht mit Zeitungsanzeigen wie heute, sondern durch eine Leichenbitterin oder Leicheneinsagerin. War der Verstorbene bekannt, so brauchte man mehrere Einsager, denn auch den Nachbardörfern sollte dies mitgeteilt werden. Diese Leichenbitter mussten ihr „Einsagen“ sehr gewissenhaft verrichten und dafür sorgen, dass möglichst viele Leute zur „Leich“ kamen. Meistens waren es arme Familien, die das Einsagen machten.

Und weil die Zeit bis zur Beerdigung immer sehr drängte, so waren die Leichenbitter von früh morgens bis spät abends unterwegs. Sie zogen von Haus zu Haus und sagten das Sprüchlein auf, das heißen konnte: „Da Huawabauer lässt bittn, san Wei am Freita mit af Leich zge, um hoib zehne vom Haus wega“.

Der Einsager blieb solange an der Tür stehen, bis er seinen Lohn bekam. Dieser war sehr unterschiedlich. Recht „kniggerte“ Menschen gaben nur einen oder zwei Pfennige. Fünf Pfennige oder gar zehn war schon sehr reichlich. Waren es nur ein Pfennig oder zwei, so konnte man das „Vergelt’s Gott“ kaum hören. Anstelle von Geld gab es oftmals auch ein „Scherzl“ (Randstück) hartes Brot oder ein Ei.

 Die Aufgabe der Totenfrau war es, den Verstorbenen zu waschen und anzukleiden. Sie wurde von den engsten Angehörigen des Trauerhauses bestellt, meist war sie eine auf diese Aufgabe spezialisierte Frau aus dem Dorf oder Stadtviertel oder auch eine Nachbarin.

Die Totenfrau wusch die Leiche und salbte sie oft auch mit ätherischen Ölen. Sie kleidete den Toten in seine Festtagskleidung (bei ledig gestorbenen Jungfrauen oft auch in ein Brautkleid) und bereitete den Leichnam auf die Aufbahrung, der die Totenwache und Aussegnung durch den Pfarrer folgten, vor. Häufig übernahm sie auch die Anzeige des Todes beim Standesamt und erschien daher auf Sterbeurkunden.

 

Totenbrauch (Josef Schmaißer)

Früher wurden die Sterbenden in der Familie gepflegt. Zeitig wurde der Kooperator verständigt, dasser dem Schwerkranken die Sterbesakramente spende. Trat der Tod ein, so wurde bis zum2. Weltkrieg der Bader in Atting zur Leichenschau bestellt. Der Schreiner nahm Maß vom Toten undfertigte den Sarg an. Die Aufbahrung erfolgte in der Fletskammer. Dabei wurden vom Kopfteil zumFußteil der Bettstatt Bretter aufgelegt. Auf diese „Bühne“ wurde der Tote aufgebahrt. Nach demSterberosenkranz in der Kirche besuchte man das Sterbehaus und sprengte Weihwasser über denToten. Die Einbitterin (meist die Dorfhirtin, auch zugleich Leichenfrau) ging dann von Haus zu Haus,auch in die Nachbardörfer und lud im Namen des Leidträgers zur Beerdigung ein. „Der...-Bauer lasst bitten seinem Weib mit der Leicht, morgen um 9.00 Uhr zu Harthausen“. Dafür erhielt sie eine milde Gabe in Form von Geld, Mehl oder Eier. Zur Beerdigung wurde die Leiche vom „Haus aus“ vom Priester mit den Ministranten abgeholt und in feierlichem Zug zum Friedhof begleitet, wo sogleich die Beerdigung statt fand. Anschließend wurde das Requiem in der Kirche gefeiert, eventuell mit Beimessen. Die Verwandtschaft traf sich im Gasthaus zum Leichenmahl; gegen Ende des Essenswurde noch der Rosenkranz gebetet. Ein wohl seltener Brauch vollzog sich dann in Oberharthausenum 12.00 Uhr. Im Anschluss an das Zwölfuhrläuten, wurde mit allen Glocken festlich geläutet. Es war das „Himmelhinaufläuten“. Der Tote wurde gleichsam in den Himmel hineingeläutet. Dieser Brauch hatsich bis zum 2. Weltkrieg erhalten. Er erlosch mit der Abnahme der Glocken in der Kriegszeit 1941.

Sepp Danner erzählt von einer Frau Jerchel aus Pilling, di ezum einbitten gekommen ist. Dann fragt sie der Sepp was ihr denn gefehlt hat? Dann hat sie gesagt, die hat sich "uffghanga mit da großn Kettn". Es sidn aus Geislhöring auch welche zum Einbittn gekommen. Dann hat sich herausgestellt, dass überhaupt niemand gestorben war. Die wollten nur ein wenig abkassieren. Manche sagt der Sepp haben ein Schmalzpfannl dabeigehbt, wo man Schmalz als Lohn dazu tat, oder einen Stumpf Weizen, wo man ihnen eine Schaufl voll einwarf. Manche bekamen auch eier fürs Einbitten.

 


 

 

Holzschuhe machte Ludwig Stadler und Herr Kiefl aus Pönning

 (Dorfhirte und ging später auch zusammen mit dem Xaver Märkl mit dem Dampf mit und war auch Totengräber)

Zellmer Sepp weiß, dass der Stadler gekaufte Böden raufgemacht hat. Der Kiefl in Pönning hat die Schuhe aufgenagelt. Wenn sie kaputt waren hat er sie selber geschnitzt. Dazu hat man ihm ein Scheit mitgebracht, aus dem er den Holzschuhboden geschnitzt hat. Das Leder wurde vom alten Schuh abgenommen und immer wieder aufgenagelt, so oft es hielt.

Die Holzschuhmacherei war vermutlich ab dem Ende des 15. und der Mitte des 16. Jahrhunderts ein weit verbreitetes Handwerk. Noch bis Mitte der 1950er Jahre waren Holzschuhe die alltägliche Fußbekleidung für einen Großteil der ländlichen Bevölkerung.

 Die Arbeitsweise der Holzschuhmacher im Mittelalter sah so aus: Aussuchen, Fällen und Ablagern des Holzes. Herausstemmen der sogenannten Ballen aus der Baumscheibe. Äußere Formgestaltung mit Hilfe des Zugmessers. Aushöhlen des Fußbettes und der äußeren Form. Feinschliff des Fußbettes und der äußeren Form. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Herstellung von Holzschuhen mit diversen Maschinen wesentlich erleichtert. Für Holzsohlen wurden entsprechend starke Bohlen hergenommen. Mit einer Schablone wurde die Größe der Sohle aufgezeichnet, die danach auf einer Bandsäge ausgeschnitten wurde. Gleichzeitig wurde der Absatz herausgeschnitten. Die Nut rund um den Holzschuh wurde mit einer Fräse gefertigt. Schließlich wurde noch eine kleine Delle für das bequemere Tragen des späteren Holzschuhs ebenfalls herausgefräst. Der erforderliche Lederschaft wurde aus einer Lederhaut herausgestanzt. Auf die Holzsohle wurde eine Leiste aufgesetzt und der Schaft mit einem Galoschenhammer in die Nut eingenagelt. Eine hintere Kappe vervollständigte den Holzschuh. Auch Zweischnaller wurden gefertigt. Ein Filz von einer Stärke von fünf Millimetern wurde eingenäht. Diese warmen Schuhe wurden überwiegend im Winter getragen.

Das über die Nut hinausstehende Leder samt Filz wurde am Rand der Holzsohle mit einem Kneip entfernt. Für die Holzsohlen wurde Buchen-, Weich- und Erlenholz verwendet. Wenn die Holzsohlen abgelaufen waren, wurden sie durch neue ersetzt, der alte Lederschaft wieder verwendet. Beim Leder handelte es sich überwiegend um Spalt- und Rindsleder. Die Holzschuhe mit und ohne Filz in vielen Sorten wurden vor allem von Landwirten und Brauern benutzt.

Holzschuhmacher  Holzschuhe 1 
         Holzschuhmacher schabt das Fußbett aus
         Holzschuhmacher  mit Spezialwerkzeug 
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Holzschuhe n

 

Holzschuhe Text

 


Drainagen auf den Feldern

 

Dränung als Methode hat sich über die Zeit kaum verändert. Neben offenen Gräben schafft man sich unterirdische Hohlgänge. Im 18. Jahrhundert werden offene Entwässerungsanlagen überwiegend durch verrohrte Dränanlagen ersetzt. Die Erfindung der Dränrohrpresse für Ton ca. 1840 in England bringt der Dränung in Europa einen raschen Aufschwung. In der nun folgenden Periode mit maschinell gefertigten Dränrohren aus gebranntem Ton wird die Dränung durch landwirtschaftlich-kulturtechnische Feldversuche und bodenkundliche Erfahrungen weiterentwickelt. Um 1940 beginnt die Entwicklung von Maschinen zur Rohrdränung. Anfangs steht der maschinelle Bodenaushub im Vordergrund. Die Herstellung der Drängrabensohle sowie das anschließende Verfüllen erfolgt zunächst noch von Hand. Nach 1950 werden verstärkt Dränmaschinen zur Rohrverlegung eingesetzt. Ende der 50er Jahre kommt es zum vermehrten Einsatz von schneller verlegbaren, leichteren und haltbareren, geschlitzten Kunststoffrohren mit zunächst glatter Wandung.

Trotz der guten Böden war die wirtschaftliche Situation des Dorfes bisher nicht ideal und die Erträge der Felder ungenügend. Stauende Nässe trug die Schuld. 1927–1929 wurden die ersten Entwässerungsarbeiten zwischen Oberharthausen und Pönning durchgeführt. Dabei wurde der Böschungsgraben mit Hand ausgestochen! Was für eine Arbeit, man brauchte drei Jahre dazu....Am 05. April 1952 hat das Flurbereinigungsamt München die Zusammenlegung des zersplitterten landwirtschaftlichen Grundbesitzes nach § 1 des Arrondierungsgesetzes vom 10. Mai 1949 angeordnet. Für Feldwege war dabei pro Tagwerk ein Dezimal eingeplant. Ideal war diese Arbeit nicht. Es wurden keine Gräben gezogen, noch die Wege geteert. Ein Großteil der Gemeindeflur litt weiter unter der stauenden Nässe. Erst beim Flurbereinigungsverfahren Perkam - Alburg 1962, wobei der Nordteil der Oberharthausender Flur einbezogen wurde, konnte eine durchgehende Grabenverbindung Perkam – Alburg hergestellt werden. Diese Gräben wurden aber dann schon maschinell angelegt ( mit Bagger). Die Organisation dazu machte das Wasserwirtschaftsamt Deggendorf.

 

Folgende Männer haben in Oberharthausen die Drainagen auf den Feldern gemacht (1927):

Ludwig Stadler, Zellmer Hans, Ebner Ludwig Gunting, Wurm Hans ( da oide Wurm), Krinner Hans
Sepp Danner weiß noch, dass die Frau Stadler auch mitgeholfen hat und den "Ganserer" gezogen hat.
Das ist eine Art Schaufel, mit der die eingefallene Erde aus der Grube gehoben werden konnte.

 

 Hier eine Rechnung von Hans Krinner über eine Drainage im Schiesl-Feld Anfang der 60er Jahre
( Rechnung von Martin Leibl)

 

Drainage Krinner

 

 

Drainieren 

Drainieren war schwere Handarbeit ( Bild Hubert und Sepp Zellmer 2013)

 

Drainagespaten

Drainagespaten

 

Drainage Tonrohre

Drainagerohre aus Ton; sie wurden hintereinander zu einem langen Rohr verlegt

 

 


 

Rienmüller Johann ("Hansl") Schlosser, Flüchtling aus dem Sudetenland

Hansl fuhr ein Gogomobil. Wenn ihm die Leute eine Arbeit brachten, so schaute er sich das an und sagte: Für das Problem haben wir schon eine Medizin!

 

Familie Rienmüller

Familie Rienmüller 1959:
von links: Onkel Johann "Hansl", Tante Katie, Bruder Walter, Großmutter Amalie,
Mutter Hedwig, Vater Adolf

 

 

Fritz Rienmüller schreibt:

Nach Oberharthausen kamen wir im Juni 1946, es war gerade Fronleichnam. Wir stammen aus dem Ort Höritz
im Böhmerwald und kamen nach Furth im Wald
in einem Viehwagon. Von dort ging es mit dem Lastwagen weiter
nach Oberharthausen zum Wirtshaus Wacker.  Dort wurden wir im Tanzsaal untergebracht, es waren 30 Personen.
Unsere Familie Rienmüller bestand aus Vater Adolf, Mutter Hedwig, Tante Kathie und Fanny, Onkel Johann (Hansel), Großmutter Amalie, Schwester Gerlinde und ich Fritz. Der Bruder Walter wurde erst in Oberharthausen geboren.
Der Vater kam kurz darauf aus der Kriegsgefangenschaft heim und auch noch zum Gasthaus Wacker.  Von dort
wurden wir dann im Gemeindehaus Oberharthausen einquartiert und die anderen Flüchtlinge wurden in der
Umgebung verteilt.

 Rienmüller Hansl

Rienmüller "Hansl"

 

"Hansl" Rienmüller war ein guter Schlosser, ein "Tüftler" wie man sagt. Wenn ihm die Leute Arbeit brachten, dann sah er sie sich an und sagte: "Für das haben wir schon eine Medizin". Er machte seine Werkstatt zu einem Wohnraum, in dem auch sein Bett stand. Mit großen Augen sah man als Bub die vielen Werkzeuge liegen, wenn man wieder mal einen Luftschlauch vom Rad (einen "Platten" ) von ihm reparieren ließ. Er reparierte Mopeds, Fahrräder, Schneidmaschinen, ("Gsottmaschiene")war aber auch in der Elektrik kundig. Xare Märkl erzählt, dass er damals einen Pumpenmotor mit Kuperdraht gewickelt hat. Die Pumpe funktioniert heute noch. Sepp Danner erzählt von einem amerikanischen Flugzeug, das im "Kreuth" abgstürzt war. Das Flugzeug lieg jahrelang im Feld und verschiedene Handwerker wollten den Motor zerlegen. Alle scheiterten, bis sich "Hansl" Rienmüller der Sache annahm und ihn zerlegte. 
Nur einmal irrte sich der Rienmüller Hans. Der Sebastian Luger ("Wast") foppte ihn mal mit einem Blech, dass in eine Brechmühle gefallen ist und danach lauter Beulen hatte. Er zeigte das Blech dem Hansl und sagte, dass er das Blech auf dem Feld gefunden hat. Daraufhin schaute es sich der Hansl lange an und meinte, das Blech ist von einem "Sputnik". Die Geschichte war natürlich ein Vergnügen um den Hansl zu hänseln.
Er war ja aus Böhmen und hat immer gesagt: "Dej Schwedenstahl, dej is da beste Stahl, der mit den drei Pfeifen" ... da gab es eine schwedische Firma, die als Logo drei Pfeifen z.B. auf die Sägeblätter einer Baumsäge gestanzt hat. Der Hansl sagte, dass dies ein Qualitätsstahl der besseren Sorte ist.
Wenn ihm jemand eine Arbeit brachte, dann dachte er nach und sagte: Jetzt muß ich zum Herrn Aigner, dann zum Herrn Englberger, dann zum Herrn Gürster und dann kommst du dran.... es hatte alles seine Ordnung.

 

 Baumsäge

 alte Baumsäge wie man sie früher verwendete;

sie wurden von Hans Rienmüller geschärft (geschränkt")


 


 

 

Händler und Hausierer

 

Alteisenhändler aus Straubing

„Lumpen, Eisen, Silber und Papier, ausgeschlagne Zähne sammeln wir.“...

In den Kriegsjahren ging der Metallbedarf durch Waffen- und Munitionsfertigung so in die Höhe, dass selbst Kirchenglocken eingeschmolzen wurden und die Bevölkerung zur Abgabe des Familienschmuckes animiert wurde.

In der Zeit des zweiten Weltkrieges, der Zeit der Naziherrschaft wurden die familiären Strukturen des Altmetallhandels, er lag weitgehend in der Hand jüdischer Familien, zerschlagen und Parteiorganisationen (Organisation Todt) unterstellt.

Schulkinder und die Hitlerjugend wurden zum Sammeln von Altmetall (Splitter von Bomben und Granaten) angehalten und eingesetzt.

Nach dem Krieg wurden die Kriegsrückstände, soweit sie für die Sieger keine Reparationsleistungen darstellten, zerstörte Stahlbrücken, Eisenbahnwagen, nicht mehr gebrauchsfähige Bahngleise, Fabrikanlagen und Rüstungsgüter -wem ist der zum Haushaltgerät umfunktionierte Stahlhelm, nicht in Erinnerung-, zu begehrten Altmetallwaren. Die von den Besatzungssoldaten achtlos weggeworfenen Aluminium- Bierdosen hatten damals einen beachtlichen Altmetallwert.

50er und 60er Jahre Wirtschaftswunderzeit, mit dem enormen Nachholbedarf an Gütern des täglichen Bedarfs waren gekennzeichnet von sinkenden Metallerlösen und steigenden Kosten für die nun stark aufkommende Motorisierung. Stahl, Blech und Gusseisen wurden von Plastik verdrängt. Die steigende Motorisierung, der Ersatz an Haushaltgeräten, der Ersatz der alten, nicht mehr den Anforderungen moderner Produktion entsprechenden Fertigungsmaschinen und Landmaschinen, überfluteten den Altmetallmarkt. Der traditionelle Altmetallhändler der mit seinem Handkarren oder dem Pferdewagen über Land und durch die Straßen zog hatte in den 50er Jahren ausgedient. Die motorisierten Altmetallsammler zogen mit ihren LKW’s über die Dörfer und größere Altmetallhändler etablierten sich. Autofriedhöfe entstanden, schlachteten die alten Auto’s zur Ersatzteilgewinnung aus und pressten die Karossen zu quadratischen Ballen die den auf vollen Touren laufenden Hochöfen zu geführt wurden. Die Wiederverwertungsmöglichkeit wurde durch dem Marktwert der Metalle bestimmt.

Heute hat sich der Metallschrotthandel grundsätzlich gewandelt. Der über Land ziehende Altmetallhändler ist äußerst selten geworden. Meist sind es noch osteuropäische Sammler mit ihren kleinen LKW’s. Die Kommunen haben die Sammlung weitgehend mit Wertstofftonnen und Sammelhöfen geordnet organisiert, Die Sammelbetriebe sind industrielle Weiterverarbeiter des Metall Schrotts. Sie sind hochmodern mit der neuesten Technologie ausgerüstet.

 

 Schrotthändler

 eisenhändler

 Quelle: die Geschichte des Metall-Schrotthandels , Herbert F. Berg 2014


 

Lumpensammler

Haderlump, auch HadersackLumpensackLumpsackLump, ist ein vor allem in Süddeutschland, Österreich und Schlesien gebräuchliches Schimpfwort für einen Habenichts oder Taugenichts, zumal, wenn er in abgerissener Kleidung daherkommt. 

Der Begriff „Haderlump“ geht zurück auf eine Bezeichnung für den Lumpensammler, eine als Fahrendes Volk umherziehende Personengruppe, die abgetragene Kleidungsstücke sowie Stoffreste und -fetzen, sogenannte „Hadern“ bzw. „Lumpen“, bei der Bevölkerung sammelte oder auch aufkaufte und diese an Papiermühlen veräußerte. Seit dem Mittelalter bis hinein ins 18. Jahrhundert bildeten Hadern aus Leinen, Hanf oder Baumwolle – zusammen mit Spinnerei- und Seilereiabfällen – den einzig verfügbaren Faserrohstoff bei der Herstellung von Papier.

Quelle: wikipedia

 

Lumpensammler

Lumpensammler 1899 Paris

 

Es waren auch meist Alte und Gebrechliche, die das Lumpensammeln als Ertrag bringende Tätigkeit für sich entdeckten. Aus gutem Grund. Wer erst damit begonnen hatte, durfte nicht hoffen, damit alt zu werden. Milzbrand war eine der häufigsten Todesursachen in diesem Beruf. Darüber hinaus Infektionskrankheiten wie Blattern, Krätze, Rotlauf, Typhus und Cholera.

Das harmlose Wort Lumpen macht einem keine Vorstellung davon, was alles auf den Karren der armen Schlucker landete, die sich mit diesem Gewerbe ihr tägliches Brot verdienten. Die größte Menge davon nahmen Stofffetzen ein, die so verdreckt waren, dass ihr weiterer Einsatz im Haushalt niemandem mehr zumutbar war: Sie nahmen das, was Frauen sich allmonatlich zwischen die Schenkel klemmten, dann Tücher, die zur Krankenpflege benutzt wurden, Lappen, die eitrige Wunden verbanden, Stoffreste, die zugige Winkel abgedichtet hatten, Putzlappen und so fort. Feucht, verschimmelt, voll von Würmern, Maden, Insekteneiern.

Doch wofür all die Lumpen? Vor allem wurden sie zur Papiergewinnung verwendet. Die Nachfrage von Stoffabfällen stieg stetig seit der Verbesserung des Buchdrucks durch Gutenberg. Papier und darum auch der Rohstoff Lumpen waren plötzlich so begehrt, dass selbst oben auf der Kanzel die Pfarrer sogenannte Lumpenpredigten abhielten, ein Sammelaufruf zur Nachhaltigkeit. Wo man zuvor nur auf Pergamentpapier schrieb, das aus Leder gewonnen wurde, wusste man nun die alten Fetzen zur Papiergewinnung einzusetzen: Feine Lumpen lieferten feines Papier, grobe Lumpen grobes Papier, wollene Lumpen Löschpapier. In England war das Leinen, das je nach Qualität für Post- oder Konzeptpapier verwendet wurde, so gefragt, dass eine Zeit lang die Totenhemden aus Wolle genäht wurden und nicht aus Leinen.

Von Beginn an war das Gewerbe der Lumpensammler ein Auffangbecken für Menschen, denen nichts anderes mehr blieb. An dem geringen Ansehen änderte sich auch mit der immer stärker voranschreitenden Organisation des Berufes nichts. Jeder Sammler war einer bestimmten Papiermühle zugeteilt, diese achteten darauf, dass in ihrem Bezirk nur ihre Sammler tätig waren. Um dies zu kontrollieren, wurden die Lumpensammler mit Pässen ausgestattet. Der des Sammlers Roß aus dem Jahre 1767 beschreibt ihn als „aus Ochtrup bürtig, fünffzig Jahre alt, mittlerer Statur, blauer Rock, bräunliche Augen, braune Haare“.

Seit dem 17. Jahrhundert häuften sich Vorfälle von Lumpenschmuggel. Das kommunikationshungrige Europa gierte nach Papier. Der Rohstoff Lumpen wurde zum brisanten Politikum und durfte nicht über die Landesgrenzen gebracht werden.

In der Weimarer Republik entwickelte sich die größte europäische Lumpensammelbörse in Berlin in der Spandauer Vorstadt. Hier wurden, meist von jüdischen Unternehmern, 220 verschiedene Sorten „original bunte Lumpen“ europaweit getauscht. Es gab sogar eine eigene Zeitschrift namens „Rohproduktgewerbe“, die sich mit nichts anderem beschäftigte.

Die Blütezeit des gar nicht rosigen Handwerks endete in Westdeutschland mit den Nationalsozialisten. Als Reichskommissar für Altmaterialverwertung appellierte Göring 1939 an die Bevölkerung: „Es stimmt, wir haben wenig Rohstoffe, aber wir haben sie bei uns. Die anderen haben viele Rohstoffe, aber sie müssen sie von weiter holen.“ Und: „Der Lumpen ist ein wichtiger innerdeutscher Rohstoff, ein Rohstoff, der insbesondere durch fleißiges Sammeln der Schulkinder zusammengetragen werden kann und der sein Teil dazu beitragen wird, die Rohstofffreiheit des Großdeutschen Reiches bald zu erreichen.“

Da die Kinder eifrig bei der Sache waren, blieben nicht mehr viele Lumpen für die professionellen Sammler. Erst nach dem Krieg, in Ostdeutschland, zogen sie wieder vereinzelt von Tür zu Tür. Allerdings auch nur noch ein paar Jahre.

Eine Sache konnte aber bis zum Ende nicht gebrochen werden: der Berufsstolz der Lumpensammler. Denn wenn es auch wenig war, was sie verdienten, es war ihr eigener Verdienst. Ein Text aus dem Jahre 1850 beschreibt das Selbstverständnis der Sammler so: „Ja, seh er mich nur an! – ich bin ein Lumpensammler, ein armer, jämmerlich einherziehender Kerl mit hohlem Aug und eingefallener Wange, mit verschossener, bewichster Jacke und zerrissener Hose. – Braucht nicht verächtlich wegzuschauen von meiner bleichen Gestalt, oder das Sacktuch vor Nase und Maul zu halten, weil ich eben keinen Ambra- oder Moschusduft von mir gebe, wie die feinen Pflastertreter, die um nichts besser sind, als die Lumpen in meinem Sack. Ich bin ein ehrlicher Kerl, der des Lebens Mühe und Qual bis auf die Neige geleert hat und in dem Meere des Wehes und der Schmerzen, auch wohl zivilisierte Gesellschaft genannt, untergesunken ist, bis er auf dem Lumpensack zu liegen gekommen.
Die Lumpensammler waren meistens in den Städten tätig. Selten verlief sich einer auf die Dörfer...

Quelle: Der Tagesspiegel 2009

 


 

Körbe, Besen, Rechen Händler  aus Winzer und aus dem Bayerischen Wald

Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Winzer aus großer Armut zu einem Zentrum der Korbflechter. Aus wildwachsenden Weiden an den Ufern und in den Auen der Donau wurden Körbe geflochten („gezäunt“) und verkauft. So nannte man die Winzerer „Kerwezianer“, „Körblzäuner“. 1869 wurde hier eine später berühmte Korbflechterschule gegründet.

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Ein Besenhändler war der Herr Pflügl aus Parkstetten, ein anderer der Lorenz Poppenberg aus Schöllnach die bei uns Besen, Besenstiele, Körbe usw. handelten.


Zigeunerfrau Therese Blum aus Ainbrach bei Bogen,


eine Edelzigeunerin, ihr Ehemann und alle Kinder bis auf einen Sohn sind vergast worden. Der Sohn ist immer mit einem schwarzen Mercedes gekommen. Sie hatte immer ein schönes Kleid an mit einem Schultertuch. Sie handelte mit Bettwäsche und auch solchen Tüchern. Sie hat auch Schmuck verkauft und Klöppeldecken. Bei der Frau Weiß hat sie manchmal einen Gickerl oder Henne für Kleidung eingetauscht, aber sie wollte nur „junge Hühnchen“ wie Resi Weiß sich noch erinnern kann. Sie war eine anständige Frau und hatte gute, aber auch teuere Ware zu verkaufen.

Bei der Frau Mayer war sie immer länger da, und sie haben sich gemocht. Als die Frau Blum im Sterben lag, dann fragte sie auch nach der Frau Mayer, um sich von ihr zu verabschieden. Herr und Frau Mayer und die Tochter Andrea fuhren dann nach Ainbrach und verabschiedeten sich von ihr.

 

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Scheren - und Messerschleifer

 

Ein Scherenschleifer aus Alburg kam nach Oberharthausen.

Wenn der Scherschleifer in ein Dorf kam, dann liefen sofort alle Kinder zusammen : "Der Scherschleifer ist wieder da"! Die Kinder wurden dann nach Hause geschickt um zu fragen, ob es Scheren oder Messer zu schleifen gab. Auf einem Handwagne war ein Gestell montiert, das den Schhleifstein trug. Wenn eine Wippe am Gestell betätigt wurde, dann begann sich der Schleifstein zu drehen. So wurde Klinge um Klinge mit den immer gleichen Bewegungen geschärft.

Fahrende Messer- und Scherenschleifer gibt es in Europa bereits seit dem Mittelalter. Traditionell stammten sie aus einigen wenigen Herkunftsregionen im Norden Italiens und Nordwesten Spaniens. Zudem wurde das Wanderhandwerk vom fahrenden Volk wie Sinti und Roma ausgeübt und gehört insbesondere in Mittel- und Westeuropa zu den traditionellen Berufen der Jenischen. Sie zogen durch die Orte und boten das Schleifen und Schärfen von Messern und Scheren an. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ging die Nachfrage stark zurück und kam nahezu zum Erliegen. So verringerte sich der Bedarf zunehmend, weil Schneidwaren im häuslichen Bereich infolge des Rückgangs der allgemeinen agrarwirtschaftlichen Tätigkeit und des sich ändernden Angebots und Kaufverhaltens bei Lebensmitteln und Textilien insgesamt weniger eingesetzt wurden. Der Hauptgrund für die mangelnde Nachfrage liegt jedoch im Preisverfall von Neuware durch die aufgekommene Massenproduktion bei Schneidwaren.

 

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 Kreweibl - Händlerinnen aus der Nürnberger Gegend

Krenweibl mit Gewürze, Steckzwiebel, Sämereien aus Nürnberg
Etwa 30.000 Zentner Kren (Meerrettich) wurden von den Großhändlern jährlich per Bahn versandt, 10.000 Zentner wurden nach Österreich verschifft. Etwa ab 1870 wurde ein Teil der Ernte von Hausierern und Krenweiberln im ganzen süddeutschen Raum verkauft. Der Erste und der Zweite Weltkrieg führten zu einem zeitweiligen Rückgang des Meerrettich-Anbaus, da er durch die staatlichen Festpreise weniger lukrativ wurde.

Nach Oberharthausen kam immer eine Frau Loitzendorf aus Erlangen.

 

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                                Krenweibl                                Sortiment - Handelsware

 

 

 

 Film vom BR über die Krenweibl

 

 


Wandersleb, fliegender Händler aus Straubing kam mit VW Bulli. 

 

Er verkaufte vor allem Arbeitskleidung an die Bauern und auch Anzüge (Wolfgang Gruber erinnert sich noch heute an seinen ersten Anzug von ihm. Er war braun und hat ihn überhaupt nicht gefallen, aber er musste ihn anziehen). Wenn er kam hatte er auch immer eine Garbadine-Hose dabei.. (Gabardine zeigt einen sehr steilen Köpergrad. Die Kettfäden sind dicht gespannt. Durch die Dichte des Stoffes ist er fest und widerstandsfähig. Daher werden aus diesem Stoff häufig Anzüge, Mäntel, Sporthosen oder Kleider hergestellt.)

Albert Wild war eine Zeit mit einer Tochter befreundet. Ob er dann die Arbeitshosen und Hemden billiger bekam, weiß man nicht…. Aber die Burchen haben ihn zur Gaudi „Garbadine-Hose“ genannt..

 

VW Bulli
mit so einem VW- Bulli kam Herr Wandersleb vollgepackt mit Kleidung

 


 

Hosen Sepp (Bornstein)

hat Manchester Hosen verkauft, seine Frau hat sie gekürzt


 

Essig Kriegl aus Pilsting

Seit 1950 wird im Hause Kriegl Gärungsessig gebraut. Am 15. November 1950 begann Ludwig Kriegl als gelernter Konditor mit seiner Ehefrau Anna, und ihren 12 Kindern mit der eigenen Essigproduktion.
Mit seinen Lastwagen fuhr er auf die Dörfer zu den Bauern. Die Bäuerin ließ ihren Essigballon wieder auffüllen und wenn sie z.B. Nudel brauchte, so waren auch diese Waren erhältlich. Es war wie ein kleine Krämerei auf Rädern.
 

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  Fahrzeug von Fa. Essig Krügl mit dem Essig und sonstigen Waren    Essigballon zum Nachfüllen

 


 

Xaver Eisenschink Limonadenfabrik Atting

 

Franz Eisenschink schreibt:

Ich bin selbst noch die Montagstour gefahren. Dabei war es immer so, dass sich ein Fahrer aus Pönning-Perkam und ein Fahrer aus Wiesendorf-Bergstorf--Radldorf beim Schrock ("Hall") trafen und - falls nötig - Ware austauschten. Dabei wurde immer mit den Bauern und Sauhandler Brotzeit gemacht.
Er hatte auch immer die grünen Waldmeister-, die roten Himbeer-, die gelben Orangen- und die weißen Zitronenlimonaden zu verkaufen.

 

Kracherl  kracherlverschluß

Kracherlflasche Xaver Eisenschink und Klappverschluß

 

1958 Fuhrpark

Fuhrpark Xaver Eisenschink 1958

1960 Werbekolonne Tropi

Werbekolonne Tropi 1960

1977 Magirus Lackierung

Magirus Lackierung 1977

1976 XE Faßl

Xaver Eisenschink mit Bierfaß

 


 Oscho-Mann Luthner aus Schwarzach (Einzelhandel)



Ende der 60ziger Jahre fing mein Vater Johann Luthner bei der Fa. Oskar Schorer = OSCHO als Handelsvertreter an. Oberstes Gebot von Oskar Schorer war damals schon preiswerte Qualitätsware zu erzeugen. So konnte sich mein Vater im Bezirk Niederbayern, mit dem damals noch kleinen Sortiment, schnell einen relativ großen und vor allem zufriedenen Kundenstamm aufbauen, den er regelmäßig alle 2 Monate zu Hause besuchte.

Durch die Umstrukturierung war mein Vater gezwungen sich selbständig zu machen und so konnte er weitere qualitativ hochwertige Produkte ins Sortiment aufnehmen.

Vor 22 Jahren hat mein Vater den Kundenstamm von ca. 2000 Haushalten an mich übergeben. Getrieben von dem Leitgedanken Qualitätsware und Kunden pflegen, baute ich das Gebiet über die Bezirksgrenze Niederbayern in die Oberpfalz und Teilen Oberbayerns aus. So wuchs der Kundenstamm, der durch unseren Heimdienst betreut wird, kontinuierlich auf über 5000 Haushalte an

 

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                Lorenz Luthner führt das Geschäft des Vaters weiter    Johann Luthner gründete das Geschäft

  


 

 Adolf Holter , Schuhhändler aus Geiselhöring

 

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Adolf Holter stammt aus Geiselhöring. Sein Transporter war immer gesteckt voll mit Schuhen. „Schuhe aus aller Welt für wenig Geld“ hatte er als sein Motto auf das Auto geschrieben. Er verkaufte alle denkbaren Schuhe, von Gummistiefel über Hausschuhe, von feinen Damenschuhen bis hin zu Reitstiefel und kam mit seinem Handel bis in die Hallertau.

 

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Stolz präsentiert Adolf Holter seine Schuhe



Adolf Holter war ein lustiger  und gern gesehener Händler. Er liebte die Musik und die Musik liebte ihn. Deshalb gab er auch in den Häusern Kostproben seines Könnens ab. Er war aktives Mitglied bei der Liedertafel in Geiselhöring, die ja weit über die Grenzen von Geiselhöring bekannt war. Die weithin bekannten Solisten Heinrich und Josef Weber trugen zu den musikalischen Höhepunkten bei.

 

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Hier auf dem Bild ist er in der hinteren Reihe als dritter von links zu sehen (Fahnenjunker)

und rechts in der vorderen Reihe ist seine Frau Gisela Holter zu sehen.

 

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Meine Schwiegermutter erzählte, dass er schon singend vom Hof aus in das Haus gegangen ist, natürlich immer mit ein paar Schuhen in der Hand. Er liebte die Unterhaltung bei seinen Kunden und blieb gerne auf einen Ratsch ein wenig sitzen, so wie es die guten Geschäftsleute früher eben machten. Im Hof sang er schon“So ein Tag so wunderschön wie heute“ herein.


Familie Seidl aus Geiselhöring

ist in den 50er/ 60er Jahren mit dem Roß gekommen und hat Brot für die Fa. Stierstorfer verkauft.

 Dampfbäckerei Stierstorfer

                                                          Quelle: Bild aus Präsentation 60 Jahre Stadt Geiselhöring


 

Perkamer Metzger Ludwig Hilmer


Ludwig und Johanna Hilmer kauften 1953 die gut gehende Metzgerei von Fanny Buchner, als deren Mann Karl Buchner verstarb. Er führte sie in alter Manier weiter. Êr fuhr seine Fleisch- und Wurstwaren wöchentlich aus. Resi Weiß schwärmt heute noch von der eingelegten Blutwurst, die ihr außergewöhnlich gut schmeckte.1980 wurde wegen Krankheit des Metzgermeisters Hilmer die Metzgerei geschlossen und 1983 verkaufte die Witwe Johanna Hilmer das Anwesen an die Eheleute Josef und Marija Haslinger.

Früher ist man im Bittgang auch nach Perkam gegangen. Das war für die Jungen ein besonderer Tag.  Es war nicht nur wegen dem Bittgang, nein, es war wegen der Metzgerei Hilmer. Die Jungen rannten immer voraus, um sich eine gschmackige warme Leberkässemmel vom Metzger Hilmer zu holen. Dann liefen sie wieder zurück, um auch gleich vom Mesner Schmaißer eine gehörige Standpauke zu bekommen. Die Leberkässemmel aber ließ diese Worte abprallen, weil nächstes Jahr liefen wir wieder hin.

 

Metzger Hilmer Haslinger

Metzgerei Ludwig Hilmer befand sich vorher im Getränkeabholmarkt Haslinger

 

Hilmer Metzger und annerl Zellmer

Metzger Ludwig Hilmer und Anna Zellmer in der "Hall"

Quelle Bild:  Ludwig Stadler


 

Metzger Hiendlmeier


er hatte in Feldkirchen ein Wirtshaus und eine Metzgerei. Erfuhr in die Nachbardörfer seine Fleisch- und Wurstwaren aus. So kam er auch nach Pönning und zu uns nach Oberharthausen.


Ich kenne den Metzger Hiendlmeier noch als Bub. Ich hatte mit dem Pfeilbogen geschossen, hatte aber keinen echten Pfeil. So spannte ich ein spitzes Holzstück ein, dass ich mir vorher mit dem Hackl von einem langen Holzscheit abgeschlagen hatte. Es kam wie es kommen musste, ich spannte den Bogen zu weit, der Holzpfeil gleitete vom Bogen ab, und ich schoss ihn mir zwischen dem Daumen und dem Zeigefinger durch die  Hand. Gerade in dem Augenblick kam der Metzger Hiendlmeier um das bestellte Flesich zu bringen. Jetzt standen alle um mich rum, der Vater, die Mutter und der Metzger. Niemand wusste so recht, was zu tun ist. Also ergriff der Metzger Hiendlmeier die Initiative. Der Vater und die Mutter mussten mich festhalten, und er zog den Pfeil mit einm Ruck aus meiner Hand. Das das alles auch sehr weh tat, brauche ich nicht zu sagen. Aber als der elende Holzpfeil wieder heraußen war, war uns alle wohler. Die Mutter strich mir etwas Jod über die Wunde und das wars auch. Ich starrte wie angewurzelt meinem großen Helden nach, dem Metzger Hiendlmeier, der mich gerettet hatte. Eine kleine Narbe habe ich noch heute.

 

Gasthaus Hiendlmeier 1983 abgebrochen 1

Gasthaus Hiendlmeier in Feldkirchen wurde 1983 abgebrochen.  Es stand da wo jetzt das Seniioren und Pflegeheim Keltenhof steht.

Quelle Bild: Adolf Fischer, Feldkirchen

 


 

Sau- und Viehhändler im Dorf

 

                       Ferkelmarkt    Ferkelmarkt 1

 

Sposau1

 

Schweine gehörten früher mit zum Dorfbild. Von Georgi  (23.4.) bis Martini (11.11.) wurden sie vom Dorfhirten werktags täglich auf die Weide getrieben. Mutterschweine durften sich mit den Jungen oft auf dem Hof aufhalten. Aber auch die Städter waren an das Grunzen der Schweine gewöhnt. Wöchentlich einmal fand der Ferkelmarkt statt, wo die Bauern ihre „Sposau“ säüberlich mit  Wasser und Kernseife abgewaschen, zum Verkauf  feilboten. In Straubing beherrschten traditionsgemäß samstags die „Sposau“ den Viktualienmark. In Geiselhöring war donnerstags „Sposaumarkt“. War das ein Grunzen, feilschen und auch beliebter Treff! (Quelle : Michael Wellenhofer)

Aber dann wurde der Marktverkauf weniger und die Händler kamen direkt auf die Höfe aufs Land zu den Bauern. Es mussten keine Standgebühren mehr bezahlt werden und die Abholung vom Stall zu Hause war viel praktischer.

Die Schweinehaltung im Dorf wurde immer weniger. Die Händler kamen nur noch bei einer Mindestabnahme von 100 Ferkel. Als letzter Schweinezüchter in Oberharthausen hörte 2019 Franz Pömmerl mit der Schweinehaltung auf.

 

Die letzte Sau wird aus dem Dorf getrieben

Nachfolgend ist ein treffender Zeitungsbericht von Elisabeth Ammer von 2012 angehängt. Sie zeigt die Situation in der Schweinehaltung am Beispiel von Franz Pömmerl in Oberharthausen auf. Nachdem noch vor 40 Jahren in Oberharthausen 30 Anwesen eine Schweinehaltung hatten, sind es jetzt nur noch 3 Betriebe. Davon werden aber eventuell auch die Höfe von Franz Bauer (ehemals Danner) und Sepp Aigner die Schweinehaltung aufgeben. Das heißt, dass einzig und allein Franz Pömmerl in Oberharthausen noch mit der Schweinzucht weitermacht.

Das hätte doch vor Jahren kein Mensch geglaubt, jetzt wird buchstäblich die letzte Sau aus dem Dorf getrieben… Stellvertretend für so viele Bauerndörfer steht die Entwicklung in Oberharthausen für so viele andere Dörfer und Bauern. Ein Ausbau der Stallungen nach den EU-Richtlinien ist zu kostenintensiv, die Nachfolgeregelungen auf den Höfen unklar und die Vorschriften und Auflagen seitens der Behörden nicht mehr zu bewältigen. Was jahrzehntelang für Tier und Mensch gepasst hat, fällt jetzt der Regulierungswut von Brüssel zum Opfer. Die Folge davon ist, dass weitere 30% der Schweinezüchter aufgeben werden. Das Ziel sind Großbetriebe, die kleinen und mittleren Anwesen spielen in der Schweinehaltung keine Rolle mehr.

Hatte man früher auch noch Hausschlachtungen mit den Schweinen gemacht, der „Weihnachter“ wurde jährlich auf jeden Hof gestochen und teilweise zu Wurst und „Gselchtem“ verarbeitet. Die Freude war groß, wenn es die erste Leberwurst gab und die „Brittsuppn“ gegessen wurde. Die Zeiten sind schon lange vorbei. Schweine auf der Weide, so herrlich wie sie beim Aigner Sepp unter den Hollerbüschen wühlen werden wir bald auch nimmer sehen. Die Kinder werden die Fackerl nur noch aus der Ladentheke vom REAL kennen. Wer kennt denn von den Jungen noch das lustige und neugierige Beschnuppern der kleinen Fackerl wenn man im Stall steht..? Die pure Lebensfreude wenn frisch eingestreut ist, und die Kleinen das Stroh nur so durcheinander wirbeln..?

Es geht eine Ära im Dorf zu Ende. Die sich jährlich wiederholenden Arbeitsgänge auf den Höfen wie Stroh fahren, Mist fahren, Futter holen fallen weg. Es ist „Ahn“ und niemand fährt mehr Stroh heim, und das in Oberharthausen.. kaum zu glauben ist das! Sauhändler die jahrzehntelang früher in der „Hall“ die Geschäfte mit den Dorfbauern gemacht hatten fielen schon eher weg. Auswärtige Händler kamen jetzt nur noch, wenn Mindestabnahmen von Ferkel über 100 Stück gewährleistet waren.

Anders wird´s werden im Dorf, staader…. weil koa Sau mehr do is, die schreit wenn´s hungert oder wenn´s raufan…. koa Misthaufa der stinkt … koa Odl der immer seine Düfte nach einem Regen entfaltete … koa Stroh, dass auf der Straßn liegt  und vom Wind herumgewaaht wird. Schad is um die Säu, oba die Zeitn hamm sich hoid gändert. Nix bleibt wir´s is. Schod is drum weil sie einfach zum Dorf dazuaghört hamm. Wos kommt als Nächstes dran..?

 

letzte Sau

Späth 

Hier treibt 2007 Alfons Späth seine

letzte Sau aus dem Stall.

Aufgenommen hat das Bild

Walter  Rienmüller, der gerade


zu Besuch aus Australien vor Ort war.

 

 P1210129  
 Schweine auf der Weide von Aigner Sepp
IMG 1200  
  Heimtrieb von der Weide (Almabtrieb") von Aigner Sepp und Hanne  

 

 


 

Dorfhirte Ludwig Stadler

 

Sauhirte

Schweine werden von den Bauern auf die Straße getrieben und Hirte treibt sie mit

 

20a
Koppel für die Schweine am Ende des Dorfes ( Hund war Hirtenhund vom Dorfhirten Stadler)

 Weideroute1

 

 

Das Hüten ging folgendermaßen erzählt Sepp Danner:

Der Stadler ist mit dem Hund „Wasser“ um 12 Uhr zum Haus zum Gruber hinaus gegangen. Dann hat er mit der Geisel geschnalzt. Das war so laut, dass es die Leute gehört haben und die Tiere ausgelassen haben. Sepp Danner sagt, er hat das Geiselschnalzen auch gekonnt, und hat oft eine viertel Stunde früher geschnalzt, dass die Leute die Viecher ausgelassen haben. Das war halt so ein Lausbubenstreich.

Die Leute haben die Kühe ausgelassen und die sind dann übers Dorf heruntergegangen. Bei der Wiese bei der Dreschwagenschupfa war der Anfang, da sind die Kühe hineingegangen und dann schön langsam in den Altbach runter. Drunten bei der Bruck wieder rauf zu den Wiesen vom Aigner rund Grollhof, dann im Seeweiher rauf bis zur Perkamer Grenze, dann wieder rüber wo der Baum jetzt nach Perkam steht und die Loh herunter. Dann war es fünf Uhr abends. Gehütet wurde jeden Tag, aber nur im Herbst, wenn die „Krummet“ gemäht war.

Bei den Schweinen war es ähnlich. Da haben die Bauern auch ihre Schweine oben angefangen vom Semmelbauer ausgelassen und dazu auch den Gemeindesaubär. Die sind dann runter in die Weide neben dem Stadler, wo heute der Boltzplatz ist. War eine Sau läufig, dann hat sie der Bär gleich gedeckt. Das Ganze hat etwa zwei Stunden gedauert, dann hat er sie wieder heim getrieben.

 


 

Hier ist eine Auswahl von Vieh- und Scheinehändlern die alle Sepp Danner

von früher noch wußte:

  • Hacker (Sau und Rindvieh) Straubing
  • Fischl (Sau, Frischling) Straubing
  • Hering (Sau und Rindvieh)
  • Blumenstingel war Viehaufkäufer (Stier, Kälber)Straubing
  • Bayer Erna, Franz und Hedwig aus Alburg
  • Sommer von Perkam
  • Schmaderer (Kälber) von Perkam
  • Spitzauer
  • Wurm (Brüder) Straubing
  • Reischl (Spanferkel) Feldkirchen
  • Probst Max (Spanferkelhändler) von Pilling
  • Lustiger (Spanferkel) Passau
  • Seeholzer (Naschen, Bären) Leiblfing
  • Hehl (Spanferkel)
  • Spitzauer (Viehhändler) Straubing
  • Wallner
  • Weigl Straubing
  • Hammerscheck ( Bullen) Kirchroth
  • Steinkirchner (Spanferkel) Straubing
  • Schiesl Hans ( Spanferkel) nach Neumarkt geliefert
  • Herschmann Geiselhöring
  • Wittmann
  • Speiseder Reibersdorf
  • Erl Sunzing
  • Schreyer Straubing
  • Schober Straubign
  • Huber Laberweinting
  • Sommersberger Vilsbiburg
  • Erwert Neumarkt
  • Haseneder Reißing
  • Träulinger Abensberg
  • Wutz Lam
  • Brumm (Stierhändler) Allkofen
  • Hammerschick Walter Straubing
  • Weinzierl
  • Wagner Osterhofen
  • Schafhauser Furth i. Wald
  • Probst Reibersdorf
  • Pielmeier Geiselhöring
  • Haimerl Denkofen
  • Hofmeister
  • Rufas Kehlheim
  • Brunner Neumarkt
  • Heigl Max
  • Koller Bergstorf
  • Michl Hans
  • Wals max
  • Nels Fritz
  • Oberdorfer Weißenburg
  • Scheugenpflug Abensberg
  • Werner Mengofen
  • Gürster Scheiblsgrub
  • Fronne Sunzing
  • Kapitza (Pferde)
  • Kühnlein (zwei Brüder) Mengkofen

 

 

Tierärzte

 

  • Alfred Münich

    Der ist gefahren wie ein Wilder. Er war schnell da wenn er gerufen wurde. Durchs Dorf hat er sich in der Kurve immer extra hinaustraiebne lassen. Früher hat er eine Isetta gefahren, aber dann einen Mercedes, den er schon richtig ausgefahren hat (erzählt Sepp Danner)

    Welche Arbeiten machte der Tierarzt?

    Rotlauf de Tiere

    Schwein Rotlauf


    Beim Schweinerotlauf handelt es sich um eine bakterielle Infektionskrankheit, die durch Bakterien der Gattung Erysipelothrix hervorgerufen wird. Der Erreger Erysipelothrix rhusiopathiae hat ein breites Wirtsspektrum. Neben verschiedenen Tierarten (u.a. Schaf, Vögel, Rind, Pferd, Robben, Delphine) ist auch der Mensch empfänglich.

    Akute Fälle werden mit parenteraler Gabe von Penicillin (10.000 - 20.000 IE pro kgKG) behandelt. Tiere, die sich in unmittelbarer Nähe befinden, wie z.B. Tiere in der angrenzenden Box, sollten ebenfalls antibiotisch behandelt werden.

    Der Immunprophylaxe kommt aufgrund der hohen Tenazität und Verbreitung des Erregers eine wichtige Rolle zu. Es stehen verschiedene Impfstoffe zur Verfügung.

    Durchfall

    Zu behandeln sind Coli- Durchfälle mit Antibiotika, die bei Saugferkeln meist oral per Doser gegeben werden


    Kälbern

    Kaiblziang

    Jungbauern üben an einem Modell das Kaiblziang


    Pansenschnitt


    für junge Rinder, die zuviel Halmklee gefressen haben. Dadurch gab es sehr starke Blähungen. Sie konnte der Tierarzt nur mit einem Stich mit dem Trokar retten, indem er dieses Instrument bis in den Pansen stieß. Dadurch konnte dann die Luft entweichen, sonst hätten die Dämpfe den Pansen gesprengt.

    Trokar                                                                              Ein Trokar


    Die Haut wird mit einem Operationsmesser eingeschnitten. Der Trokar wird senkrecht auf der Flanke plaziert und gegen die Muskeln gedrückt. Dann wird mit der rechten Hand einschwerer Schlag auf den Griff des Instruments ausgeführt. Dadurch dringt der Trokar  in den Hohlraum des Pansens, sofern der Schlag ausreichend kräftig war.  Die Klinge der Trokar wird dann zurückgezogen, die Kanüle bleibt, und die Gase können dadurch entfliehen.

  • Riedl Straubing (Gstütt)
    Der hat mal vom Mayer eine Sau mit Strahlenpilz "operiert"... er wollte sie retten, doch dann hat er abbrechen müssen, weil es Nacht wurde. Heute würde ein Schwein mit dieser Krankheit sofort geschlachtet werden sagt Sepp Danner.

Strahlenpilzerkrankung

Schwein mit Strahlenpilzerkrankung

  • Tierarzt Dr. Manfred Rosskopf 

    Tierarzt Dr. Roßkopf heiratete 1957 Marianne Krieger, eine Tochter der Mühlenbesitzer Matthias und Marianne Krieger, die das elterliche Anwesen übernahm. Dr. Roßkopf eröffnete eine Tierarztpraxis, während seine Frau den Müllerhof bewirtschaftete. Im Rahmen des damals noch geltenden Mühlengesetzes wurde die Pillinger Mühle 1962 geschlossen. Es verblieb nur noch der landwirtschaftliche Betrieb.
    Der Tierarzt Dr. Manfred Rosskopf gründete einige Jahre später einen Tierbetreuungsdienst mit einem Tiermedizinvertrieb. er baute den leerstehenden Kuhstall um und richtete Büro- und Lagerräume ein. Er verkaufte bayernweit an landwirtschaftliche Betriebe, Großmäster und Kraftfutterwerke die benötigte Medizin. Zur Betreuung der Medizinkunden hatte er oft bis zu 10 Tierärzte beschäftigt.

Todesanzeige Rosskopf

 

 


 

Hausschlachtung

Weihnachter oder "Mettensau"

 

Schlachten

 

Der Weihnachter zählte früher zum Schönsten, was der Jahreslauf zu bieten hatte: Kurz vor dem Weihnachtsfest wurde ein feistes, ansehnliches Schwein geschlachtet, das man das Jahr über mit möglicht guter Nahrung zum Prachtexemplar seiner Gattung herfütterte. Man wollte schließlich die Christgeburt gebührend feiern. Dazu gehörte die Brittsuppe ebenso wie Blut- und Leberwürste, die in der Mettennacht auf den Tisch kamen. Am Feiertag selbst gab es dann noch einen saftigen Schweinebraten.
Natürlich brachte so eine kernige Sau auch allerlei Gesindel auf unehrenhafte, gelüstige Gedanken. Der Einfallsreichtum, wie man der Mettensau oder zumindest Teilen davon habhaft werden konnte, war riesengroß.
Der Bauer war sich der Verlockung, die von seinem Weihnachter ausging, durchaus bewußt und trug Vorkehrung, daß seine Leute, die ohnehin höchst selten Fleisch vorgesetzt bekamen, zu Weihnachten nicht vor leeren Tellern saßen.
So manches alte "G´schicht´l" dreht sich um den Weihnachter. Ein Bauer, der um seinen guten Schlaf wußte, band sich beim Zubettgehen die beiden Hälften der Mettensau mit Bindfaden an die Zehen, damit - sollte der Braten anderweitige Liebhaber auf den Plan rufen - seine Bewegung für ihn auf jeden Fall spürbar war. Ein anderer verrammelte den Kamin - beliebter Fluchtort bei solchen Dingen - unsichtbar im oberen Teil und sicherte die Herdstelle selbst mit "spritzigen" Einfällen.

Ungeachtet dessen mästeten früher sogar Kleinhäusler extra für Weihnachten eine Mettensau heran. Das Futter sparten sie sich vom Munde ab, damit am Heiligen Abend ein Festbraten auf dem Tisch stand. Doch beschwor eine Mettensau in ärmlichen Zeiten auch unvorstellbare Dramen herauf. Als im niederbayerischen Haarbach ein Pfarrer kurz vor Weihnachten seine Mastsau schlachten wollte, hing am Stall ein Zettel, und darauf war gekritzelt: "Lieber Pfarrer Kimmer, deine Sau, die siehst du nimmer."

 

Schlachtung 2

Hans Schmaißer inspiziert das geschlachtete Schwein (Fotomontage)

 

Im Oberharthausen hatten manche die Hausschlachtung jahrelang von Hans Schmaißer durchführen lassen, oder man schlachtete selber. Hans Schmaißer konnte es gut und er führte die Schlachtung sorgfältig aus. 

Nach der Schlachtung mußte die Fleischbeschau durchgeführt werden. Man holte entweder den Josef Danhauser von Pönning oder später den Hans Marklseder aus Perkam. Es gab natürlich auch Spezialisten, die den Stempel mittels alter Vereinsstempel auf die Sauhälfte anbrachten, um die Kosten zu sparen. Der Stempel wurde dann ein wenig verwischt, dass er unleserlich war. Die Fleischberschauer untersuchten das Fleisch auf Trichinen und stempelten die Schweinehälften bei einwandfreiem Zustand ab. Als Lohn bekamen sie ein schönes Stück Fleisch mit.
Dass die Trichinenschau auch schon früher für wichtig gehandhabt wurde, zeigen die drei Niederschriften von 9131 und 1935 vom Gemeinderat Oberharthausen.

 

Josef Danhauser  Hansw Marklseder 
         Josef Danhauser Hans Marklseder 

 

 

schönes altes Trichinen Mikroskop FWSchieck Berlin Ende 19Jhd

Mikroskop zur Trichinenbeschau

 


 

Niederschrift vom 3.9.1931 des Gemeinderats Oberharthausen

 

Aufgenommen am:  3. 9. 1931 zu Oberharthausen

Gegenstand der Beschlussfassung: Flesichbeschau

Der Schuhmacherssohn und Fleischbeschauer Franz Xaver Kohlbeck jr.

In Pönning wird mit Wirkung vom 1. September 1931 für den heutigen

Gemeindebezirk  als Fleischbeschau -stellvertreter  aufgestellt.

Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben

  Wurm, Gürster, Hösl, Schmaißer, Loichinger, Aigner

 

Flesichbeschau Kohlbeck


 

                      

Niederschrift vom 23.9.1931 des Gemeinderats Oberharthausen

 

Aufgenommen am:  23. 9. 1931 zu Oberharthausen

Gegenstand der Beschlussfassung: Ausübung der Fleischbeschau durch Tierärzte

Der Gemeinderat Oberharthausen ist damit einverstanden,

sodass nunmehr auch die jetzigen Tierärzte als Ergänzungsfleischbeschauer zugelassen werden,

welche die Tiere vorbehandelt haben. Gegen die im bezirksamtl. Schreiben

vom 17.9.1931 Nr. 762 angegebenen Tierärzte sowie gegen Distriktstierarzt Lechner

in Geiselhöring wird keine Erinnerung erhoben.

Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben

  Wurm, Gürster, Hösl, Schmaißer, Loichinger, Aigner

 

 

Ausübung der Fleischbeschau durch Tiwerärzte

 


 Niederschrift vom 4.3.1935 des Gemeinderats Oberharthausen

 

Aufgenommen am:  4. März 1935 zu Oberharthausen

Gegenstand der Beschlussfassung: Gebührenfestsetzung der ordentlichen Berchau und Trichinenschau

Gegenwärtig:

1. Bürgermeister: Josef Hüttenkofer

2. Bürgermeister  Alois Zellmer

    Schriftführer:   Hans Bornschlegl

Mit Einnahmen des Flesichbeschaues – Trichinenbeschaues wurde heute folgender Beschluß festgesetzt:

Die Besitzer der Schlachttiere und des Fleisches haben für die ordentliche Beschau, die Trichinenbeschau und die Ergänzungsbeschau folgende Gebühren zu entrichten:

Die Gebühren setzen sich zusammen aus der eigentlichen Untersuchungsgebühr, dann Beschauzuschlag und der Vergütung für die Gemeinde. § 58 III der Fleischbeschauordnung. Der gemeindliche Zuschlag wird gemäß § 59 I der Fleischbeschauordnung auf 10 v. H. festgesetzt.

Gebührensätze:

  • Für die ordentliche Beschau und Trichinenbeschau
  • Wenn das Fleisch gewerbsmäßig oder sonst außerhalb des eigenen Haushaltes des Besitzers durch Verkauf verwendet, z.B. ausgepfundet werden soll (gewerbliche oder andere Verkaufswahl)


Schweine        Untersuchung             Beschauzuschlag        Gemeinde

Ord. Beschau             1,- M                  ,50 M                         ,15 M
Trichinen                    1,- M                  ,50 M                         ,15 M

  • Häuserschlachten

Schweine        Untersuchung             Beschauzuschlag        Gemeinde

Trichinen                    1,- M                  ,50 M                         ,15 M

Im überigen gilt das beigegebene Schreiben des Reg. amtlichen Vordruckes des Beschlusses.

Hüttenkofer, Zellmer, Wallner,Loichinger, Prebeck,

 

 

Gebühren Trichinenschau

Gebühren Trichinenschau1

 


 

Schinder, Abdecker, Wasenmeister

Schinder

Bild:  Berufe dieser Welt – Die Abdecker

 

Kaum jemand kann heute mit dem Begriff „Schinder“ noch etwas anfangen. Geläufig sind eher noch die Begriffe wie „Schindergaul“ und „Schinderkarren“ oder die Redensart „mit jemandem Schindluder treiben“.

Dabei war im Volksmund der „Schinder“ jahrhundertelang die verächtliche Bezeichnung für den Wasenmeister. Dies ist sozusagen der amtliche Ausdruck für jene verachteten Menschen, die sich mit der „Entsorgung“ von Tierkadavern beschäftigte. Das gebräuchlichste Wort war der „Abdecker“. So wird  er oft auch hauptsächlich  in den Kirchenbüchern bezeichnet.

Dem Wasenmeister mußten die Bauern laut Gesetz alles „Gefallene“, also verendete Vieh, vom Hund aufwärts übergeben. Dafür bekam der Abdecker eine Gebühr, das sog. „Ansaggeld“ oder Wasengefälle“. Der Schinder zog den Kadavern die Haut ab („Abdecken“) und gab diese den Bauern zurück. Den Ausdruck „Decke“ gebrauchen Jäger heute noch. Verzichtete der Bauer auf die Haut, brauchte er kein Ansaggeld zu bezahlen.

Das Abdecken war schmutzig, ekelerregend und mit starker Geruchsbelästigung verbunden. Es war aber lebenswichtig, um den Ausbruch von Seuchen zu verhindern (z.B. Milzbrand). Aus diesem Grund durfte der Abdecker nicht im Dorf wohnen. Das „Gesindel“ wollte man sich fernhalten. Vornehmlich der infernalische Gestank bei den Wasenmeistereien bewirkte diese Trennung, aber auch der Aberglaube trug dazu bei. Bevorzugt waren die Anwesen „im Moos“, „in der Au“ oder „im Graben“. Im weichen Boden hob der Abdecker die „Wasen“ aus und vergrub die Reste, den sog. Kern, wie der abgehäutete Pferde- oder Rinderkadaver in der Regel bezeichnet wurde. 

Wurde dem Abdecker ein Wasenfall gemeldet, so mußte er – zumindest seit dem 18. Jhdt. – das tote Tier binnen 24 Stunden fortschaffen. Dazu hatte er eigens einen „Schinderkarren“ und Zugpferde. Verhielt sich der Abdecker vorschriftsgemäß, so wurde der Kadaver zur sog. „Kern-“,  „Lueder-„  oder „Fallhütten“ transportiert und dort weiterverarbeitet. Die toten Tierkörper wurden mit Hilfe von Ketten an einem großen Nagel oder Haken befestigt und hochgezogen, damit die Haut leichter „abgeledert“ werden konnte. Manchmal wurde dem Kadaver auch direkt vor Ort die Haut abgezogen. Die Überreste seiner Tätigkeit sollten nach Möglichkeit sofort an einem abgelegenen Ort vergraben werden. Das führte häufig zu Ärger, wenn der Abdecker die Grube nicht tief genug aushob. Oft ließ er, weil er nur Interesse an der Haut hatte, den abgelederten Kern einfach liegen und verfaulen. Weitaus bequemer war es, die Fleischreste in einen nahegelegen Bach oder Weiher zu werfen. Dies entsprach sogar im 16. und 17 Jhdt. den Vorschriften, es wurde erst Ende des 18. Jahrhunderts  verboten.

Nach oberpolizeilicher Vorschrift vom 21. Juni 1862 mussten „gefallene“ Tiere 5 Schuh (1 bayerischer Schuh = 29.18 cm) tief verscharrt werden. Tiere, die wegen einer ansteckenden Krankheit verendet oder getötet worden waren, wurden sogar 6 – 8 Schuh tief vergraben und zuvor mit ungelöschtem Kalk bestreut, wovon immer ein Vorrat bereit zu halten war.

Eine weitere Pflicht des Wasenmeisters war es, die Jagdhunde der Schloßherrschaft zu unterhalten. Bei den adligen Treibjagden war eine große Anzahl von Hunden nötig.  Nur bei den Abdeckern gab es genügend Fleisch, um die Hunde zu ernähren. Dies war auch oft ein Hauptgrund warum eine Abdeckerei in einer adligen Hofmark errichtet wurde. Für das Hundefutter mußte das Kernfleisch aufgehoben, gekocht und getrocknet bzw. gedörrt werden. Durch das Auskochen gewann man auch Fett bzw. Unschlitt, das neben dem Fell eine Haupteinnahmequelle der Abdeckereien bildete. Der fertige Rohstoff wurde anschließend an Gerber, Seifensieder (Kernseife!) und Kerzenzieher weiterverkauft.

So sind in dem bereits erwähnten Liquidationsprotokoll bei dem Wasenanwesen in Steinach folgende gerichtsherrliche Frondienste eingetragen:

der Gutsherrschaft die Jagdhunde halten, zu und von der Jagd zu führen.

das gefallene Vieh abzuholen und auszuziehen, die Haut aber zurückzugeben.

die Schloßabtritte (= Toiletten), so oft als nötig ist, zu räumen.

Überhaupt war die Berufsgruppe für alle Arbeiten zuständig, mit denen die „ehrlichen“ Leute nicht in Berührung kommen wollten. So mußte der Abdecker gelegentlich auch Todeskandidaten zum Richtplatz bringen oder die Leichen von Gehenkten oder Selbstmörder abholen, um sie zu verscharren.

Die Abdecker gehörten zu den „unehrlichen Leuten“. Damit meinte man nicht Lügner und Betrüger, sondern Menschen, denen nicht die volle Ehre eines Normalbürgers zuteil wurde. Zu den unehrlichen Gerufen gehörten vor allem Schinder, Henker und Blutschergen, aber auch, allerdings hier in abgemildert Form, Bader, Barbierer, Leinenweber, Fuhrleute, sowie die große Gruppe der Fahrenden.  Die Unehrlichen waren grundsätzlich von den Zünften ausgeschlossen und auch ihren Kindern war es unmöglich, den väterlichen Beruf zu verlassen. Die Unehrlichkeit war hochgradig ansteckend. Bereits die einfache Berührung eines Unehrlichen oder nur das Anfassen seiner Werkzeuge konnte einen ehrbaren Handwerker unehrlich machen. Die bayrische Zunftordnung von 1730 bestimmte, daß sogleich unehrlich und „des Handwerk nicht mehr fähig“ wurde, wer einem Abdecker die Hand bot, mit ihm zusammen ging, wer seine Geräte, seinen Karren oder sein Pferde berührte, oder wer – selbst unwissentlich – mit ihm zusammen aß oder trank.

Erst 1772 wurde den Abdeckersöhnen als letzten reichsgesetzlich der Zugang zu Zünften, Ämtern und Gilden ermöglicht – sofern sie den elterlichen Beruf noch nicht ausgeübt hatten.

Weil Abdecker keine Ehen mit „ehrlichen“ Leuten eingehen durften, stammte der Partner nie aus demselben Dorf.  Geheiratet wurde nur „untereinander“. In ganz Bayern bildeten darum die Abdecker eine riesige Verwandtschaft. Trauzeugen und Taufpaten waren wiederum nur Wasenmeister aus der Umgebung.  So sind bei den Steinacher Abdeckerfamilien als Trauzeugen und Paten Abdecker aus Schafhöfen, Rimbach b. Neukirchen, Irlbach, Haunsbach, Falkenfels, Rattenberg, Haderhaus, Wörth und Rain vertreten. In den ca. 250 Jahren sind nur ein einziges Mal 1777 bei einer Abdecker-Hochzeit der Mesner von Gschwendt und der Steinacher Lehrer, der gleichzeitig Mesner war, als Trauzeugen genannt.

Auch das Verschwinden der Unehrlichkeit im 19. Jhd. änderte an der Unterschichts-zugehörigkeit der Abdecker wenig. Im gesellschaftlichen Empfinden wirkte sich dies noch Jahrzehnte aus. Mischehen waren selten, und erst in der zweiten Hälfte des 19. Jhd. wurden diese allgemein üblich.

Doch wurden die Abdecker auch aufgesucht, da sie aufgrund Ihrer Tätigkeit sich mit kranken Tieren befaßten und natürlich auch mit deren Heilung. Viele von Ihnen besaßen bemerkenswerte Kenntnisse der Anatomie, daß von Generation zu Generation weitervererbt wurde. Von den Bauern wurden sie oft bei kranken Tieren bzw. bei Seuchen und deren Vermeidung um Rat gefragt.

Dies war natürlich eine weitere wichtige Einkommensquelle. Selbst bei Erkrankung der Menschen wurde um ihren Hilfe gebeten, da sie ein umfassendes Wissen über Heilkräuter hatten und mit ihrem Tierfett auch allerlei geheimnisvolle Salben herstellten.

 

 Quelle: Heimatgeschichte Steinach

 


Die Bauern waren verpflichtet, sämtliche Tierkadaver (gefallenes Vieh) dem Abdecker zu übergeben, dem oft auch die Entfernung von herumliegenden Katzen- und Hundekadavern oblag. Der Abdecker zerlegte die Kadaver und vergrub oder verbrannte, was nicht mehr verwertet werden konnte. Die Entsorgung der Reste erfolgte zumeist auf Wiesen (altdt. Wasen), woraus sich Berufsbezeichnungen wie Klee- oder Wasenmeister ableiteten.

Aufgrund der Geruchsbelästigung und Seuchengefahr mussten die Abdeckereien außerhalb der Dörfer angelegt werden. Durch den Kontakt mit den Kadavern hatten die Abdecker ein hohes Risiko, sich zum Beispiel mit Milzbrand zu infizieren. Noch heute sind Erdarbeiten auf derartigen Grundstücken gefährlich. Die Knochen aus der Abdeckerei wurden den Seifensiedereien, die verfaulte Fleischmasse den Salpetersiedern und die Häute den Gerbereien zugeführt.

Es haftete an den Abdeckern bis 1817 der Makel der „Anrüchigkeit“ ihres Gewerbes, sie waren vom Kontakt mit der übrigen Bevölkerung nahezu ausgeschlossen. Sie heirateten normalerweise nur untereinander, deshalb waren die Schinder einer Region häufig miteinander verwandt oder zumindest befreundet. Die Wasenmeistereien waren wegen ihrer Abgelegenheit ideale Schlupfwinkel für gesuchte Verbrecher, bspwJohann Georg Grasel oder den Schinderhannes.

Quelle: wikipedia


Schindanger

Bild:  Berufe dieser Welt – Der Schindanger


Polizeilichen Strafgesetzbuchs für Bayern vom 26.12. 1871

 

In Bezug auf dass Wegschaffen, den Transport und das Verscharren gefallener oder getöteter Tiere und in Bezug auf die Verrichtungen der Wasenmeister sind die Artikel §70 und §71 des Polizeilichen Strafgesetzbuchs für Bayern vom 26.12. 1871 maßgebend. Dieselben lauten:

Artikel 70:

Zuwiderhandlungen gegen die oberpolizeilichen Vorschriften über das Wegschaffen, den Transport und das Vergraben gefallener Tiere, sowie über das Ausgraben verscharrter Tiere und Tierknochen, werden mit Geld bis zu 5 Talern und, wenn dieselben wissentlich in Ansehung eines an einer ansteckenden Krankheit gefallenen, oder wegen desselben getöteten Tieres begangen werden, an Geld bis zu 15 Talern bestraft.

Artikel 71:

Wasenmeister, welche den ihrer Verrichtungen betreffenden oberpolizeilichen Vorschriften zuwiderhandeln, unterliegne einer Geldstrafe bis zu 30 Talern.

 

Kreisamtsblatt 1875 1

 

Kreisamtsblatt 1875 2

Kreisamtsblatt 1875 3

Kreisamtsblatt 1875 5

Kreisamtsblatt 1875 4

Quelle: Abdeckereiwesen, Haefcke 2006


 

Scharfrichter und Abdecker  in Straubing waren

– da erstere von den seltenen Hinrichtungen nicht leben konnten – oft dieselbe Person. In ländlichen Gegenden wurde die Tätigkeit auch vom Gemeindehirten ausgeführt.

 

Namentlich bekannte Scharfrichter und Wasenmeister in Straubing ab der Zeit um 1560:

 

um 1560 Matthes Wiedemann

um 1623 Heinrich Labenekh

um 1640 Michael Schönperger

um 1645 Michael Schönsteiner (erste Hexenprozesse, Prozess gegen fünf räuberische Abdecker, wo er auch mit verwickelt war –Schönsteiner wird abgesetzt)

um 1671 Johann Kaspar Schenstainer

um 1671 Johann Georg Schönststeiner

um 1680 Johann Jacob Deibler

bis 1736 Matthias Pflieger

um 1747 Johann Michael Kober

um 1750 -1774 Johann Adam Bärtl

um 1774-1814 Ignatz Sperger

um 1814 Joseph Zankl, der letzte Scharfrichter in Straubing

 

Gebührenordnung Scharfrichter

Gebührenordnung Scharfrichter2

Quelle: Henker, Scharfrichter und Wasenmeister in Straubing

 


Schindergrube

 

Quelle: Das Foto ist aus dem Buch "Straubinger Zuständ" von Hans Vicari bzw. aus den Archiv des

Gäubodenmuseum und zeigt das Haus des letzten Scharfrichters von Straubing Zankl.

Hier war auch die Schindergrube, in der längere Zeit viele Deliquenten geköpft wurden.

 

Schindergrube heute

Hinrichtungsarten

Hinrichtungsschwert

 

Nach dem Repertorium des topographischen Atlasblattes Straubing aus dem Jahre 1825 gab es


im Raum Straubing 17 Abedecker:

Burgstall, Deggendorf, Hailing, Hainsbach,Jann ( bei Hailing), Isarau, Natternberg, Paulsberg ( bei Metten), Plattling, Pöring, Rain, Schambach, Strähberg (einschichtige Höfe), Straubing, Waibling, Oberwalting ….

Im Raum Landau gab es 1846 28 Abdecker:

Lampersdorf, Exong, Reichenöd, Hitzenberg, Roxau, Gertzen, Weihern, Dornwang, Dingolfing, Abensbach, Teisbach, Reiss, Ödmann, Wunder, Münchsdorf, Loiching, Höcking, Grünbach, Werth …

In Hainsbach waren Jahrhunderte lang Wasenmeister
Hs.Nr. 8, früher Hs.Nr. 23, Franz- Xaver Bachhuber-Haller und Gertrud

Am Haagberg, Haus des Wasenmeisters.

1654 Die Kurfürstin Maria Anna untersagte Abt Placidus vom Kloster St. Emmeram das Jagen mit dem Schmied, Abdecker (Schinder oder Wasenmeister) und Schergen und verlangte, „daß er einen gebrägten Jäger unterhalte“

1671 Simon Hackhl (Häckl), Abdecker zu Hainsbach

1706 Johann Häckl
Er mußte wie seine Vorfahren, die der hochgnädigen Herrschaft gehörigen Jagdhunde ohne Entgelt, soviele er konnte, unterhalten und beim Jagen und Hetzen zur Verfügung stehen. Dafür bekam er von der Herrschaft 10 V Korn und 4 Klafter Holz.

1721 heiratete Johann Häckl in zweiter Ehe Magdalena Huber, Wasenmeisterstochter von Mainburg. Ihr wurde das Leibrecht auf die Wasenmeisterei in Hainsbach um 25 fl und 1 fl 40 kr Leihkauf verliehen.

1778 Franz Häckl erhielt die Wasenmeisterei und das Abdeckerhaus

1815 Michael Häckl (Hackl), Wasenmeister in Hainsbach

1855 Die Geschwister Josef und Theresia Häckl bewirtschafteten das Anwesen und übten die Wasenmeisterei aus


1872 Seit dem Jahr wurde die Abdeckerei nicht mehr betrieben, von da an holte der Schinder von Greißing ( Artmann) das verendete Vieh.

 

Hainsbach Abdeckerhaus

Haus der Abdecker Häckl, später Bachhuber um 1930. Haus ist am Ostermontag 1936 völlig abgebrannt.


Quelle: Chronik von Hainsbach

 


Vor über hundert Jahren war in Geiselhöring ein Wasenmeister (Schinder). Er hieß Otto Artmann und wohnte an der Regensburger Straße vor Greissing. (siehe Bild). Dieser Wasenmeister kam auch nach Oberharthausen, um totes Vieh aufzuladen und nach Hause zu karren.

 

Artmann Geiselhöring

 

Sein Enkel Josef Artmann (heute auch schon 83 Jahre) erzählte, dass der Großvater die Tiere mit einem Holzwagen holte und mit einer Winde auf den Wagen zog. Zu Hause wurden die Tiere zum Häuten aufgehängt. Da hatte er Schienen in seinem Schuppen montiert. Die Häute verkaufte er der Gerberei Bauer Lederer  oder Kuchler in Geiselhöring.

 

Josef Artmann1

Josef Artmann - sein Großvater Otto Artmann war Abdecker

 

Quellen: Josef Artmann, Karl Bräu, Alois Hauner

 


 

Situation in Oberharthausen:

In Oberharthausen gab es keinen Schinder, es ist auch von früher her nichts bekannt. Da haben sich die Leute oft selber geholfen und haben die Tiere begraben. Später gab es dann die Schinder oder Abdecker oder Wasmeister, die dieses Geschäft gegen Lohn übernommen haben. Der nächste Schinder war früher in Greissing und Geiselhöring.

  • Zellmer Hubert erzählt, dass früher eine gestorbene Kuh vom Zellmerhof in einem Bombentrichter vergraben worden ist.

  • Beim Beschuss des Stalles  von Johann Schütz durch die Amerikaner wurde ein Pferd und ein Zugochse getötet. Franz Pömmerl weiß von seinem Opa, dass diese Tiere auch in der nahen Wiese eingegraben wurden.

  • Sepp Danner weiß noch, dass man die toten Tiere oft auch in den Stadlvierteln eingegraben hat, weil der Schinder Geld gekostet hat.

  • Sepp sagt, dass ihm vor 50 Jahren mal ein Kuh verreckt ist, und die hat dann der Schinder aus Plattling geholt. Dafür hat er dann 120 Stück Kernseife bekommen. Die Seife war aber minderwertig und wurde mit der Zeit gelb und trocken.


     Dalli Kernseife  Kernseife

    Durch Verseifung werden Fette  (Talg-, Schweine- und Knochenfette) oder Pflanzenöle mit Natronlauge oder  in die Natriumsalze der Fettsäuren und Glycerin zerlegt. Die dabei entstehende Seifenmasse wird Leimseife genannt und ist die Vorstufe zur Gewinnung der Kernseife. Nach Zusatz von Natriumchlorid (Aussalzen) schwimmt der Seifenkern auf und wird abgetrennt.

  • Die Kühe, die oft gut ausgezeilt waren durch ein Kalb sind dann recht dürr geworden und dann tuberkulos. Dann sind sie gestorben.
  • Dann hat es eine Zeit lang die Leberegeln gegeben, woran viele Tiere gestorben sind, die dann auch der Schinder geholt hat. 

Leberegel

Befall mit Fasciola hepatica, dem großen Leberegel. Weltweite Verbreitung. Die häufigste Form beim Rind ist die chronische Fasciolose, welche durch die Anwesenheit einer geringen Anzahl adulter Leberegel in den Gallengängen verursacht wird. Häufigste Folgen sind Reduktion der Milchleistung und Einschränkung der Fruchtbarkeit. Klinische Symptome: Abmagerung, Anämie, chronischer Durchfall und Ödeme.

 Quelle: Wikipedia



  • Ob auch Schinder aus Hainsbach, Rain oder Straubing nach Oberharthausen kamen ist nicht bekannt.

 


Situation heute

Zweckverband für Tierkörper- und Schlachtabfallbeseitigung Plattling - Der ZTS Plattling

Die gesetzliche Aufgabe zur Beseitigung von verendeten Tieren und tierischen Nebenprodukten ist den Landkreisen und kreisfreien Städten vom Bund übertragen. Alle Niederbayerischen und ein Teil der Oberpfälzer Landkreise und kreisfreien Städte (Verbandsgebiet) haben sich entschlossen, diese Aufgabe in kommunaler Zusammenarbeit durch den Zweckverband für Tierkörper- und Schlachtabfallbeseitigung zu erfüllen. Die Verbandsversammlung hat als Eigenbetrieb den ZTS-Betrieb Plattling gegründet. Der ZTS-Betrieb Plattling steht für eine schnelle, gesetzmäßige, kostengünstige und umweltfreundliche Beseitigung Ihrer verendeten Tiere und tierischen Nebenprodukte.

Unser Betrieb

 Der Zweckverband für Tierkörper- und Schlachtabfallbeseitigung betreibt in eigener Regie die Tierkörperbeseitigungsanlage Plattling. Der Betrieb in Plattling mit der derzeitigen technischen Ausstattung wurde im Jahre 1976 aufgenommen. Seither wird der Betrieb stetig modernisiert, um die Anlage immer auf dem neuesten Stand der Technik zu halten. Im Betrieb Plattling sind derzeit 93 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt.

 

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Verwaltung

Hier gehen die Anmeldungen zur Abholung von Tieren oder tierischen Nebenprodukten ein und werden den Touren und Fahrern durch die Disposition zugeteilt und per GPRS übermittelt. Die erzeugten Fertigprodukte Tiermehl, Tierfett und Blutmehl werden zum Abtransport zur Verbrennung abgegeben und die entsprechenden Transportpapiere für die Spediteure unter regelmäßiger Kontrolle der Veterinäre ausgestellt. Die Abrechnung der Gebühren und Entgelte für die erbrachten Leistungen, die Verwaltung von Kontrakten über die Verbringung der Fertigprodukte, sowie sonstige zentrale Dienste für den gesamten ZTS werden durch Mitarbeiter in Plattling erledigt. Die laufenden Angelegenheiten der Betriebsführung werden durch den Betriebsleiter wahrgenommen.

Fuhrpark

Unser eigener Fuhrpark in Plattling besteht aus insgesamt 45 Fahrzeugen. Im einzelnen sind dies:

  • 19 LKWs zur Entsorgung verendeter Tiere
  • 14 LKWs zur Entsorgung von tierischen Nebenprodukten aus Metzgereien und Gaststätten
  • 4 LKWs zur Entsorgung von tierischen Nebenprodukten aus Großschlachtstätten
  • 2 LKWs zur Entsorgung von Blut aus Großschlachtstätten
  • 1 LKW mit Kippsattelauflieger
  • 1 Kleintransporter

Plattlin gSchinder

Plattling

 

Quelle: https://www.zts-betriebe.de/

 


 

Pillinger Mühle 

 

Pillinger Mühle
Pillinger Mühle, wurde später von Dr. Manfred Rosskopf umgebaut

Tierarzt Dr. Roßkopf heiratete 1957 Marianne Krieger, eine Tochter der Mühlenbesitzer Matthias und Marianne Krieger, die das elterliche Anwesen übernahm. Dr. Roßkopf eröffnete eine Tierarztpraxis, während seine Frau den Müllerhof bewirtschaftete. Im Rahmen des damals noch geltenden Mühlengesetzes wurde die Pillinger Mühle 1962 geschlossen. Es verblieb nur noch der landwirtschaftliche Betrieb.

 

 Bablmühle Perkam

  • Bablmühle

Die Oberharthausener fuhren ihr Getreide zu verschiedene Mühlen. Der Danner Sepp sagte, der Vater fuhr es zur Weidmühle (vor Hirschling rechts zur Laber) und auch dann zur Pillinger Mühle. In der war der Probst Sepp ( der spätere Sauhandler) aus Pilling Obermüller und sagte : Geh weiter, fahrt´s halt zu mir auch Getreide zum Mahlen. Die meisten aber waren beim Benno Babl in der Bablmühle. 
Es war ja so, dass man das Getreide zur Mühle gefahren hat, und dann das Mehl gleich weiter zum Bäcker, der das Brot gebacken hat. So z.B. das Getreide in die Bablmühle und dann das Mehl zum Marxreiter auf Pilling oder Alburg.


 

Pillinger Bäcker Hermann und Siglinde Marxreiter

 

Marxreiter Pilling

 Quelle: Geschichte der Gemeinde Perkam, Albert Ammer

Siglinde Marxreiter

Sieglinde Marxreiter aus Pilling 2013 bei ihrer letzten Fahrt in Oberharthausen.

Wick Stadler spielte ihr auf und Uli Aigner sang ihr ein paar Gstanzl    


       
Bäcker Otto Marxreiter 


wohnte in Kay. Er sang im Wirtshaus in der „Hall“ gerne Lieder, u.a. das „Fraunkäferl“. Den „Ehestand“ sang er 20-30 Mal hintereinander mit dem Danner Sepp. Er sang auch zusammen mit dem Bäcker Liebl von Atting in den Attinger Hochfesten in der Kirche und auch Hochzeiten. Er war ein vermögender Junggeselle und wenn ihm die Gesellschaft gepasst hat, dann ist es ihm auf ein paar Maß Freibier nicht zusammen gegangen. Als er gestorben ist haben sie einen Koffer voll Noten und Lieder gefunden, die aber nicht aufgehoben wurden. Der Danner Sepp trauert den Liedern heute noch nach, aber auch dem Brot. Er sagt so ein gutes Brot gibt es heute nimmer.

Später übernahm sein Neffe Otto Marxreiter aus Alburg die Bäckerei. Er fuhr auch wöchentlich die waren aus und führte ausgiebige Gespräche mit den Dorfbewohnern.
ins Wirtshaus Wacker ist er ja nicht gegangen, weil die Familie Wacker das Brot aus Geiselhöring genommen hat vom Stierstorfer Babtist. Die sind mit einem Pferd gekommen und haben das Brot zum Wacker gebracht. Der Ausfahrer Seidl mit seiner Frau ist auch auf Pönning gekommen, weiß die Pärr Gerda zu erzählen. Die Pferde hatten dabei ein Futtersackl vor dem Maul hängen, wo sie dann unter dem Gehen auch gefressen haben.

Sein Bruder von seinem Onkel war zu der Zeit einer der besten Rennfahrer unserer Gegend. Er wurde 1952 Deutscher Meister, fuhr auch im Ausland Rennen. Er war zu seiner Zeit der poulärste Sportler von Niederbayern. . Er fuhr ein Imperia Motorrad.

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M4

 


 

Eierhändler

 

Hühner


Erna Marklseder  aus Pilling ,

Übernahme durch Hermann Marklseder 1990. Frau Marklseder kam früher mit der „Spitzkirm“ und hat damit auf dem Rücken die Eier getragen. Später hat sie der Sohn Hermann mit dem Auto zum Eierhandeln gefahren.

Weitere Eierhändler waren Familie Mayer aus Perkam und Reif aus Straubing

Vor dem ersten Weltkrieg war Hühnerhaltung auf den meisten Bauernhöfen üblich, doch sie diente erst einmal der Selbstversorgung. Überschüsse wurden zumeist an Aufkäufer, Hausierer oder Ladenhändler verkauft, teils noch im Tauschhandel gegen Waren. Hühnerhaltung war Frauenarbeit. Eierverkauf ergab Zusatzeinkommen: „Die Bauersfrau zog mit ihrem Korb Eier wöchentlich ein- bis zweimal zur Stadt auf den Markt, bekam für das Dutzend Eier 30, im besten Falle 50-70 Pfg. und konnte mit diesem Erlös kaum die abgelaufenen Stiefelsohlen, geschweige denn das Futter für ihre Hühner bezahlen“

 frsiche eier

 

Auslandseier

 

Detailliertere Kennzeichnungsvorschriften des Reichsausschußes für Geflügel- und Eierverwertung machten 1930 den Anfang. Eine weitere Größenklasse wurde eingeführt, diese farbig voneinander geschieden: Größe S (über 65 g) erhielt einen schwarzen Adlerstempel, A (60-65 g) einen roten, B (55-59,9 g) prangte blau und C (50-54,9 g) abermals schwarz. Pflichtschuldig hieß es in der Fachpressen: „Wir wollen hoffen, daß es gelingen wird, sowohl die Auslandsware als auch die Kühleier in einer Weise zu stempeln, daß es nicht mehr möglich sein kann, daß Manipulationen vorkommen, denen der reelle Handel vollkommen fernsteht, durch die das Publikum aber getäuscht wird, was wiederum zur Folge hat, daß durch gemachte schlechte Erfahrungen der Eierverbrauch zurückgeht“ 

 

11 landfrau 1930 nr11 p5 eier markenartikel frischei kennzeichnung

 

 

Die Eierverordnung vom 17. März 1932 bedeutete ein Ende des gestempelten „Deutschen Frischeies“. Der einmal etablierte Begriff blieb bestehen, rechtlich verbindliche Qualitätskriterien gab es jedoch nicht mehr. Die Verordnung setzte an deren Stelle neue Handelsklassen.
Handelsklasseneier waren in fünf Gewichtsgruppen unterteilt, um so große (A), mittelgroße (B), gewöhnliche (C) und kleine (D) Eier von der wuchtigen Sonderklasse (S) unterscheiden zu können. Zwei Gütegruppen orientierten sich am Alter der Eier, schieden vollfrische (G1) von frischen (G2) Eiern. Für den Kampf um die Marktstellung des deutschen Eies zentral war eine zusätzliche Kennzeichnung der Herkunftsländer. Damit wurden Auslandseier als solche kenntlich. Doch damit nicht genug. Um vollfrische/frische Eier hervorzuheben, mussten Kühlhauseier (K) und konservierte Eier (Konserviert) ebenfalls gekennzeichnet werden. Farbliche Akzente blieben bestehen, denn die Stempel sollten von September bis Mitte März rot, den Rest des Jahres schwarz sein.

 Quelle: Uwe Spiekermann Historiker, Das Deutsche Frischei

 


Milch der Kühe auswiegen

 

Milchprüfer 

Milchprüfer zieht eine Probe die dann in der Molkerei analysiert wird

 

Mayer aus Feldkirchen

haben die Milch der Kühe ausgewogen.

Herr Mayer aus Feldkirchen war Zuchtwart und ist nach dem Krieg mit dem Radl gekommen und hat hinten am Gepäckträger einen Kasten mit lauter kleinen Fläschchen gehabt. Auch seine Frau war öfters mit dabei. So sind sie zu den Bauern gefahren, die Kühe hatten und im Zuchtverband angemeldet waren. Es wurde die Michleistung von den beiden Melkungen in der Frühe und am Abend gewogen und di eLiter notiert. Dann wurde eine Probe Milch im Fläschchen mitgenommen, um den Fettgehalt der Milch bestimmen zu können. War dann eine Kuh besonders überdurchschnittlich, bekam der Bauer eine runde Plakette, die an die Stalltür genagelt wurde. So fanden sich damals Türen, die mit vielen solcher runden Auszeichnungen geschmückt waren, und auf die der Bauer natürlich stolz war.

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Auszeichnung bei überdurchschnittlicher Milchleistung

 

 

 Sigl Rita

Nicht nur die Familie Mayer

aus Feldkirchen hat diese Arbeit gemacht,

sondern später auch die Sigl Rita aus

Pilling. Sie war zwanzig Jahre bis zum Jahr 2000 beim LKV Bayern  angestellt. LKV heißt:

(Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung in Bayern e.V.)

 

Die Milchprüfer waren bei der Molkerei in Straubing angestellt. Während des Krieges war der alte Johann Hösl Milchprüfer. Er musste alle Bauern mit Kühen auswiegen, damit niemand zu Hause Butter ausrührt und die Milch genau abliefert. Er nahm das nicht so genau. Der Sepp Danner weiß noch dass er sagte: So, so wievui hamma denn da heut wieda... na ja schreib ma moi 7 Liter auf.... er hat sie nicht gewogen einfach geschätzt. Er war auch Gemeindediener, der 
aber dann seines Amtes enthoben wurde, weil er Geld unterschlagen hatte ( er kassierte die Grundsteuer doppelt) Wenn er zur Dietl Hedwig nach Straubing musste, um die Grundsteuer für die Hall zu kassieren, dann sagte er : Ach Hedwig, heut ist so a starker Wind gewesen, ich wär bald nimmer eine kemma auf Straubing. Dann hat sie gesagt, ja dann geh auße in de Gaststubn und laß dir a gscheids Mittagessen und a Bier gebn.

Milchabholung

Die Milch wurde dann nach dem Melken ("Zeilen") in Milchkannen ( 20 Liter)  geschüttet und dann zum Sammelplatz "Muilchbankerl" gebracht. Die war am Zaun vom Gartl von Mayer Xare gegenüber der Kirche für das "Oberdorf" und beim Gürster für das "Unterdorf". Von dort hat sie der Milchfahrer  aus seinen Lastwagen aufgeladen und sie in die Molkerei nach Straubing gefahren. Dann stellte er die leeren Kandeln wieder am Muichbankerl ab und die Leute holten sie nach Hause für die Befüllung am nächsten Tag. Ein Anwesen wie der Zellmerhof hatte nach Angaben von Sepp Zellmer jeden Tag acht Kandeln je 20 Liter Milch. Die Milchfahrer waren zuerst Herr Heininger aus Pilling und dann der Sepp Stahl aus Perkam. Bevor es die Molkerei gab, wurde die Milch von den Bauern mit dem Rührfassl zu Butter ausgerührt und dieser dann verkauft.

 

Stahl Sepp

 

 

Milchkanne

damals übliche Milchkanne mit 20 Liter Inhalt

 

Milchkannen am Münchne rMilchhof

Milchkannen werden im Milchwerk abgeladen


Strom ablesen

Herr Eder aus Gundhöring
kam alle zwei Monate zum Strom ablesen. Frau Pärr Gerda sagte, dass er dabei immer gleich abkassierte. Wenn man den Strom nicht zahlen konnte, war es von der Stromgesellschaft möglich, den Strom abzustellen. Es gab auch Automaten, in die man Geld einwerden konnte, wenn man wieder Strom wollte.

 

Drehstromzähler 1930

 

Drehstromzähler Siemens 1932

 

 

 


 

Pönninger Gewerbetreibende:

 

Herr Schlecht aus Pönning mit Verkaufswagen.

Er arbeitete im Milchwerk und verkaufte im Dorf Waren von der Molkerei wie Milchpulver für Kälber, Joghurt, Käse, Butter usw. 

 

Herr Otto Kiendl Metzgerei in der Antenringer Straße, heute Haus Röhrl

Metzgerei von 1929 bis zu seinem Tod 1954



Lattner Lebensmittel

 

Lebensmittel Lattner kl

Das Waashaus mit dem Lebensmittelladen Lattner aus dem Jahre 1956 anlässlich der Fahnenweihe

des Burschenvereins

 

In einem Raum dieses Hauses befand sich der Lebensmittelladen Lattner. Der Flüchtling Lattner,In einem Raum dieses Hauses befand sich der Lebensmittelladen Lattner. Der Flüchtling Lattner,der bei Frau Hambauer wohnte, hat nach dem Krieg etwa ab 1946 den Laden geführt. Der Jugoslawe Iwan Galic verkaufte in einer Baracke im Kriegergarten neben dem Waas-Haus Kleidung.Als Lattner 1957 seinen Laden schloss, übernahm Galic den Lebensmittelverkauf in einem Holzhausim Bogner/Schötz-Eck. Im ehemaligen Lattnerladen lagerte er die Lebensmittel, da es in seinerHolzbaracke zu warm war.

 

Kolonialwaren Anni Bayer

 

Bayer Anni

Der Kolonialwarenladen der Familie Bayer

Dritte von links: Bayer, Anni, ganz rechts Bayer, GünterBayer,

Anni war langjährige Gemeindesekretärin und Organistinin der Pönninger Kirche

Die Krämerei wurde von 1948 bis 1953 geführt. Dann Geschäftsaufgabe,

da Günter und Anna auswärts arbeiteten.

 

 

 

 

 Iwan Galic (1950 - 1961 in Pönning)

Galic kl

 

Dorfplatz mit dem Holzhaus der Krämerei Iwan Galic ( steht vor der Eingangstür)

wurde später abgerissen und gemauert

 

Iwan Galic hatte sich zu seiner Krämerei einen kleinen Transporter angeschafft, mit dem er Personenbeförderungen nach Straubing machte. Er fuhr auch durch Oberharthausen und nahm bei Bedarf Leute mit.

 

 

Pächter dieses Verkaufshauses (Besitzer Willi Schötz):

1950 - 1961 Iwan Galic

1961 - 1969 Schweiger

1969/70 - 1982 Isidor Ebner

1982 - 2002 Adolf Wals

2002 Laden erloschen

 

Isidor Ebner (1969/70 bis 1982 in Pönning)

 Dore 1

von links: Xare Mayer, Isidor Ebner vom Lebensmittelgeschäft in Pönning

( "Dore"), Hans Senft, Franz Pömmerl, Karl Hölzl beim Schafkopfen im Gasthaus Wacker

 

 

Adolf Wals (1982 - 2002 in Pönning)

 

 Wals  Adolf Wals war nicht nur ein guter Lebensmittelhändler sondern auch ein begeisterter Fußballspieler. Er machte sämtliche Freundschaftsspiele zwischen Oberharthausen und Pönning mit.

 

 

Das Hefenweib Laumer von Pönning



Die hat a "Germ" mit dem Bindfaden heruntergeschnitten. Das waren große Pfund-Blöcke wie Wenn man da um a Zehnerl a Germ geholt hat, dann hat sie sauber mit einem Zwirnfaden das Stück abgeschnitten. Die Hefe war immer frisch, weil die Leute alle Woche zum Brotbacken a Germ gebraucht haben. Man hat eine Hefe auch zur Blutreinigung gegessenVor den Zeiten von Supermärkten gab es die Hefe noch direkt beim Bäcker oder Kramer. Dort gab es Hefe stets in 500 Gramm Blöcken, die für den häuslichen Bedarf natürlich viel zu groß waren.

Aus diesem Grund wurden die Blöcke in mehrere Würfel geschnitten. Teilt man 500 Gramm in 12 Würfel auf, wiegt jeder Würfel rund 42 Gramm. Wer es ganz genau nimmt: 41,66 Gramm.

Die Aufteilung in 12 Würfel gleich große Würfel ist relativ praktisch und ergibt haushaltsübliche Größen. Ein Würfel reicht für 500 bis 1000 Gramm Mehl aus. Später übernahm die Industrie einfach das Gewicht von 42 Gramm und hat es bis heute nicht verändert.
Heute ist die Hefe ja billiger wie damals. So ein Würfel kostet heute 9 Cent.

 

 Germ Germ1 

eine Hefe ("Germ" ) wurde früher mit dem Bindfaden vom Pfundstück abgschnitten..

jetzt Einheitsgröße 42 Gramm

 

Karl Nißl von Pönning hat Kracherl gemacht

Am 5. 10.1934 wird dem  Limonadenfabrikanten Karl Nißl vom Gemeinderat  genehmigt, dass er Limonaden, Kaffee und Wein ausschenken darf. Bei  den Nißl gab es Zwillinge, einer war ein Schreiner und einer hat Kracherl gemacht.  Der Kracherlmann ist 1949 bei der Arbeit ums Leben gekommen. Danach wurde der  Limonadenbetrieb eingestellt. Danner Sepp sagt, dass er ganz gute Kracherl gemacht hat und sie haben sich immer welche geholt.

 

Siegmund Nißl Schreinerei

Schreinermeister, seit 1950 Bau- u. Möbelschreinerei

 

Werkstatt Nißl

Werkstatt Nißl Pönning

 


Metzgerei Kiendl

 

1899 9. Oktober Kiendl, Johann Nepomuk und Anna, geb. Leidl, Kauf um 6.000Mark, Metzger

1927 Kiendl, Anna und Kinder, Erbfolge

1928 Kiendl, Otto, Übergabe, Metzgermeister

1929 Kiendl, Otto und Ella Anna, geb. Kammermeier

1954 Kiendl, Ella Anna, Witwe

1973 Röhrl, Rupert und Rosa, geb. Botzler, Kauf

 

Metzgerei Kiendl Pönning

ehemaliges Haus von Metzgerei Kiendl, jetzt Familie Röhrl

 


 

Hierlmeier Pönning Sattlerei

 

Hierlmeier

 

Anwesen des Sattlers Xaver Hierlmeier, jetzt Hans und Rita Stierstorfer

 

Herr Hierlmeier hat 1963 die Polsterung der Bänke in der Pönninger durchgeführt.
Der Sattler war für die Schulkinder immer ein wichtiger Mann. Bevor das neue Schulhjahr begann, wurde immer die lederne Schultasche überprüft. Falls ein Riemen fehlte oder eine Naht aufging, dann fuhr man das Stück zum Sattler auf Pönning. Der reparierte das gute Stück, und das Schuljahr konnte beginnen.  

 


 Josef Walkshäusel. Wagner

Im Laufe der Zeit nahmen Arbeitsgeräte mit Eisenteilen zu. Der Schmied stellte diese Teile her, besserte sie aus, schärfte sie und beschlug die Pferde; deshalb war er für das Dorf wichtig und seine Stellung und seine Arbeit waren geschützt (siehe Gerechtsame, Ehehaft). Der Wagner war der zweite wichtige Handwerker, denn er stellte die meisten Holzgeräte her wie den Pflugsterz, den Pflugbaum, aber auch Ackerwagen und Beetegge. Außerdem machte er Fenster und Türen sowie Eisstöcke.

1939 Walkshäusl, Josef, Wagner, Kauf; er betreibt hier die Wagnerei

 

Walkshäusel Josef

 


 

Josef Kohlbeck, Schuster

 

Kohlbeck Schuster

Das Kohlbeckanwesen um 1910

mit der Schusterfamilie Josef und Johanna Kohlbeck

 


Pater Seraphin Weizensammlung von den Karmelitern (Bettelorden)

Der Pater machte die Weizensammlung für die Karmaliten in Straubing, der dann verkauft wurde. Es wurde ihm von den Dorfleuten die eine oder andere Mark zugesteckt. Die kleinen Kinder freuten sich schon wenn er kam. Die Buben bekamen ein Bild von einem Engel von ihm. Die Mädchen warteten schon sehnsüchtig, bis er seine Dose öffnete. Darin waren kleine Ringerl für die Mädchen. Der Pater hatte auch geweihte Heublumen dabei. Die musste man den Tieren im Stall geben, damit sie nicht krank werden und damit man ein Glück im Stall hatte.

Gerda Pärr erzählte von den Karmelitenpatern, dass sie immer zu einer Beimesse gekommen sind wenn ein reicher Bauer gestorben ist. Sie wurden auch eingeladen zur Kremes und bevor sie heimgingen, bednakten sie sich für das gute Essen und fragten schüchtern, ob denn noch a Wengal wos da sei zum Mitnehmen?

Beimesse:
Zur Hebung der Feierlichkeit und als Ausdruck des gesellschaftlichen Ansehens des Verstorbenen wurden während des Totengottesdienstes am Hochaltar auch noch an den Nebenaltären der Kirche sog. stille Beimessen gefeiert; je mehr Beimessen, deso gewichtiger die Fürbitte für die Seele des Abgestorbenen; aber auch: je reicher der Tote, desto mehr Beimessen. Der liturgischen Bewegung des frühen 20. Jhd. war diese, Charakter und Bedeutung des Meßopfers überlagernde und verfälschende Praxis ein Dorn im Auge; schon allein des spürbaren Priestermangels wegen kam die "Beimesse" nach der Jahrhundertmitte außer Übung. (Quelle: Joseph Schlicht, Bayerisch Land und Bayerisch Volk)

 

 

Pater Elias und Karl

Pater Elias und Pater Karl vom Karmelitenkloster

 


Beichtzettel sammeln

Besondere Bedeutung hatte die Beichte während der Osterzeit für alle Pfarrangehörigen. Vom ersten Fastensonntag an bis eine Woche nach Ostern, dem Weißen Sonntag, war Osterbeichte. Am Ende der Beichte schob der Pfarrer jedem reuigen Sünder einen Beichtzettel zu mit der Maßgabe, diesen nicht zu verlieren. Auf der Vorderseite war ein religiöses Motiv abgebildet, auf die Rückseite war ein Gebet gedruckt und unten stand: Osterbeichte in der Pfarrei Atting und ab 1951 Perkam.

Bald nach dem Ende der Osterbeichtzeit ging dann der Pfarrer mit dem Mesner von Haus zu Haus und überprüfte genau, ob jede Person im Haushalt eine „Quittung“ hatte. Er erkundigte sich noch, ob alle täglichen Gebete in der Familie eingehalten wurden und nahm dann wie selbstverständlich kleine Geschenke wie Schinken, Eier oder Geld an. Er ging mit der Aufforderung an die Erwachsenen, doch weiter jeden Monat zur Beichte zu gehen. In manchen Familien kam es nun vor, dass die Oma oder die Tante oder sonst jemand während der Osterbeichtzeit zweimal zur Beichte ging und so in den Besitz mehrerer Beichtzettel kam. Das waren natürlich begehrte Objekte für Familienmitglieder, die nicht im Besitz dieses wertvollen Stückchens Papier waren. Mit einer Tafel Schokolade oder ein paar Pralinen wechselte das Bildchen schnell seinen Besitzer. Und es kam auch vor, dass glückliche Besitzer mehrerer Beichtzettel diese im Wirtshaus gegen ein paar Maß Bier eintauschten. Danner Sepp sagt, die Leute die dann schnell noch vor Ostern nach Straubing gefahren sind, um einen Beichtzettel zu bekommen, hat man „Roßdieb“ genannt.

Die Bauern sind ja nicht vor Ort zum Beichten gegangen, weil viele etwas mit Dienstbotinnen hatten, und das wollten sie dem hiesigen Pfarrer nicht beichten. Danner Sepp weiß noch, dass so mancher am Samstag in Straubing die schweren Sünden gebeichtet aht und am Sonntag bei uns nur noch den Rest, die leichten Sünden. In Falkenfels war ein Monsignore, der dann vor Ostern nach Straubing gefahren ist. Er hat dann zu den Bauern gesagt: Wieviel Beichtzettel brauchts denn“. Dann hat er den Bauern die Beichtzettel verkauft.
Pfarrer Kammermeier und Müller sind Beichtzettel sammeln  gegangen.  Pfarrer Beuchert sammelte auch noch fleißig an Ostern. Der Grollhof Alois hat zu ihm gesagt: Fass dir soviel ein wie du tragen kannst“. Der Danner Sepp weiß aber auch nicht mehr, ob er einen Doppelzentner schaffte.  Das Geld das da gesammelt wurde hat dem Herrn Pfarrer gehört. Später wurde kein Weizen mehr gesammelt, sondern man gab ihm ein Geld.

 

Osterbeichte

 

Beichtzettel von der Osterbeichte 1979 in der Karmelitenkirche

 


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